Schätteretrasse: Skeptiker misst nach

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Grobe Steine, die an manchen Stellen der Trasse aus dem Untergrund ragen, machen es für Radfahrer und Fußgänger unbequem. Radler und Spaziergänger nutzen daher meist nur die etwa 60 Zentimeter breite glatte Spur (links im Bild).
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SchwäPo-Leser Reinhard Schmidt fürchtet um die Sicherheit der Spaziergänger und zweifelt die Aussage der Stadt an, dass der Waldweg bis zum Tunnel durchgängig zwei Meter breit ist.

Aalen-Unterkochen

Seit drei Wochen herrscht Klarheit. Eigentlich. Dass Radfahren auf der Schätteretrasse keiner extra Erlaubnis bedarf, sondern bereits zulässig ist. Zumindest auf jenem über drei Kilometer langen Streckenabschnitt, der etwa 75 Meter hinter dem Wanderparkplatz Kellersteige beginnt und am zugemauerten Tunnel endet.

Doch Reinhard Schmidt, selbst passionierter Spaziergänger und regelmäßiger Wanderer auf der Trasse oberhalb Unterkochens, will sich damit nicht abfinden. Dass auf diesem Abschnitt seiner Lieblingsstrecke das Landeswaldgesetz gilt – okay. Dass darin geregelt ist, dass Radfahren auf Waldwegen mit einer Mindestbreite von zwei Metern erlaubt ist, nimmt er hin.

Allerdings meint der 72-Jährige die Trassenstrecke so gut zu kennen, dass er behauptet: „Der Weg, den sich Fußgänger und Radfahrer auf der Trasse teilen müssen, ist nicht durchgängig zwei Meter breit, sondern an einigen Stellen um einiges schmaler.“ Und damit, so folgert er, müsste die Radfahrerlaubnis eigentlich hinfällig sein.

Ausgerüstet mit einem Straßenbesen und einem Meterstab in der Tasche macht er sich mit uns auf den Weg, um vor Ort zu zeigen, worum es ihm geht. Nach dem Viadukt setzt er seinen Besen zum ersten Mal an, schiebt das Laub links am Weg zur Seite, und deutet auf die freigelegte hohe Wegkante. „Weil das Laub die Begrenzung recht und links verdeckt, erscheint der Weg optisch breiter“, meint er sinngemäß. Gefährlich werde es, wenn Fußgänger Radfahrern ausweichen wollten und über die verdeckte Kante stolperten.

Einige hundert Meter weiter Richtung Tunnel wird's enorm holperig. Grobe Steine ragen aus der Trasse – und mit den Jahren hat sich daneben ein etwa 60 Zentimeter breiter und einigermaßen glatter Pfad gebildet. „Weil Fahren und Gehen auf den Steinen unangenehm ist, nutzen Radfahrer und Spaziergänger gleichermaßen nur diese 60-Zentimeter-Spur“, weiß Schmidt. Doch könnten Schmidts Argumente das Ergebnis der rechtlichen Prüfung durch die Stadtverwaltung ad absurdum führen?

„Nein“, sagt Johann Reck, Dezernent der Wald- und Forstbehörde im Landratsamt. Das Waldgesetz spreche von sogenannten geeigneten Wegen und lasse somit einen gewissen Interpretationsspielraum zu. „Wenn ein Waldweg in entsprechender Breite einigermaßen über eine Fahrbahn verfügt, die sowohl für Fußgänger als auch Radfahrer geeignet ist, gilt meiner Meinung nach die Zwei-Meter-Regel.“ Da es sich bei den von Reinhard Schmidt beschriebenen kritischen Stellen wohl nur um relativ kurze Abschnitte handele, seien diese Kriterien nicht ausschlaggebend für die Beurteilung.

Allerdings macht Reck bei dieser Gelegenheit auch deutlich, dass die rechtliche Einordnung der Schätteretrasse als zwei Meter breiter Waldweg nicht von der Forstbehörde getroffen wurde, sondern von der Aalener Stadtverwaltung.

Der aktuelle Stand: Nach eingehender Prüfung ist das Rechtsamt der Stadtverwaltung Aalen zu dem Ergebnis gekommen, dass auf dem Abschnitt 75 Meter nach dem Wanderparkplatz Kellersteige bis zum Tunnel das Landeswaldgesetz gilt. Und dies regelt, dass Radfahren auf Waldwegen mit einer Mindestbreite von zwei Metern erlaubt ist. Erstmals öffentlich bekannt wurde dies bei der Sitzung des jüngsten Ortschaftsrats Unterkochen.

Der Weg ist nicht durchgängig zwei Meter breit.“

Reinhard Schmidt, Wanderer auf der Schätteretrasse

Die ersten 75 Meter müssen geschoben werden

Aktuell noch Gehweg: Die ersten 75 Meter nach dem Wanderparkplatz Kellersteige Richtung Tunnel sind als beschränkt öffentlicher Weg gewidmet und aktuell als Gehweg beschildert. Scherzbolde haben wohl das Zusatzschild „Radfahrer frei“ an anderer Stelle abmontiert und unterhalb des blauen Gehwegschilds am Wanderparkplatz angebracht (siehe Foto). „Denn für diese Auszeichnung besteht noch keine verkehrsrechtliche Anordnung“, weiß Stadtsprecherin Karin Haisch. Die Stadtverwaltung hat darum das Schild inzwischen wieder abnehmen lassen. Allerdings geht Karin Haisch davon aus, dass die Stadt wohl demnächst rechtmäßig ein Schild „Radfahrer frei“ hier anbringen wird. Bis dahin indes müssten Radfahrer zwischen Wanderparkplatz und Beginn des Waldwegs ihre Vehikel 75 Meter weit schieben. Erst am Beginn des zwei Meter breiten Waldwegs ist Radfahren per Gesetz zulässig. UW

„Radfahrer frei“: Hier waren Schelme am Werk.
Reinhard Schmidt misst die Geländerhöhe des Viadukts. Er kommt auf 1,10 Meter, bei Radnutzung vorgeschrieben seien aber 1,30 Meter.
Reinhard Schmidt, ausgestattet mit Besen und Meterstab, führt Redakteurin Ulrike Wilpert an die „Engstellen“ der Schätteretrasse.

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