Eichenhof-Wirt sorgt vor: vom Zapfhahn ans Hochbeet

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Trotz des harten Lockdowns seit November hat sich Michael Wiedenhöfer sein zuversichtliches Lächeln bewahrt. Auf der Rückseite des Eichenhofs hat der Pächter der Waldstube Hochbeete gebaut, in die er selbst gezogene Kräuter-Setzlinge einpflanzt..
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Warum Michael Wiedenhöfer trotz Krise seine Entscheidung nicht bereut, die Waldstube Eichenhof übernommen zu haben.

Aalen

Blauer Himmel, Sonnenschein und das Quecksilber kratzt an der 20-Grad-Marke: bestes Biergartenwetter. Doch statt am Zapfhahn steht Michael Wiedenhöfer an einem der Hochbeete auf der Rückseite seiner Waldstube Eichenhof und pflanzt kleine selbstgezogene Kräuter-Setzlinge in die Erde. Rosmarin, Salbei, Petersilie, Liebstöckel, Kapuzinerkresse – all das, was später einmal die Teller zieren und bei den Gästen für einen besonderen Gaumenkitzel sorgen soll. Später. Wenn irgendwann die Inzidenz so weit gesunken ist, dass wenigstens die Außengastronomien wieder unter Auflagen öffnen dürfen.

Wie all seine Kollegen lebt Wiedenhöfer derzeit fast ausschließlich von der Hoffnung. „Anfang des Jahres hatten wir auf Ostern gehofft, jetzt hoffen wir, dass wir Ende Juni/Anfang Juli wenigstens unseren Biergarten wieder öffnen dürfen.“

Trotz Lockdowns ist er beinahe täglich in der Waldstube. Und trotz des Lockdowns hat er sich sein Lächeln, seinen Optimismus bewahrt, dass irgendwann alles wieder gut werden wird.

Ich weiß, dass die Menschen nach dem Lockdown wieder hungrig darauf sein werden, schön essen zu gehen.“

Michael Wiedenhöfer, Waldstube Eichenhof

Denn sonst würde der heute 46-jährige Familienvater bereuen müssen, dass er vor gut zwei Jahren seinen gut bezahlten Job als Vertriebsleiter bei einem lokalen Logistikunternehmen aufgegeben hat, um komplett in die Gastrobranche zu wechseln. Aber nein. Er beklagt seine Entscheidung nicht, selbst jetzt nicht, in der Krise. „Natürlich hat man manchmal einen schlechten Tag. Aber ich weiß auch, dass den Menschen im Lockdown die Gastronomie fehlt. Dass sie danach wieder im besten Wortsinn darauf hungrig sein werden, schön essen zu gehen.“

Selbst gezogene Kräuter

Vergangene Woche hat Wiedenhöfer auf der Rückseite des Eichenhofs neue Hochbeete gebaut, in die er seine selbst gezogenen Kräuter und Tomaten setzen wird. Parallel hält er den Kontakt zu seinen Mitarbeitern. „Wir nutzen die Zeit für Online-Schulungen, beschäftigen uns damit, wie wir den persönlichen Umgang mit unseren Gästen weiter optimieren können.“ Wiedenhöfer hat investiert in einen großen Schirm mit Heizstrahlern für den Biergarten, damit er den Geschäftsbetrieb auch komplett nach draußen verlagern kann. Und im Herbst hat er eine Almhütte bauen lassen, für coronakonforme Weihnachts- und Familienfeiern im kleinen Kreis. Aber auch die Hütte blieb bislang ungenutzt.

Was Wiedenhöfer am meisten schmerzt: „Dass ich wegen des Lockdowns mein Fleisch tatsächlich vernichten musste. Wenn ich Lebensmittel wegwerfen muss, blutet mir das Herz.“ Zumal die Waldstube Eichenhof sehr nachhaltig denke und die Küche normalerweise alles verwerte. „Wir haben sehr wenige organische Abfälle“, sagt Wiedenhöfer.

Kurzarbeitergeld aufgestockt

Um sein eingespieltes Team, sein Personal, gut durch den Lockdown zu bringen, hat Wiedenhöfer das Kurzarbeitergeld seit Lockdown-Beginn für alle aufgestockt. Denn er weiß: „Wer mit Kurzarbeitergeld auskommen muss, hat Schwierigkeiten, sich und seine Familie über die Runden zu bringen.“

Wirtschaftlich, da ist Wiedenhöfer zuversichtlich, werde die Waldstube Eichenhof dem Lockdown überstehen – auch dank der Finanzierungshilfen der Regierung. „Aber ob dann unser Personal noch da ist?“

Quereinsteiger in

Seit zwei Jahren ist Michael Wiedenhöfer Pächter der Gastronomie „Waldstube Eichenhof“ im Rohrwang. Der heute 46-Jährige war bereits einige Jahre zuvor in die Gastro-Branche eingestiegen. Gemeinsam mit seiner Frau Dr. Kathrin Wiedenhöfer betreibt er seit längerem die Havanna-Bar in der Aalener Helferstraße. Für die „Waldstube Eichenhof“ hat Wiedenhöfer vor zwei Jahren seinen Job als Vertriebsleiter bei einem lokalen Logistikunternehmen aufgegeben.

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