Lesermeinung

Bläse hat uns nicht gefragt

Zu: „Wird die Ostalb Lauterbachs Projekt“, Schwäpo vom 21. Januar:

Einer der Hauptgründe für Krankenhausdefizite ist die mangelnde Finanzierung der Krankenhäuser durch die Länder, laut Haushaltsausschuss des Bundestags ein Fehlbetrag von 4 Milliarden Euro jährlich. Daraus resultierten Sparmaßnahmen und Personalmangel. Dies ignoriert die Politik und plant weiter Sparmaßnahmen.

Alle Vorschläge der Kreispolitik enthalten Bettenabbau, obwohl Baden-Württemberg bundesweit die niedrigste Bettendichte hat (488 pro 100 000 Einw.). Außerdem werden Verschiebungen von Krankenhausbehandlungen zu Arztpraxen angestrebt, was bei Patienten, die als gesetzlich Versicherte oft monatelang auf Facharzttermine warten müssen, keine Zuversicht hervorruft.

Was nach Klinikschließungen folgen soll, ist unklar. Es ist die Rede von Notfallmedizin, Altersmedizin, ambulanten Angeboten mit niedergelassenen Ärzten. Begriffe wie „Campus“ lassen alles offen. Und jetzt, nachdem Gesundheitsminister Lauterbach seine Krankenhausreform vorgestellt hat, wurde der Ostalbkreis vom Landrat als „Projekt“ zur Erprobung der Reform angeboten. Die Details der Reform und die Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung sind unbekannt und noch nicht beschlossen.

Trotzdem hat ein Politiker, Mitglied des Bundestags in der Opposition, sogar blindlings eine Qualitätssteigerung zugesagt, ohne diese benennen zu können. Unsere Versorgungsstrukturen werden leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Wir wurden nicht gefragt, ob wir bereit sind, bei dem Projekt als Patient mitzuwirken. Wenn das Projekt schief gehen sollte, ist ein Teil unserer Versorgungsstrukturen vielleicht für immer weg. Wir brauchen Sicherheit in der Gesundheitsversorgung, gute Arbeitsplätze im Gesundheitswesen und kein neues, Flächen fressendes und teures Zentralklinikum neben Krankenhausruinen, die man Campus nennt.

Pia  Geiger

Aalen

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