Partnerschaft mit Ghana in Gefahr?

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Die Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenbezirk Aalen und der ghanaischen Partnergemeinde Akyem Abuakwa Presbytery in Kyebi ist möglicherweise in Gefahr. Die höchste kirchliche Instanz des afrikanischen Staates hat angekündigt, die Kontakte zu Kirchen abzubrechen, die etwa Homosexuelle ordinieren. Indessen zeigt sich der Aalener Kirchenbezirk zuversichtlich, dass die langjährigen Bande halten.

In der evangelischen Kirche in Deutschland wird seit geraumer Zeit die Frage gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften im Pfarrhaus diskutiert. Dass etwa schwule oder lesbische Pfarrer oder Pfarrerinnen mit ihrem Partner im Pfarrhaus wohnen, wenn sie sich beim Amt als feste Lebenspartner haben eintragen lassen, dafür hat der Dachverband, die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD), schon 2010 den Weg frei gemacht – sofern die Gemeinde damit einverstanden ist. Die Debatten sind aber je nach Landeskirche unterschiedlich. In Württemberg wird die Situation aber im Prinzip aktuell pragmatisch behandelt und offen diskutiert. Auch bei der vergangenen Landessynode in Schwäbisch Gmünd war die Homosexualität bei Pfarrerinnen und Pfarrern ein Thema, bestätigt der Synodale aus Aalen, Dekan a.D. Erich Haller. Die Synode habe eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit diesem Thema intensiver befassen soll. Die presbyterianische Kirche von Ghana ist jedoch von einer solch offenen Haltung und Diskussion weit entfernt. Die General Assembly (GA), das höchste Gremium der presbyterianischen Kirche von Ghana, hat vielmehr Folgendes beschlossen: "Die Beziehung zu jeder Partnerkirche abzubrechen, die Homosexuelle ordiniert oder die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen zulässt", erklärt der Aalener Pfarrer Jürgen Astfalk, der im evangelischen Kirchenbezirk Beauftragter für Mission und Ökumene ist. Diese strikte Haltung der ghanaischen Kirchenoberen könnte auch Auswirkungen auf die Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenbezirk Aalen und der Akyem-Abuakwa-Presbytery-Gemeinde in Kyebi haben, fürchtet der Missions- und Ökumenebeauftragte. Die derzeitige Entwicklung der evangelikalen, einstigen Dritte-Welt-Kirchen, zeige ein gewachsenes Selbstbewusstsein. "Diese Kirchen wollen ihr eigenes Profil schärfen", erklärt der Pfarrer der Aalener Weststadt. Gleichzeitig ist das ghanaische Selbstverständnis bekanntermaßen vor allem durch eine tiefe Gläubigkeit geprägt. Damit einher geht eine äußerst konservative Haltung. "Während in Europa die Kirchenmitglieder weniger werden, wachsen die evangelikalen Gemeinden in Afrika", erläutert der für die Ökumene zuständige Astfalk. Nun müsse man abwarten, wie die Basis auf diese Haltung reagiere. Sehr zuversichtlich gibt sich die für die Partnerschaft zwischen Aalen und Kyebi verantwortliche Ellwanger Pfarrerin Uta Knauss. In der afrikanischen Gemeinde sei die Problematik schon seit eineinhalb Jahren bekannt. Dort habe man bislang nicht erkennbar darauf reagiert. "Wir haben im vergangenen Sommer turnusgemäß mit einer Delegation unseren Partnerbezirk besucht und uns mit den ghanaischen Freunden wie immer sehr gut verstanden", stellt Uta Knauss fest. Man habe sich gegenseitig Anerkennung gezollt und die Partnerschaft auf Augenhöhe betont. Der Dekan, Reverend Paul K. Dekyem, habe den deutschen Abgesandten bei den Jubiläumsfeierlichkeiten eine Urkunde überreicht, seine Wertschätzung betont und die Hoffnung für ein Weiterbestehen der Partnerschaft formuliert. Zudem habe der Reverend seine traditionelle Weihnachtsbotschaft nach Aalen gesandt. Für dieses Jahr ist im Prinzip ein Workshop in Ghana geplant. Ob dieser stattfinde, sei allerdings noch offen. "Dies hängt jedoch nicht von der Haltung der ghanaischen Kirchenoberen ab", erklärt die Theologin. Andere deutsche Kirchenbezirke haben indes die Folgen der neuen, verschärften Haltung der General Assembly in Ghana deutlich zu spüren bekommen. "Wir Gott sei Dank nicht", freut sich Uta Knauss über die stabile Partnerschaft seit nunmehr 17 Jahren.

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