Neue Kita-Plätze ohne Bauen?

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Kinderbetreuung
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Bis 2030 fehlen 440 Kita-Plätze. Fraktionen und Gruppen im Gemeinderat erläutern Ideen, wie Betreuung ausgebaut werden kann.

Aalen

In Aalen werden wieder mehr Kinder geboren. Einer Bevölkerungsvorausrechnung zufolge soll der Trend weiter anhalten. Das bedeutet, dass im Stadtgebiet mehr Betreuungsplätze notwendig werden. Mehrere neue Kitas in Aalen und den Teilorten sind vor kurzem fertiggestellt worden, andere werden noch gebaut. Trotzdem: Bis 2030, so hat es die Stadtverwaltung ausgerechnet, müssen noch 440 Plätze geschaffen werden, um den Bedarf zu decken. Gleichzeitig ist Bauen so teuer und so schwierig wie nie. 

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Die SchwäPo hat alle Fraktionen und Gruppen im Aalener Gemeinderat dazu gefragt:

Thema Kinderbetreuung: Bis 2030 fehlen noch 440 Kita-Plätze. Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie – ohne ständig neue Kitas zu bauen?

Alle haben schriftlich in einem vorgeben Umfang geantwortet. Nicht alle haben den Umfang voll ausgereizt.

Michael Fleischer (Grüne):

Michael Fleischer

Um die 440 fehlenden Kita-Plätze zu schaffen, müssen mehrere Dinge gleichzeitig angegangen werden: Das größte Problem ist aktuell der eklatante Personalmangel. Die schönste Kita nützt nichts, wenn Gruppen wegen Personalmangel geschlossen werden. Hier können nur Möglichkeiten des Quereinstiegs, bessere Arbeitsbedingungen, Konzentration auf Kernaufgaben und Steigerung der Attraktivität des Berufsbildes helfen. Um 440 Plätze zu schaffen, müssen zwangsläufig neue Kitas gebaut werden. Erweiterung bestehender Kitas, modulares Bauen, mehr Betriebskitas, von der Kommune geförderte TigeR und Kooperationen wie der Bildungscampus in Dewangen sind mögliche Optionen. Es braucht dafür freilich eine angemessene und dauerhafte finanzielle Beteiligung des Bundes. Das können die Kommunen allein nicht stemmen.

Thomas Wagenblast (CDU):

Thomas Wagenblast

Die ausreichende Versorgung mit Kita-Plätzen ist für die CDU eine zentrale Aufgabe. Eltern brauchen Verlässlichkeit und passgenaue Angebote. 440 neue Kita-Plätze schaffen ist ein Wort – auch mit Blick auf die Einstellung qualifizierten Personals. Wichtig ist für uns, dass die Stadt jetzt schnell auf die etablierten und erfahrenen Träger wie die Kirchen, Pate oder Aufwind zugeht, da diese schnell und kompetent neue Kita-Plätze schaffen können – auch an vorhandenen Standorten. Bei Bauvorhaben oder Erweiterungen plädieren wir für standardisierte Lösungen, beispielsweise ökologisch optimierte und hochwertige Modulraumlösungen für neue Kitas. In der Region gibt es dafür tolle Unternehmen. Auch die Umnutzung vorhandener Räume ist wichtig und wird bereits erfolgreich bei der Kita im Albstift umgesetzt.

Hermann Schludi (SPD):

Hermann Schludi

Wir freuen uns über den Zuwachs von Kindern in Aalen. Der weiterhin rasch ansteigende Bedarf an Kita-Plätzen erfordert zusätzlich zum Neubau von Kitas weitere kurzfristig greifende Lösungen. Wir drängen deshalb darauf, geeignete Bestandsgebäude auf Umbau- und Erweiterungsmöglichkeiten zu überprüfen. In diesen bietet der weitere Ausbau der „Tagespflege in geeigneten Räumen“ (TigeR) eine schnell zu realisierende Alternative. Hier übernimmt qualifiziertes Tagespflegepersonal die Betreuung. Neben der Anzahl an Kita-Plätzen ist weiterhin wichtig, dass die Stadt bei der Kita-Betreuung auf qualifizierte Ausbildung des Personals Wert legt und angesichts des Fachkräftemangels auch Anreize bietet. Entscheidend für eine stets kontrollierbare Bedarfsabdeckung ist die stetige zeitnahe Evaluation.

Thomas Rühl (Freie Wähler):

Thomas Rühl

So lange sich hier nicht die Vorgaben aus Politik und Gesellschaft ändern, sehen wir hierzu leider keine Alternative. Eventuell könnte man noch Bestandsgebäude umbauen oder die vorhandenen Kita-Flächen intensiver belegen. Eine Intensivierung der Kooperation mit den Grundschulen wäre auch überlegenswert. Ob das aber die Notwendigkeit von Neubauten verringert, müsste sich erst noch erweisen.

Dr. Frank Gläser (AfD):

Dr. Frank Gläser

Wir unterstützen grundsätzlich eine möglichst gute Betreuung und Bildung unserer Kinder. Wenn sich die Voraussagen wenigstens teilweise bewahrheiten, wird es gute Gründe geben, bestehende Einrichtungen zu erweitern und auch neu zu bauen. Die deutsche Politik, allem voran die Energiepolitik, zur Zeit akzentuiert durch offenbar wirkungsarme Sanktionen gegen Russland, lässt aber befürchten, dass wir uns bei Abbau unserer Lebensgrundlage, unserer produzierenden Industrie, und weiter steigenden Sozialkosten vieles nicht mehr leisten können. Dann muss man auch an erhöhte Gruppenzahlen und Abbau von Sondereinrichtungen zugunsten der Breitenversorgung denken. Wesentlicher Zusatzfaktor ist der schon jetzt deutliche Mangel an Fachkräften, für den es bisher keine wirklich erfolgversprechende Gegenstrategie gibt.

Inge Birkhold (Zählgemeinschaft Birkhold/Traub):

Inge Birkhold

Kinderbetreuung muss wohnort- und arbeitsplatznah ausgebaut werden, um dem Wunsch der Menschen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu entsprechen. Aalen wird wachsen – das zeigt die Bevölkerungsvorausberechnung. Es bedarf kreativer Lösungen in Form von multifunktionalen Nutzungskonzepten, um Synergien optimal zu nutzen, wie beispielsweise Betriebskindergärten oder auch die Erweiterung von bestehenden Grundschulen um eine Kita, die Angliederung einer Kita an ein Seniorenwohnheim oder die bauliche Erweiterung bereits bestehender Kitas. Gibt es weitere geeignete Gebäude und Infrastruktur, um schnell und kostengünstig Kita-Plätze zu realisieren? In anderen Städten kennt man bereits Bauernhof-Kitas, Kitas in Vereinsheimen oder auch Kitas angegliedert an Kolpinghütten. 

Christa Klink (Die Linke):

Christa Klink

Eine gute Lösung für fehlende Kita-Plätze hat die Stadt Aalen in Fachsenfeld gefunden. Dort gibt es eine Interims-Kita in einem Natur-Kita-Wagen, bis zur Fertigstellung der neuen Kita. Die erprobten Natur-Kita-Wagen könnten bei Bedarf flexibel dort eingesetzt werden, wo es nötig ist, und sind im Vergleich zu einem Neu-/Umbau kurzfristiger betriebsbereit. Problematisch ist aber auch in Aalen der Fachkräftemangel in den wachsenden Kita-Einrichtungen. Außer einer Werbekampagne mit außertariflichen Angeboten (Fahrtkostenerstattung, Wohnungsangebote usw.) könnten Entlastungskräfte für Abhilfe sorgen, indem sie den Erzieher*innen hauswirtschaftliche oder kaufmännische Tätigkeiten abnehmen. Größere Gruppen und gesenkte Betreuungsschlüssel auf Kosten der Beschäftigten und Kinder lehnen wir Linke ab. 

Dr. Philipp Frank (FDP/Freie Wähler):

Dr. Philipp Frank

Gerade junge Familien sind dabei im Fokus, da Karriere und Familiengründung oft zeitlich zusammenfallen. Grundsätzlich müssen bestehende Kitas auf Erweiterungen geprüft werden. Dabei kann es sich um bauliche und personelle Erweiterungen handeln, aber auch neue Raumkonzepte sollen geprüft werden. Größere Einrichtungen nutzen Synergieeffekte effizienter, da Verwaltungsaufwand und Fixkosten größerem Nutzen gegenüberstehen. Auch Versorgungsengpässe können leichter überbrückt werden. Zudem kann die Schaffung von regelmäßigen Zusatzangeboten, wie Thementage, außerhalb der Kita weitere Kapazität bringen. Zum Beispiel kulturelle Angebote von der Musikschule oder Naturtage im Wald sind denkbar. Außerdem müssen Personalengpässe vermieden werden durch das Steigern der Attraktivität des Erzieherberufes.

Norbert Rehm (Aktive Bürger):

Norbert Rehm

Vorfahrt für Kinder! Wir müssen alle Plätze schaffen und Eltern sowie Kinder mehr unterstützen. Dies hat Vorrang vor Fahrradwaschanlagen oder Ähnlichem. Spielraum gibt es bei den Kita-Gebäuden: Die Standards müssen geprüft und dann eventuell gesenkt werden. Arbeitgeber müssen vermehrt Betreuungsplätze schaffen. Alternativen – zum Beispiel private Gruppen – sollten geprüft und unterstützt werden. Außerdem ist Sparen durch Optimierung angesagt: Eine teure Keller-Kita im abgeholzten Rohrwang geht nicht. Kitas müssen ausgeschrieben und an den günstigsten Bieter zum Festpreis vergeben werden. Eigentum oder Miete - das günstigste Angebot muss angenommen werden. Auch an Nachnutzungsmöglichkeiten muss gedacht werden. Keine Verschiebung nach Gutdünken durch OB oder Verwaltung!

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