Lesermeinung

China und die Ostalb

  • Weitere
    schließen

Zum SchwäPo-Artikel „Knappes Material: Betriebe alarmiert“ von 29. Mai:

Die Ostalb Bauhandwerker beklagen, China und USA würden uns hier das Holz wegkaufen. Fakt ist: Der Holzpreis (Fichte, Qualität 2a) ist aktuell dort angelangt, wo er 2010 bis 2018 war. Was gibt es da zu klagen?

Die Unmengen Schadholz drückten dann den Preis. China und USA kaufen nun dieses Schadholz gerne. Alle Waldbesitzer feiern, dass wenigstens die Erntekosten hineinkommen. Vielleicht bekommt so der langfristige ökologische Umbau des Waldes eine Chance, und das ist gut für die Ostalb. Man erkläre mir, weshalb die Holzpreise für Bauholz, die 2010 – 2018 und heute bei 90 Euro liegen, für steigende Baukosten verantwortlich sein sollen.

Lagerhaltung ist nicht mehr angesagt, dann muss man halt kurzfristige Preisschwankungen bei Rohstoffen und Zulieferteilen in Kauf nehmen. Dieses Spannungsverhältnis ist wohl so alt wie die Geldwirtschaft. Jammern wenn’s gerade klemmt, ist lächerlich. China kauft Schadholz, Schweinefleisch, Wein – und stützt dabei aktuell, wenn auch kurzfristig, spürbar die Preise der Produzenten.

Aber Herrn Kiesewetter scheint in seiner Zusammenfassung vor China warnen zu wollen: „Wir dürfen nicht zu verlängerten Werkbank Chinas werden“, wird er zitiert. Wie unpassend! Bis vor 35 Jahren war China noch Rohstoff-Lieferant. Seitdem wurde China zur verlängerten Werkbank der alten Industrieländer. Verständlich, dass es versucht, aus dieser Lage herauszukommen. Davon profitiert die deutsche Wirtschaft, sofern sie innovativ ist. Im allgemeinen Wirtschaftsteil heißt es in der derselben Zeitung eine Seite vorher: „Geschäft in China wächst“ (VDMA). Innovative und umweltfreundliche Produkte haben in China eine Chance, langfristig – das zeigen die vergangenen 30 Jahre und einige Unternehmen der Ostalb.

Walter Haveman

Aalen

Zurück zur Übersicht: Leserbriefe

WEITERE ARTIKEL