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Haltlose Einwände gegen Bäume

Zur aktuellen Diskussion über Bäume auf dem Gmünder Marktplatz.

Angesichts der fadenscheinigen Einwände, die einige Stadtratsfraktionen gegen Bäume auf dem Marktplatz aussprechen, kann man sich - gelinde gesagt - nur wundern. Wie in der Gmünder Tagespost zu lesen war, würde beispielsweise Alfred Baumhauer (CDU) durch Bäume auf dem Markt „die Jahrhunderte alte Tradition“ des Platzes verändert sehen und sich um den Denkmalschutz sorgen.

Wer sich auch nur ein ganz kleines bisschen mit der Geschichte des Platzes auskennt, weiß dass hier bis in die 80er-Jahre zahlreiche Pkw parkten und fuhren, erst danach wurde er zur Fußgängerzone umgestaltet. Der Platz wurde in seiner Geschichte also mehrfach an die Bedürfnisse der Bürger angepasst.

Das aktuelle Bedürfnis heißt: Bei Besuch der Innenstadt nicht gegrillt werden. Bäume helfen dabei ganz beachtlich. Die Stadt hat wenig von einer schönen denkmalgeschützten Architektur, wenn potenzielle Gäste sich lieber woanders vor der Hitze verstecken. Dr. Peter Vatheuer (FDP/Freie Wählervereinigung) meinte, es seien viele berechtigte Interessen zu berücksichtigen, etwa der Weihnachtsmarkt und Jahrgangsfeste. Auch Karin Rauscher (FWF) sorge sich um den Platz für den Weihnachtsmarkt, außerdem noch um die Interessen der Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins und der Touristik- und Marketing-GmbH. Sie würde dringend davon abraten, große Veranstaltungen wegen Platzmangels an den Stadtrand zu verlegen. „Da kommt keiner hin“, wird sie zitiert.

Offensichtlich waren diese Menschen nicht auf dem Marktplatz, als die jüngste Hitzewelle sich darüber wälzte. Denn dann hätten sie eine für Handel und Touristik wahrlich bedrohliche Atmosphäre erlebt: Der Platz war weitgehend menschenleer. Zu den vielen Interessen, die diese Parteien berücksichtigen wollen, gehören die der heute noch jungen Menschen scheinbar nicht. Anders ist nicht zu verstehen, wie der Weihnachtsmarkt und ein paar Feste im Jahr so wichtig sein können, dass Maßnahmen zur langfristigen Anpassung an die Klimakatastrophe dahinter zurückstehen müssen.

Haben die Stadträte von CDU, FPD und FWF wirklich verstanden, dass die Klimakatastrophe bereits da ist? Dass die Sommer in absehbarer Zeit nicht mehr milder werden? Dass sie selber noch die massiven Folgen erleben werden?

Wer in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine lebenswerte Innenstadt haben möchte, muss jetzt mit konstruktiven Vorschlägen aufwarten, die der Größe der Herausforderung gerecht werden.

Carsten Anders,

Schwäbisch Gmünd

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