Das Akkordeon immer dabei

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"Die Gaudi ist es immer wert", meint Nico Schäffauer (vorne). So kann es aussehen, wenn er gemeinsam mit seinem Mitbewohner und einem Kumpel Videos für seine Fangemeinde im Netz und in der analogen Welt dreht.
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Nico Schäffauer aus Lautern begann, sich als "Stoifeger" mit seinem Instrument einen Namen zu machen. Dann kam der Lockdown.

Heubach-Lautern

In der Badewanne, auf Skiern oder in der Sauna: Der "Stoifeger" kann es überall. Und immer mit dabei ist Kumpel Magnus Woditsch und WG-Mitbewohner Niklas Bretzler, der mit der Kamera draufhält. Genauso wie die Zuschauer vor ihren Smartphones und Computerbildschirmen.

Wer braucht schon Instagram?

Denn Nico Schäffauer, alias "Stoifeger", spielt nicht nur für sich alleine, sondern für die Leute da draußen. Auf dem Social-Media-Kanal Instagram hat der 25-jährige Lauterner schon mehr als 320 Abonnenten, die ihm regelmäßig zuschauen und lauschen, wenn er Volksmusik auf dem Akkordeon spielt und dazu singt. Dabei war er anfangs eher skeptisch, was Instagram & Co. angeht. "Ich dachte, das braucht doch kein Mensch." Ein ambitionierter Hobbymusiker, der bekannter werden will, braucht diese digitalen Kanäle aber in diesen Zeiten wohl schon. Das wusste Mitbewohner Niklas, der ihn letztlich dazu gebracht hat, auf Instagram einen "Stoifeger"-Kanal zu schalten. Sind doch wegen Corona keine Auftritte in der analogen Welt mehr möglich, muss die Kultur virtuelle Wege gehen.

Sein Großvater, den er leider nicht mehr kennengelernt hat, hat ebenfalls Akkordeon gespielt und war mit seiner Musik in der ganzen Region unterwegs. "Die Instrumente lagen sozusagen bei uns zuhause rum", erzählt Nico. Schon mit fünf, sechs Jahren habe er angefangen zu spielen, zunächst fünf Jahre in der Musikschule, später mit privatem Unterricht bei einer Bekannten. Die Musik war für Nico immer schon eine recht entspannte Sache. Vom Notenblatt abzuspielen ist nicht so sein Ding. "Ich muss das Lied hören, dann kann ich es spielen." Verbissen proben muss er, außer bei ganz neuen Stücken, nicht. Lieber setzt er sich "zum Runterkommen" mal eine halbe Stunde hin und lässt die Finger übers Akkordeon flitzen.

Die besten Ideen sind die spontanen.

Nico Schäffauer, alias "Stoifeger"

Im Januar vor einem Jahr kamen die ersten Anfragen für Auftritte als Alleinunterhalter – bei privaten Feiern oder bei Vereinsfestla. "Was halt gerade ansteht", meint Nico. Kurz darauf schlug Corona zu und der erste Lockdown machte damit erstmal Schluss. "Ein denkbar ungünstiger Start für eine Musikerkarriere", sagt Nico und lacht. Aber: Kreative Ideen kann keine Pandemie stoppen. Seit drei Wochen hat er als "Stoifeger" immer montagabends um 19 Uhr einen Livestream auf Instagram etabliert, wo er Zillertaler, Oberkrainer oder Walzer zum Besten gibt.

Wünsche erwünscht

Gerne geht er dabei auf die Musikwünsche der Zuschauer ein. Und manchmal sind es eben besonders kreative Settings. "Die besten Ideen sind die spontanen", sagt Nico und grinst. "Die Gaudi ist es immer wert. Ich bin zu jeder Schandtat bereit." Die Reaktionen auf die Videos seien durchweg positiv, viele freuen sich darauf, am Montagabend für eine Stunde "den ganzen Corona-Kram mal vergessen zu können", erzählt der junge Musiker. Demnächst ist er bei einem runden Geburtstag eingeladen. Also virtuell. Über "Zoom". Da gibt's dann bestimmt ein schönes Ständle fürs Geburtstagskind. Gerne auch ein bisschen schräg.

Videos von Nico Schäffauer alias "Stoifeger" gibt's auf www.youtube.com/channel/UCJY0xQa73MP3-mTDXGzog_A und auf dem Instagram-Kanal.

Zwei Leidenschaften: Musik und Journalismus

Im Herbst hat Nico Schäffauer sein Studium der Empirischen Kulturwissenschaft und der Geschichtswissenschaft an der Uni Tübingen beendet. Wenn er nicht gerade das Akkordeon bearbeitet oder mit seinen Kumpels über neue Ideen für seine Videos nachhirnt, ist er journalistisch unterwegs, derzeit für die SWR-Sendung Treffpunkt oder für das Wissensmagazin P.M.. Ob seine berufliche Zukunft nun im Journalismus oder doch eher in der Musik liegt, kann er noch gar nicht so recht sagen. "Schön wäre es, wenn weiterhin beides irgendwie geht", sagt er. dav

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