Nostalgie mit Anspruch

Es ist kurz vor 15 Uhr. Reger Betrieb zeichnet sich in der kleinen Kapelle im Samariterstift Aalen ab. Zirka 40 Leute haben sich in dem kleinen Raum niedergelassen. Alle älter als 60 Jahre. Rainer Hofem stellt Citymanager Wolfgang Weiß als Referent vor. Dann kann eine neue Sitzung des "Café Nostalgie" in Aalen beginnen.

Was heute ein Zwischending aus anspruchsvoller Unterhaltung und netten Beisammensein ist, fing ursprünglich als Wissensbörse an. Sie wurde im Jahr 1992 gegründet. Ältere Leute konnten dort ihr Fachwissen austauschen. Als Ort diente das alte Haus Kastanie. Aus der Wissensbörse entwickelte sich schließlich ein Erzählcafé. Im Jahr 1998 war es soweit, und das "Café Nostalgie" war geboren. Bald zog man vom Haus Kastanie ins Samariterstift um, dort findet das Café bis heute statt. Seitdem ist an jedem zweiten Montag im Monat "Nostalgie-Tag". Dr. Eberhard Schwerdtner, Winfried Mack und Martin Gerlach sind nur wenige Namen der Referenten, die bereits als Redner anwesend waren. Seit 2002 liegt die ehrenamtliche Leitung des Projekts bei Dieter Reese und Rainer Hofem. Beide leben das Interesse an den unterschiedlichen Themen vor und versuchen, jedes Mal einen anderen Referenten aus dem Hut zu zaubern. "Wir wollen, dass sich die Menschen erinnern, deswegen gibt es viele historischer und kulturelle Themen", erklärt Hofem und fügt hinzu, man habe sowohl Historisches als auch Superaktuelles behandelt. "Wir wollen uns für unsere Mitmenschen engagieren", hebt auch Reese hervor. Und wie spielt sich so ein Treffen im Café Nostalgie ab? Es ist Montagmittag, 15 Uhr. Langsam trudeln die Gäste ein. Es sind circa 40 und alle sind über 60 Jahre alt. Erfreut heißt man sich willkommen - man kennt sich bereits und teilt viele Interessen. Alle Stühle in der kleinen Kapelle im Samariterstift sind besetzt. Rainer Hofem stellt den heutigen Referenten vor: City-Manager Wolfgang Weiß. "Heute haben wir etwas ganz Modernes für Sie", sagt Hofem und gibt das Wort weiter an den City-Manager. Dieser ermutigt die Besucher, Fragen nach seinem Vortrag zu stellen. Er erklärt seinen Job, die Ziele von Aalen City aktiv und erläutert Projekte. Als ein großes Bild vom Einkaufszentrum Mercatura auf dem Bildschirm erscheint, staunt der ein oder andere nicht schlecht. Zum Schluss geht Weiß auf die Angebote in der Innenstadt ein. Danach folgt eine muntere Fragerunde. Geduldig wartet jeder, bis er Fragen stellen kann, eine interessierte Atmosphäre herrscht. Man kritisiert den Müll in Aalen und auch ein fehlender Lebensmittelmarkt im Pelzwasen wird angesprochen: "Brot, Wurst und Käse braucht man jeden Tag", betont eine Frau aus dem Grauleshof. Auch das Baustahlgelände und die Lavazza-Bar finden Platz in der Diskussion. Wolfgang Weiß sagt zu allen Fragen etwas, nimmt die Anregungen interessiert auf und betont, sich darum kümmern zu wollen.

Kaffee und Kuchen stehen schon bereit. Gemeinsam gehen die Gäste nach dem Vortrag in den angrenzenden Gemeinschaftsraum. In gemütlicher Runde wird dort miteinander geredet. "Das abwechslungsreiche Programm, vor allem die aktuellen Themen und die Reiseberichte gefallen mir besonders gut", sagt Rainer Ramming. Er besucht das Café Nostalgie schon seit vier Jahren. Außerdem sei es gut erreichbar, die Leute sehr nett und der Kuchen hervorragend, meint er mit einem Lächeln. Damit das leckere Gebäck auf dem Kaffeetisch steht, darum kümmert sich unter anderem Christa Kümmerer. Mit einigen anderen backt sie Kuchen und schenkt nach den Vorträgen Kaffee aus. "Es tut sich etwas einmal im Monat", freut sich die Dame, die auch schon seit vier Jahren dabei ist. Was ihr am besten gefällt? "Die Geselligkeit, man kann sich gut austauschen und etwas über spannende Themen erfahren", erzählt sie, bevor sie der gesprächigen, nostalgischen Runde weiter Kaffee ausschenkt.

Benedikt Walther

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