Podcast: Ein Glas mit Lars - Folge 33

Erwin Hafner: Das Gedächtnis Aalens feiert 90.

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Erwin Hafner, ehemaliger Chefredakteur der Schwäbischen Post, feiert am 16. Januar 2022 seinen 90. Geburtstag.
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Erwin Hafner war Chefredakteur der Schwäbischen Post. Bei einem "Glas mit Lars" plaudert er über Zeitung damals und heute.

Aalen.

Seine Zeitungsseiten hat er noch in Blei gegossen. Es gibt nur wenige Zeitungsredakteure, die zuerst Schriftsetzer gelernt haben, bevor sie Redakteur wurden. Erwin Hafner ist so jemand. Er kann in Blei denken, denn damals wurden die Zeitungseiten nicht digital belichtet, sondern erst in Blei gegossen. Auf dieses „in-Blei-denken“ legte die Schwäbische Post damals wert, als sie den kritischen Geist kurz nach dem Krieg zum Redakteur ausgebildet hat.

Erfinder des Advents der guten Tat

90 Jahre alt wird der Erfinder des SchwäPo-Spions und des Advents der guten Tat am 16. Januar. Es ist viel über ihn geschrieben worden - zum 80., zum 85. Geburtstag. Dass er durch und durch ein Aalener Jung ist. Ein Lokalpatriot, der sich vehement für Dinge eingesetzt hat. Dass er den VfR liebt. Dass er wie kein anderer Bürger jede Straße, jede Gastwirtschaft, jedes geschichtliche Detail dieser Stadt im Kopf hat. Er ist das Gedächtnis Aalens, einer Stadt, die er wie keine andere liebt.

Was macht man also mit so einem Menschen, über den alles bereits geschrieben wurde? Ob er Lust auf einen Podcast mit einem seiner Nachfolger hat? Hat er. Gerne. „Kommen Sie vorbei“, sagt er. Er steht in der Tür seines Eisenbahnerhäuschens. „Ich bin der Erwin.“ Und ich der Lars. „Dann trinke ich jetzt ein Glas mit Lars.“ Er kennt also meinen Podcast. Klar. Erwin Hafner liest jeden Tag Zeitung – mehrere. Er ist trotz seiner 90 Jahre extrem rüstig. Er besucht immer noch regelmäßig zwei Stammtische und trinkt jeden Abend eine Flasche Bier und Glas Schnaps. Deshalb ist „das Glas mit Lars“ dieses Mal etwas kleiner und mit Kirschwasser gefüllt.

Zwei Chefredakteure der Schwäbischen Post, Erwin Hafner und Lars Reckermann (v.r.)

Wir plaudern mehr als 40 Minuten. Ich lerne einen Menschen kennen, der unglaublich sozial ist. Er kümmert sich um Flüchtlinge, ließ sie schon in seinem Haus wohnen. Er steckte einen Sunniten und Schiiten in eine gemeinsame Wohnung. „Vertragt Euch, wir sind alle Kinder dieser Welt.“ Es klappt. Wohnungslose, sozial schwache Familien – Erwin Hafner setzt sich ein, engagiert sich, bis heute. Seine Kommentare hatten Pfeffer. So etwas kannten die Stadtoberen damals aber nicht. Als Hafner im OB-Wahlkampf für Ulrich Pfeifle Stellung bezog und einen wohlwollenden Kommentar schrieb, forderte die CDU seinen Rücktritt. Dr. Konrad Theiss, Hafners damaliger Chef, hielt nicht nur an Hafner fest, sondern ihm fortan den Rücken frei. „Das war sehr befreiend für mich.“ Mit Pfeifle hatte er dennoch so manchen Disput. Heute sind beide gute Freunde. Geduzt wird sich erst, seitdem Erwin Hafner im Ruhestand ist.

Jetzt also die 9 vorne. Langweilig wird ihm nicht. Im Wintergarten hängt ein Bild seiner verstorbenen Frau. Täglich spricht er mit ihr. „Allein sein muss man lernen“, sagt er. Deshalb hat er jetzt auch ein kleines Kätzchen. Ich wünsche ihm beim Gehen Gesundheit. Dass er noch lange so fit bleiben möge. „Ich bin nicht stolz auf meine Gesundheit, ich bin dankbar“, sagt er.

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