Lesermeinung

Zur geplanten Erweiterung des Milchviehbetriebs Kobeleshof:

45 000 Tonnen Biomüll sollten für die geplante Bioerdgasanlage bei Röhlingen hertransportiert werden, 30 000 Tonnen Reststoffe wieder weg. Verständlich, dass die Röhlinger den Verkehr fürchteten und sich lautstark wehrten. Aber schade um das ökologisch sehr sinnvolle Projekt, aus Biomüll Erdgas zu erzeugen. Auf dem Kobeleshof müssen bei dem Ziel von 2500 bis 3000 Rindern etwa 12 000 Tonnen Milch und 40 000 bis 50 000 Tonnen Gülle und Schmutzwasser wegtransportiert werden. Futter und Einstreu müssen in annähernd der gleichen Menge hertransportiert werden. Dazu kommen Betriebsmittel-, Maschinen- und Tiertransporte. Dadurch dürfte die Anzahl der Transporte annähernd doppelt so hoch ausfallen als durch die geplante Bioerdgasanlage, also 5000 bis 7000 Fuhren pro Jahr. Diese häufen sich im Sommer stark beim Gülleausbringen und beim Silieren. Ob das die Röhlinger vor ihrer Haustüre auch so ruhig hingenommen hätten wie die Menschen in Eggenroter und Matzengehren?
Dabei ist das Vorhaben nicht ansatzweise so ökologisch sinnvoll: viermal mehr Gülle, viermal mehr Silomais, größere Entfernungen, noch mehr Glyphosat und noch mehr Bodenverdichtung als jetzt schon vom Kobeleshof! Das einzige, was Eggenrot, Ellwangen und das Umland von dem ganzen Größenwahn haben werden, ist die zweifelhafte Ehre, den größten Milch- und Gülleproduzenten im Ländle vorweisen zu können.

© Gmünder Tagespost 26.04.2018 19:25
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derleguan

Die bäuerliche Landwirtschaft und das regionale Lebensmittelhandwerk sind in Gefahr. Denn Agrarkonzerne und die Bundesregierung treiben die Industrialisierung der Land- und Lebensmittelwirtschaft voran. Wir wollen Bauernhöfe statt Agrarindustrie! Weiterhin Steuermilliarden für Agrar- und Chemieindustrie, Großgrundbesitz und Tierfabriken? Oder werden die regionale Landwirtschaft und das Lebensmittelhandwerk sowie Tier- und Umweltschutz gefördert? Kleinere und mittlere Höfe müssen überleben können. Dafür brauchen wir eine Agrarwende hin zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft!
Wir wollen gesundes Essen! Aber Pestizide wie Glyphosat belasten unsere Lebensmittel, Mega-Mastanlagen quälen Nutztiere und übermäßiger Gülleeinsatz verschmutzt unser Wasser. Chemieriesen versuchen neuartige Gentechniken durch die Hintertür auf die Äcker und Teller der Welt zu bringen. An diesem System verdient vor allem die Agrarindustrie – auf Kosten von Bäuerinnen und Bauern. Wir brauchen verbindliche Regeln für eine Land- und Ernährungswirtschaft, die Mensch, Tier, Umwelt und Klima schützt!