Die Rathaussanierung - ein 33-Millionen-Euro-Projekt

Grüne und Rehm drücken auf die Bremse

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Das Thema Generalsanierung des Betonbaus spaltet den Aalener Ratsausschuss. Am Ende scheut Bürgermeister Wolfgang Steidle eine Kampfabstimmung.

Aalen

Fassadensanierung so rasch wie möglich, aber die Generalsanierung noch schieben: Als es in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) um die vorbereitende Planung für das weitere Vergabeverfahren für die Rathaus-Generalsanierung ging, drückten die Grünen-Fraktion und Norbert Rehm (FDI) mit Vehemenz auf die Bremse.

Zwar steht der vom Gemeinderat gefasste Grundsatzbeschluss für die Generalsanierung bereits seit Februar. Aber angesichts des aktuellen klammen städtischen Finanzlage appellierten Michael Fleischer (Grüne) und Norbert Rehm mit Nachdruck, die Generalsanierung zeitlich zu schieben. Man sollte der Verantwortung des neuen Stadtoberhaupts nicht vorgreifen, meinten beide unisono. Zumal die erste Aufgabe des neuen Aalener Oberbürgermeisters, beziehungsweise der Oberbürgermeisterin, ein Kassensturz sein werde. Fleischer erinnerte an seine Rede bei den Haushaltsberatungen im November 2020. „Schon damals hat unsere Fraktion klar gesagt, dass wir zwar die nötige Fassadensanierung mittragen, aber dass wir mit dem Rest warten müssen, bis das Kombibad steht und wir wissen, wie es dann um die Haushaltsfinanzen steht.“

Thomas Wagenblast (CDU) reagierte überrascht, unter Berufung auf den bereits gefassten Grundsatzbeschluss. Dass man jetzt mit den Vorbereitungen für ein Ausschreibungsverfahren beginnen müsse, sei nur eine logische Konsequenz. Für die SPD-Fraktion stimmte Timo Lorenz zu: „Wir sollten den Sanierungsstau jetzt beenden. Bei einer Verschiebung der Generalsanierung werden die Folgeschäden noch drastischer ausfallen.“ Auch Claus Albrecht (FW) verwies auf den Grundsatzbeschluss und signalisierte wie auch Emil Pöltl (AfD) die Zustimmung seiner Fraktion.

Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle, der die Sitzung anstelle des verhinderten Oberbürgermeisters leitete, hielt den Grünen und Norbert Rehm entgegen, dass die energetische Sanierung des Rathauses dränge. Büros mit einer Temperatur von fast 40 Grad im Sommer seien eine Zumutung für die Rathausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. „Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein“, sagte er.

Markus Haas, Leiter der Aalener Gebäudewirtschaft, sprach Tacheles: Die Voruntersuchungen seien abgeschlossen. Und nur mit der Vorbereitung eines Vergabeverfahrens könne man nun die Generalsanierung weiter planen. Haas betonte, dass es rein um eine Sanierung im Bestand gehe, dass man derzeit nicht über große Erweiterungen nachdenke und auch nicht über einen Überbau des Westparkplatzes.

Am Ende scheute sich Steidle vor einer Kampfabstimmung. So blieb eine Empfehlung an den Gemeinderat aus, der am 24. Juni eine Entscheidung zu treffen hat.

Los geht's im Sommer an der Rathaus-Südseite

Aalen. Die Schäden an der Südseite des Rathauses sind deutlich größer als angenommen, informierte Bürgermeister Wolfgang Steidle die Räte über das Ergebnis der Voruntersuchungen.

Warum die Zeit drängt: Die Balkenköpfe an allen Fassadenseiten weisen massive Schäden auf. Bestandteile des Betons von der darunterliegenden Bewehrung lösen sich bereits ab.

Was zuerst angepackt wird: Noch in diesem Jahr (Beginn im Sommer) soll vor allem die zur Stuttgarter Straße hin ausgerichteten Südfassade und die Stirnseiten (Ost- und Westseite) saniert werden. Die restlichen Fassaden sollen dann im Jahr 2022 beziehungsweise 2023 folgen.

Der Lieferantenzugang wird im Zuge der Sanierung der Südfassade zur Stuttgarter Straße hin verlegt. So wird der Marktplatz künftig vom Liefer- und Entsorgungsverkehr entlastet.

Die lärmintensiven Maßnahmen für die zuvorderst anstehende Sanierung der Südfassade sollen zum Schutz der Rathausmitarbeiter auf die ersten zwei Septemberwochen 2021 begrenzt werden.

Rund 780 000 Euro kostet die Sanierung der Südfassade und die Verlegung des Lieferantenzugangs. Zur Finanzierung sollen 150 000 Euro aus dem Haushaltsposten zur Sanierung der Jurahalle Ebnat umgeschichtet werden.

Der weitere Zeitplan: Die Generalsanierung des Aalener Rathauses soll bis voraussichtlich 2028 in insgesamt acht Abschnitten erfolgen. Kosten: rund 33 Millionen Euro. Aufgrund ihrer Dimension fällt die Baumaßnahme unter das Europäische Wettbewerbsrecht. Heißt: Um rechtssichere Aufträge an die Planer erteilen zu können, ist ein spezielles und umfangreiches Vergabeverfahren nötig. Deshalb geht die Stadtverwaltung davon aus, dass frühestens im Sommer 2023 mit der Generalsanierung begonnen werden kann. Zu diesem Zeitpunkt liefe parallel noch der Bau des Kombibads im Hirschbach. Die Fertigstellung dieses 44-Millionen-Euro-Projekts ist erst für das Jahr 2024 vorgesehen. UW

Wir sollten den Sanierungsstau jetzt beenden.“

Timo Lorenz, SPD-Stadtrat
Das Rathaus in Aalen.

Rubriklistenbild: © opo, achiv

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