Narrenherz, was willst Du mehr?

Nicht die Länge macht einen gelungenen Faschingsumzug aus, sondern die Qualität der Gruppen. "Nur" 38 der sonst über 70 Gruppen waren gestern beim Umzug durch Unterkochen hin zur Sporthalle zu sehen. Aber alle beteiligten Gruppen aus nah und fern waren Hingucker.

Schon beim Narrenbaum-Aufstellen und dem Zunftmeistempfang ist die Stimmung gut. "Unsere beiden Zunftmeister Klaus Fischer und Maria Müller haben die Narrenzunft Unterkochen mit Herzblut geprägt, heute ist ihr letzter Zunftmeisterempfang nach acht Jahren in offizieller Mission", sagte Ortsvorsteher Karl Maier im Rathaus. Die Zunftmeister hatten zugunsten einer Sozialaktion auf die Herstellung von Saisonorden verzichtet und spendeten 333 Euro für krebskranke Kinder an den Malteser-Hilfsdienst. Dazu spielte der Fanfarenzug unter Leitung von Julia Lößnitz. Später dann tobte der Ort beim Umzug. "Wir müssen heute dem Röhlinger Umzug Tribut zollen, dort gibt es nur alle fünf Jahre einen Gaudiwurm, damit können wir leben", meinte Zunftmeisterin Maria Müller. Wer aber die vibrierende Stimmung in der Fußgängerzone beim Rathaus erlebt hat, wurde von den Faschingswogen mitgerissen. Die Bärafanger mit ihrem Großaufgebot machten als Gastgeber den Auftakt. Genauer gesagt die das akustische Kommando gebenden Kanoniere im Geleit der Marketenderinnen. Die Aktiven des Musikvereins Unterkochen hatten ihr Notenkostüm übergestreift und die "Itzelberger Pfaffanaglopfer" waren mit ihrem "Hau Nei – glopf nauf" wahrlich nicht zu überhören. Faschingskulturgeschichte verinnerlichte der Umzug auf vielfältige Weise. Die traditionsreichen Glinken aus Gundelfingen wurden von der Großen Garde angeführt. Zwischen den Glinken und den Bärafangern wurden enge Bande geschlossen – im nächsten Jahr wird die Narrenzunft eine komplette Prunksitzung in Gundelfingen bestreiten. Zunftmeister Klaus Fischer lässt am Rathaus in seiner Moderation nichts aus, um die Stimmungswogen auf den Siedepunkt zu bringen. Schlachtrufe schallen ins Publikum. Prinzessin Steffi I. von den Essinger Haugga-Narra thront im schicken Cabrio und auf dem großen Rilling-Wagen thront Michael Wiedemann und schwelgt mit seinem Harem in tausendundeiner Nacht. Mit den Clowns, dem Elferrat, der Garde und der Fußgruppe "Käsknacker" bereichern die Sauerbachbarren der TSG Hofherrnweiler den Gaudiwurm. Ganz auf "Gardemaß" setzen die Untergröninger Schloss-Hexa, bärig vermummt sind die "Lochamer Burgtroll-Gugga" und musikalisch-fetzig intonieren die "Oschdalb-Ruassgugga" in ihren schmucken Bergwerksuniformen. So richtig in ihrem Element sind die "Wasserschnalzer Schludda-Gugga. Bonbons werden geworfen, wer besonders Glück hat, kriegt ein Schlückchen Sekt gereicht.

Lothar Schell

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