Lesermeinung

Zur Diskussion über ein Aalener Mosambik-Engagement:

Es lässt sich gut nachvollziehen, dass es Vorbehalte gegenüber der Sinnhaftigkeit einer Städtepartnerschaft mit einer Stadt in einem der ärmsten Länder der Welt gibt. Als ich 2010 zum ersten Mal nach Mosambik flog, um dort an der Katholischen Universität von Mosambik im Krankenhaus der Stadt Beira Medizinstudenten zu unterrichten, begleiteten mich viele Zweifel über Richtigkeit dieser Aktion. Inzwischen habe ich nicht das Gefühl, dass ich diese zwei Wochen meines Jahresurlaubs opfere, sondern empfinde die Zeit dort als Gewinn. Durch eine Städtepartnerschaft können durch Austauschprogramme und Bildungsinitiativen Schüler, Jugendliche und Studenten von dort Zugang zu erweiterter Bildung gelangen und auch Jugendliche von hier werden über den Austausch in der Schule oder Hochschule oder Möglichkeiten des FSJ viele neue Erfahrungen sammeln können. Auch wir Erwachsene können durch gemeinsame sportliche und kulturelle Aktivitäten profitieren, so wie es auch die innereuropäischen Partnerschaften ermöglichen. Ich konnte z.B. letztes Jahr an einer Chorprobe eines Gospelchors teilnehmen, zu der mich einer meiner Studenten mitgenommen hat. Über solche gemeinsame Aktivitäten wie Singen und Tanzen kann man, obwohl das Land und die Menschen arm sind, durch eine Städtepartnerschaft den Menschen auf Augenhöhe begegnen. Das ist allemal besser, als zu warten, bis sie als Flüchtlinge zu uns kommen.

Ulrich Solzbach, Essingen

© Gmünder Tagespost 06.05.2018 21:00
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