Lesermeinung

Was kommt bis 2030 auf uns zu?

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Zum Klimaschutzgesetz:

Das Urteil des Verfassungsge-richts, von der Politik Generatio-nengerechtigkeit einzufordern, setzt der Überwindung der Klimakrise sehr hohe Hürden. Den neuen Zahlen Taten folgen zu lassen, bedeutet eine gewaltige Herkulesaufgabe. Auffallend, wie aktionistisch die Koalitionäre in das neue Klimaschutzgesetz die CO2-Reduktionen einbrachten, die zuvor unrealistisch erschienen. Der populistische Überbietungswettbewerb bei der Grünfärbung der eigenen Parteiprogramme, wirft viele Fragen auf. Was bringen ehrgeizige Zielmarken zur Senkung der Treibhausgase ohne konkretes Umsetzungskonzept? Dieses steht wie in der Coronakrise im Spannungsfeld zwischen Kri-senbekämpfung und individueller Freiheit. Es muss die Einsicht wachsen, dass Deutschland alleine die komplexe Klimawende nicht schafft. Das Klima als atmosphärischer Zustand endet nicht an der Landesgrenze und ist über Kontinente hinweg gigantischer CO2-Zirkulation ausgesetzt. So erreicht Chinas Schadstoffausstoß dieses Jahr eine Höhe wie in allen Industrienationen zusammen! Wer glaubt, dass uns die Chinesen folgen, wenn wir als Musterschüler für Klimagerechtigkeit vorangehen, irrt. Die Konsequenzen einer rigorosen Kli-mapolitik sind bisher kaum bedacht. Wie realistisch und bezahlbar sind die ehrgeizigen Ziele tatsächlich? Ging es gestern um die Ausgangssperre, zielt jetzt die Debatte auf deutlich höhere Benzin- und Heizölpreise, die Mehrwertsteueranhebung auf Fleisch oder den schnelleren Bau der Windräder. Und erhalten herkömmliche Autos schon bald keine Zulassung? Was heißt das für die Arbeitsplätze? Kann sich E-Mobilität nur eine reiche, umwelt-bewusste Schicht leisten? Viel Konfliktpotenzial entsteht durch finanzielle Belastungen, die Einschränkung persönlicher Freiheiten und Fragen des sozialen Ausgleichs. Zu bedenken ist, dass ein Kohleausstieg bis 2030 den Ausbau der Ökostromnetze auf 7500 km erfordert bei gerade 700 km derzeit. Die Koalition muss schnell ihr neues Klimaschutzgesetz präzisieren. Die Wählerinnen und Wähler verdienen Klarheit und eine ehrliche Debatte wie bei Corona.

Dr. Friedrich Rudzik

Aalen-Unterkochen

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