Guten Morgen: Ulrike Schneider über ein morgendliches Ritual und eine Autofahrt

Rechts- und Linksausleger

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Ulrike Schneider

Bei der Autofahrt hat das Ehepaar stets ein Thema. Mal geht es um die nächste Urlaubsreise, mal die Gartenarbeit oder den Verkehr. Peinliche Stille – die kommt nicht auf. Diesmal sitzen sie nicht allein im Minibus. Wie sie aufs Zeitungslesen kommen, weiß am Ende keiner mehr. Wo beginnt man eigentlich. Es wird munter diskutiert. Bei der Politik auf der ersten Seite?

Oder doch lieber bei den Todesanzeigen? Der nächste ist für den Sportteil. Aber woran das liegt? Am Interesse? Nein, das allein kann es nicht sein, befindet die Seniorin, die stets damit beginnt, ihre Tageszeitung von hinten zu lesen. Schließlich können Todesanzeigen nicht „der Favorit“ sein. Wer will schon zugeben, dass solche Nachrichten für einen als die „wichtigsten Infos“ des Tages gelten. Sie sucht nach Gründen. Versucht die Kurve schnell zu kriegen. Da ein kreativer Geistesblitz: Rechtshänder lesen von hinten. So wie sie. Die Zeitungsseite, lautet ihre These, werde viel lieber unten links gepackt und umgeschlagen. Linkshänder – und ein solcher ist ihr Mann – bevorzugen den „rechten Griff“. Ein Schmunzeln kann sie nicht unterdrücken. Wissenschaftlich belegen kann sie  ihre Theorie auf keinen Fall. Doch nun simulieren im Auto alle, das morgendliche Ritual und „blättern“ virtuell Zeitung.

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