Guten Morgen: Cordula Weinke über verplemperte Freizeit am Pfandautomaten

Mitleid – aus gutem Grund

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Cordula Weinke.
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Das Wetter lädt nicht gerade zum Sonnenbaden ein. Deshalb beschließt sie, mal wieder den Keller aufzuräumen. Das lohnt sich, bemerkt sie schnell – insbesondere beim Blick in den Vorratsraum mit beinahe unzählig vielen leeren Pfandflaschen. Wer in Coronazeiten nicht ausgehen darf, trinkt sein Viertele eben daheim, sinniert sie. Und beschließt, gleich darauf die leeren Flaschen zum nächsten Supermarkt zu bringen.

Drei Einkaufskörbe voll mit Leergut schleppt sie dort zum Pfandautomaten. Mitleidige Blicke anderer Kunden begleiten sie dabei. Etwa, weil sie alleine die schweren Körbe schleppen muss? Womöglich, weil sie so viele leere Weinflaschen im Gepäck hat? In einer gefühlt stundenlangen Prozedur steckt sie Flasche für Flasche in den Automaten. Sie zählt mit, auf 21. Der Automat druckt nun den Kassenbon aus. Jetzt weiß sie die mitleidigen Blicke der Passanten zu deuten. Denn sage und schreibe 42 Cent Pfandgeld darf sie sich an der Kasse abholen. Pro Flasche zwei Cent.

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