Lesermeinung

Grüne Oasen gegen das sizilianische Klima

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Bäume auf dem Marktplatz Foto: BUND

Zur aktuellen Diskussion über Bäume auf dem Gmünder Marktplatz.

Die Unentschlossenheit der Stadtspitze und der Gemeinderatsmehrheit beim Thema Klimaschutz und Klimafolgenanpassung hat schon fast tragische Züge. Vor allem für die jungen Gmünder die uns nachfolgen und in einer unwirtlicheren Welt leben müssen. In der letzten Woche wurde klar, dass die eigenen Klimaschutzziele beim Topthema Verkehr krachend verfehlt wurden. Wir werden schneller als gedacht dauerhaft mit sizilianischem Klima leben. Dann benötigt man am Marktplatz, dem heißesten Ort in Schwäbisch Gmünd, beim italienischen Fest keinen Steinbackofen mehr für die Pizzazubereitung. Wir haben im Vergleich mit Aalen ein Vielfaches der Veranstaltungsfläche in der historischen Innenstadt. Verzicht ist nötig und fällt leicht! Es gibt wohltuende grüne Oasen im historischen Bestand zum Anschauen – etwa beim Wasserspielplatz an der Johanniskirche. Schwäbisch Gmünd braucht mehr Grün und mehr Wasserflächen in der Stadt und muss sich dringend um die Stadtteile kümmern, die sich zu Hitzeinseln entwickeln, riet Stadtklimatologe Prof. Jürgen Baumüller im Januar 2017 bei seinem Vortrag. Eingeladen hatten der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Stadt und die VHS. Im Frühjahr 2019 veröffentlichte der BUND eine Fotomontage mit einer Baumreihe auf dem unteren Marktplatz, die zum Stadtgespräch wurde und von den Gegnern der Idee flugs zu einem Wald aufgeblasen wurde. Klar ist: Künftige Baumstandorte müssen unter dem Pflaster robuster vorbereitet werden mit mehr Platz für das Wurzelwachstum und einem Wasserreservoir das eine ausreichende Versorgung gewährleistet - auch wenn Leitungen umgelegt werden müssen! Vorbild ist die neu angelegte Lindenallee an der Flaniermeile an der Parlerstraße. Damit Bäume groß werden, Schatten und Feuchtigkeit spenden können dürfen sie nicht wie so oft den frühen Tod nach 20 Jahren Standzeit erleiden. Und sie müssen als Wunsch-Bäume von der Stadtgesellschaft geachtet und geschützt werden.

Andreas Mooslehner (BUND),

Schwäbisch Gmünd

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