Kein Bedarf für Leichtathletikhalle?

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Aalener Stadträte und Kenner der Leichtathletikszene befürchten: Wenn in Aalen mittelfristig keine Leichtathletikhalle gebaut wird, laufen der Kocherstadt die Athleten weg. Symbolfoto: pixabay
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Sportwissenschaftler Dr. Stefan Eckl stellt den Aalener Ratsmitgliedern das Ergebnis seiner Analyse vor. Warum die Stadträte das Ergebnis als „äußerst ernüchternd“ bezeichnen.

Aalen

Seit Jahren ist der Wunsch nach einer Leichtathletikhalle in Aalen latent. Und zwar nicht erst, als der Stadtverband der sporttreibenden Vereine vor drei Jahren öffentlichkeitswirksam bedauerte, dass bei der Sanierung der THG-Turnhalle nicht gleich auch eine kleine Leichtathletikhalle an die Weilandhalle angedockt wurde.

Auch im Stadtrat hat sich für das Anliegen eine Lobby gefunden. Die SPD-Fraktion hat bei den Haushaltsberatungen im November bereits im zweiten Jahr in Folge darauf gedrängt, eine Planungsrate von 100 000 Euro für den Bau einer Leichtathletikhalle einzustellen.

Und nun? „Es besteht kein akuter Bedarf für eine Leichtathletikhalle in Aalen.“ Zu diesem äußerst ernüchternden Ergebnis kommt Dr. Stefan Eckl vom Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps), den die Stadt Aalen mit einer Bedarfsanalyse beauftragt hatte. Deren Quintessenz stellte Eckl am Mittwoch den Mitgliedern des Gemeinderatsausschusses für Kultur, Bildung und Finanzen (KBFA) vor. Dabei argumentiert er vor allem mit der geringen Rücklaufquote bei seiner Bedarfserhebung. Geantwortet hatten lediglich fünf von elf Sportvereinen: Aalener Sportallianz, FV Unterkochen, SSV Aalen, SV Ebnat, TSG Hofherrnweiler-Unterrombach und SV Ebnat. Für Eckl ein Indiz, dass der Bau einer Leichtathletikhalle nicht im Interesse der Gesamtstadt ist. Hinzu komme, dass nicht alle der fünf antwortenden Vereine schlechte Rahmenbedingungen in den Wintermonaten angegeben haben.

Für die Räte ein unbefriedigendes Ergebnis, mehrheitlich wollten sie sich damit nicht abspeisen lassen. „Das darf man nicht im Sande verlaufen lassen“, meldete sich Inge Birkhold (CDU) zu Wort. Sie plädierte für einen runden Tisch gemeinsam mit allen elf betroffenen Vereinen, um das Thema „komplett abzuarbeiten“.

Helmut Gentner (SPD) kommt selbst aus der Leichtathletikszene und weiß: „Die Gefahr besteht, dass die Talente abwandern, wenn sie keine guten Rahmenbedingungen vorfinden.“ Über die geringe Resonanz der Sportvereine war er erstaunt. Nur aufgrund der dürftigen Rückmeldung sollte man die Sache nicht begraben: „Unsere Stadt braucht eine Leichtathletikhalle“, meinte Gentner mit Nachdruck.

Bernhard Ritter (FW) betonte, dass einer Sportstadt wie Aalen eine Leichtathletikhalle gut zu Gesicht stehen würde. „Wollen wir Schwäbisch Gmünd, Heidenheim und Essingen die Erfolge in der Leichtathletik überlassen?“, fragte er herausfordernd. OB Thilo Rentschler verschränkte beide Arme vor der Brust: „Ich halte mich raus. Denn Versprechungen, die Sie jetzt angesichts der äußerst angespannten Haushaltslage machen, müssen Sie dann auch vor den Bürgerinnen und Bürgern vertreten können“, mahnte er.

Das Thema darf man nicht im Sande verlaufen lassen.“

Inge Birkhold, CDU-Stadträtin

Wo Handlungsbedarf besteht

Was die Ausstattung mit Sportplätzen betrifft, so kommt Eckl in einer zweiten Analyse zu dem Schluss, dass zwar die Gesamtstadt „überversorgt“ ist. Aber dass es in einzelnen Stadtteilen durchaus Handlungsbedarf gibt. In der Kernstadt und Weststadt etwa klaffe im Winter vor allem zwischen 17 und 20 Uhr ein deutliches Defizit. In Wasseralfingen gebe es nicht genügend Platzkapazitäten für den „enorm wachsenden“ Hockeysport und die Fußballer finden hier im Winter kaum Trainingsmöglichkeiten. „Gerade ausreichend“ sei die Situation in Dewangen und Fachsenfeld, während Eckl für Waldhausen/Ebnat/Unterkochen eine „deutliche Überversorgung“ ausmacht.

„Jetzt muss es darum gehen, was wir aus diesen Erkenntnissen machen“, drückte Ralf Meiser (Grüne) aufs Tempo. Wichtig sind ihm ausreichende Trainingsmöglichkeiten im Winter für die Kernstadt und Weststadt.

Roland Hamm (Die Linke) appellierte, auch die Plätze für sportliche Aktivitäten außerhalb des Vereinssports nicht außer Acht zu lassen. Er bat Eckl, dafür geeignete Flächen in der Gesamtstadt aufzuzeigen.

Mehr zum Thema: „Aalen braucht eine Leichtathletikhalle“

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