Eine voll klimatisierte Baustelle

Unter der Hofener Brücke wird seit dem vergangenen Samstag rund um die Uhr gearbeitet. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat die Firma Awus im Dreischichtbetrieb die Brücke unten komplett eingerüstet und mit Folie abgehängt. Am Montagnachmittag sollte planmäßig die Hauptarbeit beginnen.

Es ist eine vollklimatisierte Baustelle. Hört sich komfortabel an beim derzeit herrschenden Wetter. Das erforderliche Klima hat jedoch mit dem Spezialklebstoff zu tun, der in den kommenden zehn Tagen dort verarbeitet wird. Mit diesem ganz speziellen "Bäpp" werden Kohlefaserlamellen auf den Beton des Brückenbauwerks geklebt. Die Brücke aus dem Jahr 1937 bekommt so eine höhere Tragkraft. "Damit der Kleber richtig abbindet, darf es nicht unter zehn Grad kalt sein, die Luftfeuchtigkeit nicht über 70 Prozent liegen", erklärt Rainer Bohn vom Straßenbauamt Ellwangen an Ort und Stelle. Um 14.15 Uhr schaut Bohn auf den "Hygrothermographen". Das ist ein Messgerät, das alle Viertelstunde die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit misst. Ergebnis: 12 Grad plus, 80 Prozent Luftfeuchte. Deshalb sollten am Montagnachmittag elektrische Luftentfeuchter zum Einsatz kommen. Bis dahin ist die Oberfläche der Brückenunterseite gereinigt worden, Schäden am Beton wurden ausgebessert, größere Unebenheiten ausgeglichen. Die 1,4 Millimeter starken hochfesten Kohlefaserlamellen sind zwölf Zentimeter breit und 25,4 Meter lang. Um sie anzukleben, reicht der Druck, den Arme und Hände der Bauarbeiter entwickeln. Entscheidend sei neben Temperatur und Luftfeuchtigkeit, dass die Brücke während der Klebearbeiten nicht erschüttert werde, erklärt Rainer Bohn. Deshalb ist sie für den Verkehr komplett gesperrt. Die großräumige Umleitungsstrecke führt von Wasseralfingen und Oberalfingen über die Westumgehung. Ortskundige können auch durch Hofen fahren. Allerdings ist das Durchkommen auf zwei beliebten Schleichwegen unmöglich: Die Opalstraße im Hofener Baugebiet "Brunnenwiesen" ist gesperrt. Und der asphaltierte Weg zwischen Wasseralfingen und Attenhofen, direkt an der Bahnline lang (Karl-Kessler-Straße), ist durch eine andere Baustelle blockiert. Diese andere Baustelle hat die Bahn aufgemacht, am Haltepunkt Hofen. Man nutze die von den Brückenarbeiten verursachte Streckensperrung, um am Bahnhof die Bahnsteige zu sanieren. Die Oberfläche werde gerichtet, die Bahnsteigkanten komplett neu hergestellt, erklärt ein Sprecher der Bahn AG in Stuttgart. Die Bahnsteigkanten werden aus Betonfertigteilen neu gebaut. Darüberhinaus werden neue Wartehäuschen aufgestellt, die sogenannten "Blindenleitstreifen" auf dem Boden erneuert. Und der Zaun werde neu gemacht, um das Areal vor unbefugtem Betreten zu schützen. All dies sei ein Sonderprogramm, das aus den Konjunkturprogrammen I und II des Bundes finanziert werde. Außer dem Haltepunkt in Hofen seien im Laufe des Jahres noch die Bahnhöfe in Mögglingen, Böbingen, Jagstzell und Ellwangen an der Reihe.

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