Kommentar: Jürgen Steck über die Bundestagswahl 2021:

Sisyphos von der Ostalb

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Jürgen Steck

Ein teils absurder Wahlkampf. In dem Kleines wichtiger war als Großes. Doch was bedeutet das Ergebnis für die Ostalb? Fünf Abgeordnete, darunter zwei Staatssekretäre, konnten bislang dafür sorgen, dass die Wünsche und Sorgen der Menschen im Aalener und im Gmünder Raum gehört werden in Berlin. Jetzt sind wohl nur noch vier.

Roderich Kiesewetter: Gewinner und Verlierer zugleich. Viele wüschen ihm eine künftig wichtigere Rolle. Im Verteidigungsministerium. Oder in der Außenpolitik. Aber dazu müsste die Union regieren – nun ja. Wie auch immer: Kiesewetter ist ein sehr fleißiger Wahlkreisabgeordneter. Der Camus-Fan kann sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen. Und wird weiter fleißig einen Stein nach dem anderen den Politberg hinauf wälzen. Auch wenn es fürs Ministerielle wohl wieder nicht reicht.

Leni Breymaier, in der SPD links zu verorten, hätte eine Rolle spielen können, wenn die SPD eine Regierung mit Grünen und Linkspartei hätte bilden können. Jetzt werden die Genossen mit Liberalen und Grünen ein Bündnis schmieden. Weniger links: Leni Breymaier hat dann mehr Zeit für den Wahlkreis.

Und Margit Stumpp, bei den Grünen Fachfrau für Digitales und Bildung, hat ihre Akzente eher zu bundespolitische Themen gesetzt und weniger im Wahlkreis und noch weniger im Aalener Raum. Das kann man kritisieren. Man muss aber auch sehen, dass es gut ist, wenn sich jemand um diese Themen kümmert. Und nicht nur um Umgehungen. Und weil die Grünen wohl mitregieren werden, ist es mit Stumpp in Berlin besser als ohne.

Gut für die Region: dass CDU-Frau Dr. Inge Gräßle in den Bundestag einzieht. Die langjährige Europaabgeordnete ist auf vielen Ebenen vernetzt - das kann helfen. Nicht nur den Gmündern.

Aufgabe aller gemeinsam muss es aber sein, den vielen Verunsicherten, Ängstlichen und Hasserfüllten in unserer Gesellschaft dies zu nehmen: ihre Unsicherheit, ihre Angst und ihren Hass.

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