Betrüger neppt Aalenerin - und die wehrt sich

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Betrugsmasche: Spenden sammeln für den Bau eines Taubstummenzentrums. Fotos/Grafik: Adobe Stock/ca
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Wie ein Mann eine Behinderung vortäuscht, eine Spende einsackt und am Ende doch mit leeren Händen dasteht.

Aalen Rita Fürst hatte Glück im Unglück: Ihre Hilfsbereitschaft nutzten Unbekannte kaltblütig aus. Und doch ging am Ende alles gut. Doch der Reihe nach: Beim Einkauf in einem Drogeriemarkt im Einkaufszentrum Mercatura stupste ein Mann sie von der Seite an, offensichtlich des Sprechens nicht mächtig. Deutete auf ein Klemmbrett, das er in der Hand hielt. Darauf ein offiziell anmutendes Schriftstück "mit Deutschlandfahne, einem Rollstuhlfahrer-Piktogramm und einem kleinen Text: In Aalen soll ein Zentrum für Taubstumme gebaut werden. Und dafür sammeln sie", erinnert sich Rita Fürst. "Fünf, sechs Unterschriften, dahinter waren Spendenbeträge aufgelistet, mal 50 Euro, mal 30 Euro." Glaubwürdig klang das. Plausibel, befand die Aalenerin. "Ich habe gedacht, ich kann da was für einen guten Zweck tun. Ich habe meinen Geldbeutel aufgemacht und zehn Euro gegeben."

Die resolute Aalenerin: Der Mann nahm das Geld und verschwand. Kurz darauf sah sie ihn wieder, am Eingang des Einkaufscenters: Er stand mit einem anderen Mann zusammen "und beide haben sich lautstark unterhalten", schildert Rita Fürst. Schlagartig wurde ihr klar: Taubstumm war ganz offensichtlich keiner von beiden. Sie war einem Betrüger aufgesessen. Resolut wie sie ist, fackelte sie nicht lange. Ging den Männern hinterher. In Höhe der Commerzbank sprach sie sie an: "Ich will mein Geld zurück! Was Sie hier machen, ist Betrug!" Was sie kaum für möglich gehalten hätte: "Die haben mir meine zehn Euro zurückgegeben." Nicht jedoch das Schriftstück auf dem Klemmbrett, stattdessen gaben sie Fersengeld. Doch die ehemalige Hausleiterin von Haus Wiesengrund handelte kurz entschlossen: Sie nahm die Verfolgung auf, zu Fuß, quer durch die Innenstadt, durch die Roßstraße, die Stadelgasse zum Reichsstädter Markt. Rita Fürst: "Die sind gelaufen wie die Wiesel! Leider hatte ich kein Handy dabei, sonst hätte ich sie fotografiert." In Höhe des Reichsstädter Marktes verlor sie die Spur der Männer.

Was steckt dahinter? Soviel ist sicher: Bei der Stadt angemeldet und damit legal war die Spendensammlung nicht. "Uns ist auch nicht bekannt, dass in Aalen der Bau eines Zentrums für Taubstumme geplant ist", sagt die städtische Pressesprecherin Karin Haisch auf SchwäPo-Anfrage. Bisher sei der Stadt aber auch kein weiterer Vorfall dieser Art bekannt. Aus Sicht der Stadtverwaltung handelt es sich ganz klar "um ein Betrugsdelikt, das bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden muss". Die Stadt selbst werde bei Verstößen gegen Polizeiliche Umweltschutzverordnung tätig, wie beispielsweise aggressives Betteln.

Bettlerbande unterwegs? Die Polizei hat keine Hinweise, dass zurzeit eine organisierte Bettlergruppe Spenden sammelt für ein vermeintliches Taubstummenzentrum in Aalen. Demnach handelt es sich vermutlich um Einzeltäter. Anzeigen liegen bislang nicht vor.

Das Delikt: Eine Betrugsabsicht des Täters liege in diesem Fall sehr nahe, so Polizeisprecher Holger Bienert, auch wenn das konkrete Delikt in solchen Fällen oft schwierig nachzuweisen sei. Aus polizeilicher Sicht gebe es mehrere Anhaltspunkte, dass der Vorfall auf jeden Fall als "aggressives Betteln" zu werten ist: Die Art und Weise, wie der Mann die Aalenerin auf sich aufmerksam gemacht, ihre körperliche Nähe gesucht und ihr das Klemmbrett unter die Nase gehalten hat. Aggressives Betteln ist nach Polizeiverordnung in Aalen verboten und wird als Ordnungswidrigkeit gewertet.

Ende gut, alles gut? Rita Fürst hat bei der Polizei angerufen, letztlich aber keine Anzeige erstattet. Sie ist froh, ihr Geld zurückbekommen zu haben. Was ihr wichtig ist: Sie will andere davor warnen, auf die Masche reinzufallen, sollte es der Mann noch einmal versuchen.

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