Fünf Wege gegen die Armut

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Die Kandidaten der CDU, SPD, Linke, Grüne und FDP standen in der öffentlichen Mittagspause des Haus der katholischen Kirche auf dem Podium und sprachen zum Thema: "Armut und Bildung"
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Die Bundestagskandidaten Leni Breymaier, Margit Stumpp, Roderich Kiesewetter, Arian Kriesch und Tim Steckbauer debattieren in der "Mittagspause".

Aalen

Wie kann man Armut in einem reichen Land nachhaltig bekämpfen? Wie gelingt es, Bildung für alle zu ermöglichen? Und wie kann man sozial Benachteiligten eine Stimme geben? Diese und weitere Fragen haben am Dienstag fünf Bundestagskandidatinnen und -kandidaten in der Reihe "Öffentliche Mittagspause" beantwortet. Geladen hat die Katholische Erwachsenenbildung, kurz keb, in Kooperation mit dem Dekanat, der Betriebsseelsorge und der Caritas.

Knapp 60 Interessierte sind zum Haus der katholischen Kirche gekommen, um sich während ihrer Mittagspause beim gleichnamigen Open-Air-Format zu informieren, was Leni Breymaier (SPD), Margit Stumpp (Grüne), Roderich Kiesewetter (CDU), Tim Steckbauer (Die Linke) und Arian Kriesch (FDP) zu den Themen Armut und Bildung zu sagen haben. Dabei geht es kurzweilig zu. Dafür sorgen die Moderatoren Dr. Rolf Siedler und Romanus Kreilinger. In einer "Warmlaufrunde" lassen die beiden die Kandidaten zunächst Fragen mit roten (nein) und grünen (ja) Zetteln beantworten. Mit einem Gelben signalisiert Kreilinger später: die Redezeit endet. Einmütig sind die Fünf für Weiterbildung und mehr Chancengerechtigkeit. Der Weg dahin unterscheidet sich in Teilen.

Die Warmlaufrunde: Abgefragt wird, ob das, was bisher gegen die Armut und für die Bildung getan wurde, genügt; ob der Hartz IV-Satz erhöht werden muss und ob Bundestagsabgeordnete aus bildungsfernen Schichten per Zufallsgenerator ein Mandat erhalten sollen. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Meist erwartbar. Doch zücken die Kandidaten auch gleichzeitig rot und grün - aktuell festlegen wollen sie sich oft nicht. Einzig beim Zufallsgenerator sind sie sich einig: rot.

Für klare Stellungnahmen sorgen gezielten Fragen der Moderatoren. Siedler und Kreilinger haben sich die Wahlprogramme der Parteien vorgenommen. Das kommt an beim Publikum.

Leni Breymaier "Im Zukunftsprogramm der SPD steht wenig drin", hält Siedler der SPD-Kandidatin vor und fragt: "Was dürfen Arme von der SPD erwarten?" Breymaier sichert eine zukunftsfeste Rente und keine Erhöhung des Renteneintrittsalters zu. Beim Thema Bildung spricht sie von kleinen Klassen und von Ganztagsschule. "Bildung allein schützt aber vor Armut nicht", macht sie deutlich und fordert nicht nur ein Recht auf Ausbildung, sondern auch für über 40-Jährige ein Recht und Zeit für eine weitere Ausbildung oder Weiterbildung.

Roderich Kiesewetter "Die CDU will Deutschland modernisieren; ist im modernen Land auch Platz für Arme?", fragt Siedler den Kandidaten der CDU. Die Basis für ein Modernisierungsjahrzehnt ist, laut Kiesewetter, gute Arbeit. Ziel müsse sein, auf der Ostalb alles zu tun, damit das gelingen kann. Kiesewetter nennt als Stichworte die Weiterbildung im Beruf aber auch verpflichtende Kitas und sprachliche Kompetenz seien Teil davon, damit der Wandel gelinge. Denn E-Mobilität sei die Zukunft. Und die betreffe dann auch die Region.

Arian Kriesch Die Pandemie und ihre Folgen für Kinder und Jugendliche? Die wären, so FDP-Politiker Kriesch, vermeidbar gewesen, hätte man frühzeitiger geplant. Die Folgen - und Probleme - sehe die Gesellschaft erst in Jahren. Kriesch blickt auf seine Jugend in Köln als Sohn einer Alleinerziehenden und fordert mehr Schulsozialarbeit. Als Liberaler setze er sich für Aufstiegschancen ein. "Wir brauchen Wachstum, um das zu finanzieren, wo es nötig ist."

Tim Steckbauer "Für einen anderen Sozialstaat" laute ein Slogan der Linken, so Siedler. Was das bedeutet? Steckbauer spricht von einem Grundeinkommen und einer Mindestrente von jeweils 1200 Euro. Es sei nicht fair, ein lebenslang zu arbeiten und dann Pfandflaschen sammeln zu müssen. Der Linken-Politiker fordert zudem eine Erhöhung des Kindergelds und Gemeinschaftschulen.

Margit Stumpp Wie Grünen-Politik gegen Armut und mehr Bildung aussieht? Ein Streiflicht wirft Stumpp ins Publikum. Sie spricht von Kitas und Qualität, von Bildungsstrukturen für alle Altersgruppen. Die Grünen-Politikerin kritisiert die "zu geringen Investitionen in Bildung". Denn die sei bekanntlich der Schlüssel gegen die Armut.

Zahlen und Ziele Ins Thema eingeführt hat Ana de Resquesens Moll ein. Die keb-Leiterin nennt eingangs Zahlen und Ziele. Etwa die der Vereinten Nationen, auf deren Agenda 2030 die Senkung der Armut steht. Sie zitiert den Sozialbericht des Ostalbkreises sowie den Mikrozensus, nach dem jede sechste Person in Deutschland 2019 als armutsgefährdet galt. "Sozial benachteiligte Gruppe sind am stärksten betroffen", sagt sie und nennt dabei Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund.

Zitat:

Er ist ein Mensch, er hat ein Herz, man kann ihn wählen."

Dr. Rolf Siedler

zitiert Sieger Köder, als der ein Wahlplakat schuf

Die Kandidaten der CDU, SPD, Linke, Grüne und FDP standen in der öffentlichen Mittagspause des Haus der katholischen Kirche auf dem Podium und sprachen zum Thema: "Armut und Bildung"
Die Kandidaten der CDU, SPD, Linke, Grüne und FDP standen in der öffentlichen Mittagspause des Haus der katholischen Kirche auf dem Podium und sprachen zum Thema: "Armut und Bildung"

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