Lesermeinung

Gedenken an Widerstand

Zum Thema „Georg Elser-Veranstaltung in der Aalener Stadtkirche“ am 27. Januar:

Als evangelisch Getaufter lese ich in unserer Heidenheimer Zeitung mit einem gewissen Erstaunen, dass die evangelische Kirche in der Aalener Stadtkirche eine Veranstaltung anlässlich des 120. Geburtstag von Georg Elser macht. Dazu ist es vielleicht hilfreich, das Elser-Attentat auf Hitler in den Kontext der Zeit zu stellen. Elser beging das Attentat im November 1939, als die Deutschen noch mehrheitlich hinter Hitler standen. (...) Lediglich in der Reichskristallnacht im November 1938, als im ganzen Reich die jüdischen Synagogen brannten, zeigten die Nazis für jeden erkennbar ihr verbrecherisches Gesicht.

Das Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944 fand dagegen unter ganz anderen Rahmenbedingungen statt. Der Krieg war erkennbar verloren, in den Großstädten litt die Bevölkerung unter den alliierten Bombardements, im Hinterland der Kriegsfront im Osten wüteten die Einsatzgruppen von SS und SD, vor allem aber war der Holocaust in vollem Gange. Der insbesondere gibt dem Stauffenberg-Attentat eine ganz andere Legitimierung als Elser sie hatte.(...) Es gab auch Menschen wie Eugen Bolz, der in der Weimarer Republik Innenminister in Württemberg war, von Anfang an ein Gegner Hitlers und der Nationalsozialisten war, deshalb auch zeitweise im Gefängnis saß, sich anfangs der 1940er Jahre dem Widerstand angeschlossen hatte und deshalb 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Im Gegensatz zu Stauffenberg und Elser lehnte er ein Attentat auf Hitler ab, wollte aber in einer Zeit nach Hitler für ein Ministeramt zur Verfügung stehen. In Aalen ist eine Straße nach ihm benannt, dort steht auch eine Stele zu seinem Gedenken.

Eckart Krägeloh

Heidenheim

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