Die erste Runde im OB-Wahlkampf

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Zur Podiumsdiskussion aufs Fußballfeld hatten der Innenstadtverein Aalen City aktiv und der Bund der Selbstständigen gebeten
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Wie soll die Wirtschaft in Aalen gestärkt werden - und wie kommt die Innenstadt nach Corona wieder in Schwung? ACA und der Bund der Selbstständigen bieten ein erstes Podium zur OB-Wahl.

OB-Wahlkampf in Aalen: Fotostrecke zum ersten OB-Podium

OB-Kandidatenvorstellung Aalen
OB-Kandidatenvorstellung Aalen © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
OB-Kandidatenvorstellung Aalen © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
Albert Seitzer © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
Frederick Brütting © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
Catherine Rommel © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
Marcus Waidmann © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
Matthias Müller © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
Stefan Schmidt © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
Moderator Alfred Krauss © opo
OB-Kandidatenvorstellung Aalen
OB-Kandidatenvorstellung Aalen © opo

Aalen

OB-Wahlkampf auf die sportliche Art: Dort, wo sonst die Kicker des VfR Aalen rackern, kämpften am Dienstagabend eine Kandidatin und fünf Kandidaten nicht um Punkte. Vielmehr ging es bei diesem ersten gemeinsamen Schlagabtausch aller Bewerberinnen und Bewerber um das Vertrauen und letztlich um die Stimmen bei der Oberbürgermeisterwahl am 4. Juli: wenn es darum geht, wer Nachfolgerin oder Nachfolger von OB Thilo Rentschler wird.

Zur Podiumsdiskussion aufs Fußballfeld hatten der Innenstadtverein Aalen City aktiv und der Bund der Selbstständigen gebeten. Souveräner Schiedsrichter und Moderator war Alfred Krauss - und im Publikum auf der Tribüne in der Ostalb-Arena saßen viele Einzelhändler, Gastronomen und Selbstständige, aber auch interessierte Bürgerinnen und Bürger. Wirtschaftsthemen standen im Vordergrund an diesem Abend. Etwa bei der Frage, wie der Wirtschaftsstandort Aalen erhalten, wie Wirtschaft belebt werden kann.

Frederick Brütting (37) sagte dazu, Wirtschaft müsse in einem Rathaus immer Chefsache sein. Denn das Geld, mit dem eine Stadt arbeiten könne, müsse erwirtschaft werden. Deswegen müsse eine Stadtverwaltung danach schauen, Wirtschaft zu ermöglichen. Gut für die Wirtschaft sei, wenn es gut ausgebildete Menschen gebe, weswegen gute Angebote von der Kita bis zur Hochschule wichtig seien. Die Infrastruktur in Aalen habe nicht überall mitgehalten. Auch dafür gelte es zu sorgen. „Sie haben mich an ihrer Seite, wenn es um die Zukunft ihrer Unternehmen geht“, sagte Brütting.

Matthias Müller (53), der beim Ordnungsamt der Stadt beschäftigt ist, nannte zehn Handlungsfelder im Bereich der Wirtschaft, etwa den Wissenstransfer von der Hochschule zur Wirtschaft, die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen, auch effizientere Arbeitsweisen und Kooperation und dergleichen mehr - räumte aber ein, dass er dieses Wissen von Beratern habe, Berater, auf deren Wissen er zurückgreifen werde, wenn er als OB gewählt würde.

Catherine Rommel (56) beschrieb sich als jemanden, der auf Wirtschaft fixiert sei. Als Oberbürgermeisterin stehe sie für eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung. Und in der Stadt gehe es darum, ein wirtschaftsfreundliches Klima zu schaffen. Digitalisierung, das Thema Wohnen, die Hochschule: Alles das gehöre in diesen Zusammenhang. Und dafür wolle sie sich einsetzen. Dabei helfe ihr Hintergrund als Beraterin für Kommunen wie Wirtschaft.

Stefan Schmidt (54) nutzte die Gelegenheit, um seine Kritik an der Corona-Politik auf allen Ebenen anzubringen. Es müssten sofort alle Corona-Maßnahmen beendet werden, damit alle Selbstständigen Planungssicherheit haben. Auch müssten diejenigen, die die Corona-Maßnahmen angeordnet und umgesetzt haben, „zur Verantwortung gezogen werden“.

Marcus Waidmann (54) erklärte, Erfolg dürfe nicht gebremst werden. Dazu gehöre, dass gebaut werde. „Da darf man sich nicht aufregen, wenn eine Wiese versiegelt wird.“ Er befürchtet, dass sich eine allgemeine Automobilfeindlichkeit auf den Standort auswirken könnte. Grundsätzlich müsse Bürokratie abgebaut werden. „Es dauert alles zu lang“, sagte Waidmann.

Und Albert Seitzer sieht es als sinnvoll an, die Stadt pandemiesicher und in einem zweiten Schritt klimasicher zu machen.

Weiteres großes Thema war, wie in Aalen nach der Pandemie die Innenstadt wieder in Schwung kommt.

Marcus Waidmann möchte, dass die Menschen länger in der Innenstadt sind - und dafür brauche es mehr Parkraum, am besten kostenlosen. Die Attraktivität der Innenstadt sollte nicht nur mit saisonalen Aktionen gesteigert werden, sondern grundsätzlich. Und das Kopfsteinpflaster müsse weg. Das sei insbesondere für ältere Menschen schlecht.

Albert Seitzer möchte mehr Grün in der Innenstadt. Es sollten mehr Wasserflächen freigelegt werden. Sonderapplaus bekam er für einen Vorschlag, mit Kabinenbahnen Punkte zu verbinden. „Man gibt sein Kind rein - und das kommt dann am Kindergarten wieder raus“, so seine Vision.

Stefan Schmidt kritisierte die Aalener Smart-City-Pläne. Das höre sich alles nett an. Im Kern aber gehe es um Überwachung und Steuerung der Gesellschaft. Am Ende stehe der gläserne Bürger. Er wolle sich hingegen für kleine Läden mit regionalen Produkten starkmachen.

Lebendige Innenstadt, das ist der Slogan von Catherine Rommel. Engagiertes Vorgehen gegen Leerstände in der Stadt sei ein Weg. Die Erreichbarkeit müsse verbessert werden. Zudem findet sie es gut, wenn viele Dinge über Apps gesteuert, vernetzt und vereinfacht werden. Die Renaturierung des Kochers sieht sie als Chance. Sie möchte den unterschiedlichen Formen von Mobilität Rechnung tragen - und dabei auch Details nicht vergessen, etwa Ladestationen für E-Bikes oder Spielbereiche für Kinder.

„Wir haben schon 'was verpennt“, sagte Matthias Müller zu dem Thema. Er möchte mehr Ausstellungen, mehr Künstler in die Innenstadt holen. Es könne nicht sein, dass junge Menschen nach Heidenheim oder Ulm gingen - statt nach Aalen. Für die Jüngeren und die Älteren fehlten Angebote. Auch fehle Grün in der Stadt.

Die Innenstadt sei „das Schaufenster einer Stadt“, sagte Fredrick Brütting. In Aalen habe man verstanden, wie wichtig die Innenstadt sei. Um nach der Pandemie wieder in Schwung zu kommen, seien drei Dinge wichtig: die Ecken in Ordnung bringen, „auf die man derzeit nicht so schaut“, die Stadt mit Veranstaltungen zu beleben. Brütting bringt einen Blaulichttag und einen Handwerkermarkt ins Spiel, aber auch ein Papierfestival. „Aalen ist ja Papierstadt.“ Zudem sei ein guter Draht von der Stadtverwaltung zu den Händlern und Gastronomen wichtig. Denn ohne die gehe es nicht.

Nach zwei Stunden schloss Alfred Krauss die Runde - und es gab Gelegenheit, für die Besucher, mit den Kandidaten ins Gespräch zu kommen.

Fürs Protokoll: Bewerber Nummer sieben, Ronny Enßlin, war bei der Veranstaltung nicht dabei.

Die sieben BewerberInnen für die OB-Wahl

Frederick Brütting (37, SPD) ist seit 2011 Bürgermeister in Heubach. Ronny Enßlin (46) arbeitet bei der Caritas, Matthias Müller (53) ist Angestellter beim Gemeindevollzugsdienst in Aalen. Catherine Rommel (56) ist als Kommunalberaterin für Städte, Gemeinden und Landkreise tätig. Stefan Schmidt (54, Die Basis) ist Gastronom und bekannt als Kritiker der Corona-Maßnahmen. Albert Seitzer (67) ist pensionierter Schulrat. Marcus Waidmann (54) ist Stadtrat der AfD-Fraktion in Aalen und selbstständig. Termin für die OB-Wahl ist am Sonntag, 4. Juli. Entfällt auf keinen Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, findet am 25. Juli eine Neuwahl statt.

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