Lesermeinung

Welcher Zynismus!

Zum Thema: Die Fußball-WM in Katar

In dem Maße, wie der fußballverrückte Schreiber dieser Zeilen den bisherigen Fußballweltmeisterschaften voll freudiger Erwartung entgegenfieberte, widert ihn die bevorstehende WM in Katar an. Schon der groteske Zeitpunkt und der Austragungsort in dem Wüstenstaat ist eine Farce ohnegleichen, das Resultat einer dubiosen Vergabepraxis der FIFA, die, dem schnöden Mammon huldigend, universale und elementare Werte wie Menschenrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter und Demokratie auf dem Altar von Kommerz und Profitgier opfert. Das autoritäre und menschenverachtende Regime protzt mit an Gigantomanie grenzenden pompösen Sportpalästen und Fußballarenen, errichtet auf einem Leichenberg schamlos ausgebeuteter Arbeitssklaven.

Ganze vier Wochen ist der Zwergstaat der Omphalos der Welt, die den Fokus auf die glamouröse Performance eines bombastischen sportlichen Spektakels richtet.

  Obwohl prominente Vertreter des Profisports sich wiederholt gegen Gewalt, Rassismus und Homophobie positionierten und diese Message auf ihren Trikots plakativ nach außen trugen, blieb eine gemeinsame Resolution in Richtung eines Boykotts bloßes Wunschdenken. Und für die die Menschenrechte beschwörenden Politiker der westlichen Demokratien ist dieses Thema als Folge von Ressourcenknappheit und Energiekrise mit einem Mal tabu. Welcher Zynismus!

   Eine Möglichkeit, die Oligarchenclique der plutokratischen Wüstenbarone zu ächten und das korrupte FIFA-Syndikat ins Mark zu treffen, haben weltweit die Fernsehzuschauer, indem sie mit ihrem kollektiven Boykott die Einschaltquoten drastisch senken. 

Dr. Kurt-Helmut Scheidle,   Aalen-Unterkochen

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