Lesermeinung

Prestigeprojekt Klinikneubau

Zur Klinikdiskussion im Ostalbkreis:

Seit Beginn der Diskussion zu einer Klinikreform frage ich mich nach dessen Sinnhaftigkeit. Hierzu einige Gedanken: Auch bei Schließung eines Standortes wird es nicht mehr qualifiziertes Personal (Ärzte, Pflege, …) geben. Hinzu kommt die Problematik weiterer Anfahrtswege zur Arbeitsstelle. Die enormen Kosten eines Neubaus (in unmittelbarer Nähe des bestehenden Ostalbklinikums!) stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen, diese finanziellen Aufwendungen könnten sinnvoller für bessere Bezahlung, Modernisierung ausgegeben werden. Erfahrungsgemäß werden die echten Kosten die Planungskosten von aktuell ca. 600 Mio. Euro noch weit überschreiten. Dem steht ein jährliches Defizit von ca. 23 Mio. Euro gegenüber. In den letzten Jahren wurden an allen Standorten umfassende Renovierungen für viel Geld (Ellwangen etwa 120 Mio. Euro) vorgenommen. Auch in einer neuen Struktur wird es kaum möglich sein, kostendeckend zu wirtschaften. Schlau wäre es, auch die Pläne des Gesundheitsministers abzuwarten. Es könnten alle Standorte unter Berücksichtigung der vorgesehen Versorgungsstufen inklusive Notfallversorgung erhalten bleiben und in den jeweiligen Standorten Spezialisierungen vorgenommen werden. Medizinisch wichtig denn Studien beweisen je spezialisierter die Versorgung, desto größer der Therapieerfolg, gerade bei schweren Erkrankungen. Dem gegenüber steht ein Prestigeprojekt auf Kosten des Steuerzahlers.

Dr. Christoph Schlicher

Adelmannsfelden

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