Lesermeinung

Substanz bitte erhalten

zum „Gasthaus zum Ritter“ in Essingen

Wer sich gerne mit der Geschichte Essingens beschäftigt, kann das in außerordentlich unterhaltsamer Weise im Dorfmuseum Essingen tun, wie die mit großem Engagement realisierte Ausstellung zu Funden aus der Frühgeschichte zeigt. Doch die Geschichte eines Ortes machen vor allem dessen historische Gebäude aus. In Essingen sind das natürlich seine Schlösser, die evangelische Quirinuskirche und das Rentamt. Unweit davon liegt das Gasthaus zum Ritter, das seit geraumer Zeit geschlossen ist. Das Gebäude bildet mit Kirche, Rentamt und Pfarrhaus das zentrale Ensemble Essingens, quasi die gute Stube des Ortes. Seine historische Bedeutung ist unumstritten. Es diente der adeligen Familie Woellwarth als „Zeugenhaus“, als Lager für Vorräte und Waffen, später als Poststation und sogar als Schulgebäude. Seit 1640 ist es schon als Gasthaus erwähnt und steht somit für eine fast 400-jährige Geschichte. 2020 hat die Essinger Wohnbau GmbH das Gebäude erworben, und es wird in absehbarer Zeit neuen Wohnbauprojekten zum Opfer fallen. Doch gibt es nicht auch einen anderen Weg? Wir beklagen das Gasthaussterben, große Räume für Familienfeiern sind Mangelware, viele Vereine brauchen einen Platz, und Essingen wird immer mehr zur Schlafgemeinde. Warum nicht einen Kulturgasthof mit einem Weinhandel oder einer Hausbrauerei einrichten? Warum nicht einen Ort für Begegnung, Fortbildung und Theater schaffen? Dass das geht, zeigt der große Erfolg der 2010 sanierten Schloss-Scheune.

Dr. Rainer Lächele

Essingen

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