Lesermeinung

Elternattacken gegen Lehrer

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Zur Schwäbischen Post, Ausgabe vom 12. Mai: Schutz vor Corona bringt Ärger ein

Als Lehrer im Ruhestand danke ich jeden Tag meinem Herrgott, dass ich nicht mehr erleben muss, was die Kolleginnen und Kollegen unter erschwerten Corona-Bedingungen alles durchmachen müssen. Die im Hybridmodus zwischen Homeschooling, Wechsel- und Präsenzunterricht rochierenden Lehrkräfte sind mittlerweile physisch wie psychisch am Belastungslimit angelangt.

Nun hat der VBE, der Verband Bildung und Erziehung, offengelegt, dass Lehrer, übrigens seit jeher die Prügelknaben und Schuhabtreter der Nation, immer häufiger Zielscheibe von unflätigen Pöbeleien seitens einer rabiaten Elternschaft seien, weil sie die Corona-Schutzregeln gewissenhaft umsetzen. Anscheinend sind verbale Attacken und sogar Handgreiflichkeiten für solche notorischen Stänkerer das probate Mittel zur Frustbewältigung.

Wie naiv müssen diese Eltern sein, die glauben, sie könnten die Lehrerschaft dahin gehend beeinflussen oder gar erpressen, dass sie unter grober Missachtung ihrer Dienstpflichten staatlich verordnete Maßnahmen torpedieren.

Die Lehrerinnen und Lehrer sind Beamte auf Lebenszeit und als solche ihrem obersten Dienstherrn gegenüber strikt weisungsgebunden und zu unbedingter Loyalität verpflichtet. Andernfalls haben sie disziplinarrechtliche Konsequenzen zu befürchten.

Als ehemaliger Kollege ziehe ich meinen Hut vor einer Lehrerschaft, die in extrem schwierigen Zeiten an vorderster pädagogischer Front tagtäglich ihren Mann steht. Ich denke hier vor allem an die in Dauerpräsenz unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen in Abschlussklassen, die ihre Schüler auf das kommende Berufsleben vorbereiten. Sie sind, was das Ansteckungsrisiko angeht, in einer besonders exponierten Lage.

Dr. Kurt-Helmut Scheidle

Aalen-Unterkochen

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