Aalens ehrgeiziges Ziel: klimaneutral bis 2035

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Aalen soll klimaneutral werden. Das bedeutet, dass Produkte oder Dienstleistungen die Menge an klimaschädlichen Gasen in unserer Atmosphäre nicht erhöhen. Denn um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssen unsere Emissionen reduziert werden. Archivfoto: dat
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Welche Folgen hat die Klimakrise in Aalen? Der „Klimopass“ gibt Auskunft und zeigt, wie Aalen an den Klimawandel angepasst werden kann.

Aalen

Klimakrise. Das hört sich an wie ein Problem, das weit weg von der Ostalb, von Aalen und seinen Teilorten ist. Aber: Der Klimawandel findet auch in Aalen und drumherum statt. Das zeigt ein Blick in den Wald. Bäume müssen mit Trockenheit und Schädlingsbefall kämpfen. Und das zeigt ein Blick auf die Zahlen der Wetterstation in Ellwangen-Rindelbach. Es wird wärmer, der Niederschlag nimmt zu, Überschwemmungen und Starkregen werden wahrscheinlicher.

Wie kann man in Aalen auf die negativen Folgen des Wandels reagieren? Und wie können sich Bürgerinnen und Bürger dort weiterhin wohlfühlen? Diese Fragen soll der „Klimopass“, ein 140 Seiten starkes Werk, klären. Für zwölf Handlungsfelder, von Arbeiten über Landwirtschaft und Tourismus bis zum Verkehr, werden Klimafolgen bestimmt und gezeigt, wie die Bereiche ans Klima angepasst werden können.

„2030 oder 2035 wollen wir klimaneutral sein“, sagte Oberbürgermeister Thilo Rentschler bei der Vorstellung des Konzepts am Donnerstagmittag. Seit drei Jahrzehnten engagiere sich die Stadtverwaltung für den Schutz des Klimas. Los ging's mit dem ersten Klimagutachten 1988. Es folgte etwa ein integriertes Klimaschutzkonzept 2010, ein Verkehrsentwicklungskonzept 2016 und im vergangenen Jahr ein Bundespreis Umwelt und Bauen für den Fachklassentrakt des Schubart Gymnasiums. Klimaschutz sei inzwischen in fast jeder Ratssitzung Thema, sagte Rentschler. Bei Baubeschlüssen gehe es etwa um die Frage, wo Fotovoltaikanlagen möglich sind, fügte Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle hinzu. Wichtig sei Klimawandel integriert anzugehen, also die Ökonomie betrachten und Menschen vor Ort einbeziehen, betonte Steidle.

Was haben Aalenrinnen und Aalener von den Maßnahmen? Drei Beispiele aus dem „Klimopass“:

1 Baumpflanzungen: „Ein Baum speichert Kohlenstoff und bietet Schatten in der Stadt“, erklärte Maya Kothe, Leiterin des Umweltamts. Dies bedeutet: Wenn es immer wärmer wird, fehlt Schatten in der Stadt – durch das Pflanzen von Bäumen wird dieser erzeugt und gleichzeitig Kohlenstoff gebunden. Positiver Nebeneffekt: Für Bürgerinnen und Bürger erhöht sich die Aufenthaltsqualität in der City. Ein Baumpflanzprogramm für die Stadt Aalen ist auf dem Weg und soll ab Herbst umgesetzt werden. „Wir bezahlen die Bäume und Bürger müssen sich nur noch ums Einpflanzen kümmern“, sagte Maya Kothe sinngemäß.

2 Innenentwicklungsmanagement: Flächen sparen, versiegeltes Gelände umwandeln und eine lebendige Stadt schaffen sind die Ziele der Innenentwicklung. „Durch die Innenentwicklung kann ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden, denn Versickerungsflächen und Frisch- bzw. Kaltluftentstehungsgebiete können geschützt werden“, so der „Klimopass“. Zudem entstehen Freiräume und Naherholungsflächen. Beispiele in Aalen: Das Gelände auf dem Kulturbahnhof wurde mit einer neuen Bebauung wiederbelebt – ohne neues Gebiet zu versiegeln. Bäume entlang der Stuttgarter Straße reduzieren versiegelte Flächen und werten das Areal ökologisch auf.

3 Hochwasserschutz: Eine Strakregengefahrenkarte soll erarbeitet werden, so können durch gezielte Aktionen Schäden durch Starkregen vermindert werden. Zudem sollen Gewässer renaturiert werden, um Hochwassergefahr zu reduzieren. Beispiel: Kocherrenaturierung.

„Klimaentscheid Aalen“: Einige Bürgerinnen und Bürger engagieren sich in Aalen für Klimaschutz, das Agendaparlament oder das Umwelthaus etwa. Die Gruppe „Klimaentscheid Aalen“ setzt sich dafür ein, dass Aalen bis 2035 klimaneutral wird. Aktuell werden dafür Unterschriften gesammelt. „Wir hatten Anfang des Jahres Gespräche mit der Gruppe“, sagte der OB auf Nachfrage und betonte: Die Gruppe hätte schon längst in einer Sitzung mit Aalens Ratsmitgliedern sprechen können, auch ohne Unterschriftenliste.

„Klimopass“: Die Ergebnisse werden in den Ortschaftsräten vorgestellt.

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