Wenn Schnee zum Problem wird

Hausdach Hat es im Winter einmal ordentlich geschneit, sollten Hausbesitzer ihre Immobilie genau beobachten. Solaranlagen und Dachkonstruktionen können unter dem Gewicht der weißen Pracht Schäden davontragen.
  • Foto: Florian Schuh/dpa-mag

So schön der Schnee auch ist – neben dem lästigen Schneeschaufeln kann die Schneelast auch Schäden am Haus verursachen.

Kann eine dicke Schneedecke mein Haus zum Einsturz bringen? – Das passiert sehr selten, aber ein Dach hält nicht alles aus. „Während zehn Zentimeter Nassschnee bereits bis zu 40 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen können, sind es bei Eis sogar bis zu 90 Kilogramm pro Quadratmeter“, erläutert Horst Lenz, Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz.

Gerade wenn die Abläufe über Regenrinnen verstopfen oder vereisen, besteht die Gefahr, dass das Gewicht sich immer weiter erhöht - teils unbemerkt. Daher sollten Hausbesitzer die Abläufe immer frei halten. Auch Schneeverwehungen an Dachvorsprüngen und Vordächern stellen eine Gefahr dar. Sie können die Last auf Teilflächen des Dachs erheblich vergrößern.

Wie viel hält mein Haus aus?

Diese Information finden Hausbesitzer im Standsicherheitsnachweis des Dachs oder beim Bauamt. Zudem ist Deutschland in Schneelastzonen eingeteilt. Sie finden sich online beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Grundsätzlich gilt: Je höher der Standort eines Gebäudes liegt, umso mehr schneit es normalerweise im Winter in der Region. Und umso höher sind die vorgeschriebenen Grenzwerte für die Schneelast, erklärt Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau aus Erfahrung.

„Steildächer mit einer Dachneigung von mehr als 30 Grad sind weniger gefährdet als Flachdächer“, ergänzt Gebbeken. „Ist das Dach flacher als 20 Grad, muss der Besitzer im Winter besonders aufpassen, ob sich das Dach durchbiegt.“

Wie erkenne ich Gefahren?

„Handeln sollten Hausbesitzer dringend, wenn sich das Dach sichtbar verformt, Fenster oder Türen klemmen oder der Putz Risse bekommt“, zählt Gebbeken auf. Laien sollten Dächer nicht betreten.

Wer räumt das Dach?

Wer vorsorglich das Dach vom Schnee räumen lassen möchte, muss etwa einen Dachdecker holen, rät Gebekken. „Nur wenn akut die Gefahr besteht, dass das Dach wegen der Schneelast einbricht, kann die Feuerwehr gerufen werden. Dafür können Gebühren anfallen.“

Schnee auf Solaranlagen

Nach den technischen Regeln installierte Anlagen überstehen in der Regel selbst sehr schneereiche Winter unbeschadet, erläutert der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Je größer die Dachneigung oder der Aufstellwinkel ist, desto schneller rutscht der Schnee von den Modulen. Zugleich befreien Spezialglas und die bei Sonneneinstrahlung entstehende Wärme die Module rascher von Schnee als die restliche Dachfläche.

Geht das Hausbesitzern nicht schnell genug, sollten sie dennoch nicht versuchen, die Anlagen vom Schnee zu befreien, warnt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. „Das Risiko, sich zu verletzen oder die Anlage zu beschädigen, steht in keinem Verhältnis zum Mehrertrag“, mahnt er. dpa

© Gmünder Tagespost 12.01.2018 17:58
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