Ein Zeichen der Solidarität in Aalen

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Viele der Besucher der Kundgebung trugen die ukrainischen Farben Blau und Gelb.
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Aalen

Ob es die 1000 Menschen waren, von denen man auf Seiten der Stadt ausgeht - oder die rund 600, die die Polizei angibt: Es war ein starkes Signal, das am Montagabend von Aalen in den Ostalbkreis und in die Welt ging. Oberbürgermeister Frederick Brütting sagt eingangs seiner kämpferischen Ansprache, dass es genau darum gehe: Zusammenzustehen „und gemeinsam mit den freien Völkern der Welt Wladimir Putin und seinem Bruch des Völkerrechts die Stirn“ zu bieten - und dies mit großem Respekt für alle diejenigen, „die trotz Strafen und Gefängnis auch in Georgien, Weißrussland und Russland auf die Straße gehen“. Der Überfall auf die Ukraine sei ein Tabubruch „von historischer Dimension“, ein Überfall auf ein friedliches und souveränes Land, „das sich die Freiheit auf die Fahnen geschrieben hat“. Der Überfall sei nicht nur ein Angriff auf die Ukraine, sondern erschüttere die „Grundfesten der freien Welt“.

Zu lange habe man gleichgültig Putins Treiben zugesehen. Doch dieses Mal sei er zu weit gegangen. „Putin muss gestoppt werden“, rief Brütting in den Aalener Nachthimmel. Sanktionen seien das eine, das andere sei, sich unabhängig zu machen von Energieimporten. Zudem gehe es um ein „starkes Zeichen der Unterstützung und der Solidarität“, das von Aalen in die Ukraine gesendet werde. „Wir verurteilen den russischen Einmarsch aufs Schärfste, wir würdigen den Kampf und den Widerstand des ukrainischen Volks und wir lassen Euch nicht allein“, sagte Brütting unter dem großen Beifall der Menschen. Brütting kündigte an, dass Aalen einen Aufruf starte, um Wohnraum zur Verfügung stellen zu können - und bat die Menschen vor dem Rathaus „um Ihre Unterstützung und Mithilfe“.

Bläse: ein Angriff auf alle

Landrat Dr. Joachim Bläse sprach angesichts des vollen Platzes vor dem Rathaus von einem „wunderbaren Moment“ und dankte den Organisatoren - zur Veranstaltung hatten SPD, CDU, Grüne, FDP, Die Linke und die IGM aufgerufen. In seiner insgesamt sehr emotionalen Ansprache sagte Bläse, dieser Angriff auf die Ukraine, recht- und grundlos begonnen, sei „ein Angriff auf alle Demokraten“. Und weiter: „Herr Präsident, stoppen Sie diesen Krieg!“ Krieg dürfe nie ein Mittel sein - und Krieg sei immer eine Spirale. Aalen und der Ostalbkreis setzten dagegen „ein Zeichen für Demokratie und Frieden“. Bläse sprach aber auch von einer Zeitenwende und davon, dass von Veranstaltungen wie der in Aalen das Zeichen einer wehrhaften Demokratie ausgesandt werde. An die Menschen in der Ukraine gewandt versprach der Landrat: „Wir vergessen Euch nicht, wir werden zeigen, was Hilfsbereitschaft bedeutet“.

Alle - außer die AfD

Sprecher aller Parteien im Aalener Gemeinderat - außer der AfD - schlossen sich an: Sarah Sperfeldt (SPD) sprach von wichtigen Zeichen, die derzeit gesandt werden, etwa die Sanktionen „gegen einen Krieg, der auf fadenscheinigen Gründen beruht“ - Zeichen für ein freies und demokratisches Europa“ und weiter: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich Putin ein Europa nach seinen Vorstellungen kreiert.“

Thomas Wagenblast (CDU) berichtete von seinen Begegnungen mit Vitali Klitschko bei CDU-Parteitagen und sagte, er hätte es nie für möglich gehalten, dass ein Regierungschef, Putin, einem anderen Land das Existenzrecht abspreche. „Man darf einem Land nicht das Existenzrecht absprechen“, rief Wagenblast.

Ulrike Richter (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, „wir verneigen uns vor den Menschen in der Ukraine, vor denen, die ihre Angehörigen in Sicherheit bringe, vor denen, die Putins Krieg standhalten und für sein selbstbestimmtes Leben in Frieden und Freiheit eintreten wollen“. Sie sagte zudem zum Thema, was zu tun sei: „Erneuerbare Energien verhelfen uns zu Unabhängigkeit von Autokraten.“

Arian Kriesch (FDP) sagte, es erfülle ihn mit Zuversicht, dass der Marktplatz „soweit ich sehen kann“ mit Menschen gefüllt sei über Parteigrenzen hinweg: „Es fühlt sich gut an, für die Freiheit und die Demokratie ein Zeichen zu setzen.“

Justin Niebius (Die Linke) fühlt sich „überwältigt von der weltweiten Solidarität, vom Zusammenhalt“ all derer, die sich gegen Putin stellen.

Starkes Schülerinnenstatement

Zum Schluss sprach Amelie Konrad vom Schubart-Gymnasium. Sie erlebe, wie in ihrem Umfeld Angst wachse und Zukunftspläne plötzlich in einem anderen Licht erscheinen. Die Tatsache, dass demokratische und friedliche Mittel machtlos sein können, hinterlasse bei ihr ein Gefühl der Ratlosigkeit. Dennoch sei es wichtig, sich für die Werte wie Demokratie und Freiheit einzusetzen - jenseits von Parteipolitik. „Wir können hier und heute unsere Solidarität bekunden“, sagte sie und bekam für ihre beherzte Ansprache viel Applaus.

Zum Schluss gab es eine Schweigeminute und ganz am Ende spielte das Städtische Orchester die Europa-Hymne.

Auch IG Metall auf der Ostalb zeigt Flagge

Auch die IG Metall auf der Ostalb protestiert gegen den Krieg in der Ukraine: „Es ist das richtige Signal. Nachdem mehr als eine halbe Million Menschen in Berlin zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule gegen den Angriffskrieg Putins demonstriert haben, kommt heute von der Ostalb ein lauter Ruf nach Frieden in für die Ukraine und Frieden in Europa“, so Kai Bliesener, Geschäftsführer der IG Metall auf der Ostalb. Die IG Metall sei Teil des breiten Bündnisses gegen den Krieg in der Ukraine. Bliesener verurteilt die Eskalation der Gewalt mit scharfen Worten: „Krieg ist keine Lösung. Krieg kennt nur Verlierer. Und die Verlierer sind die Menschen, die Bevölkerung, Frauen und Kinder.

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Viele Menschen demonstrieren am Montagabend in der Aalener Innenstadt für ein Ende des Krieges in der Ukraine.
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