Polizei: Warum Aalen als sicher gilt

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Die Zahl der Übergriffe auf Polizeibeamte im Einsatz steigt erschreckend an: Inzwischen tragen deshalb alle Streifenbeamte im Dienst Schutzwesten und die meisten von ihnen sind zudem auch mit einer sogenannten Bodycam ausgestattet. Archivfoto: opo
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Einblicke in die Kriminalitätsstatistik gewährten Polizeipräsident Reiner Möller und Revierleiter Hans Buchinger den Mitgliedern des Gemeinderatsausschusses. Was die Räte beunruhigt.

Aalen

Die Stadt Aalen zählt zwar zu den sichersten Kreisstädten in Baden-Württemberg. Bei einem relativ stabilen Niveau der Gesamtstraftaten – 2996 waren es im Jahr 2020 in Aalen – ist die Aufklärungsquote innerhalb der vergangenen fünf Jahre um neun Prozent auf knapp 64 Prozent gestiegen.

Aber es gibt auch Schattenseiten: „Die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte bereitet uns große Sorgen,“ machte Polizeipräsident Reiner Möller am Mittwoch in der Sitzung des Gemeinderatsausschusses für Kultur, Bildung und Finanzen (KBFA) deutlich. Die Anzahl der Übergriffe sei im Präsidiumsbereich innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 278 auf 324 gestiegen – und im Revier Aalen von 6 auf 42.

Hans Buchinger, Leiter des Aalener Polizeireviers, gab einen mündlichen Einblick in die Sicherheitslage der Stadt. Was beruhigt: Von den insgesamt elf großen Kreisstädten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums habe Aalen als größte Stadt mit 2965 Gesamtstraftaten im Jahr 2020 den drittbesten Wert, nach Weinstadt und Schwäbisch Hall. Und: „Die gesamte Kriminalität ist im Bereich des Polizeipräsidiums als auch in der Stadt Aalen im aktuellen Jahr stark rückläufig“, tat Buchinger kund. Dabei bezog er sich konkret auf Aggressionsdelikte, Sachbeschädigungen und Gewaltdelikte im öffentlichen Raum.

6 Straftaten gegen das Leben gab es in Aalen im vergangenen Jahr. „Wobei auch die Versuche gezählt werden“, so Buchinger. Im gesamten Präsidium wurden 16 Tötungsdelikte registriert, darunter war zum Glück nicht eine vollendete Tat.

53 Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung wurden im vergangenen Jahr im Revierbereich registriert. Die Aufklärungsquote: 83 Prozent. Die steigende Tendenz erklärt der Revierleiter mit einer landesweiten Entwicklung.

88 Delikte mit schwerer Körperverletzung: Buchinger: „Ein hoher Wert, selbst im Coronajahr 2020.“

Die Zahl der Rohheitsdelikte bewege sich auf relativ konstantem Niveau. Im Aalener Revierbereich sei die Anzahl mit monatlich ein bis zwei Fällen etwa von Raub und räuberischer Erpressung überschaubar. Trotzdem lege die Polizei nach wie vor ein Augenmerk darauf. „Weil die Straftaten im öffentlichen Raum übers Jahr schon zu unseren Schwerpunkten zählen.“

334 Fälle von Rauschgiftkriminalität im vergangenen Jahr in Aalen: „Weil wir hier im Revier viel Arbeitskraft in die Ermittlung stecken, finden wir auch viel“, erläuterte Buchinger die hohe Zahl. Die positiv interpretiert werden müsse, weil sie vermittle, dass in Aalen viele Fälle vom Dunklen ins Helle gerückt werden.

Der Anteil der jungen Täter habe sich mit derzeit etwas über 20 Prozent zum Positiven entwickelt. Buchinger: „Er lag in Aalen auch schon bei 33 Prozent.“ Die Präventionsarbeit wirke sich aus.

Der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen habe sich laut Buchinger nicht erhöht, im Revierbezirk der Stadt Aalen liegt er bei 31 Prozent.

Was den OB erschreckt

„Die hohe Aufklärungsquote und die niedrigen Kriminalitätszahlen in Aalen sind sehr gute Werte“, freute sich OB Thilo Rentschler. Was ihn und die Gemeinderäte allerdings erschreckt, ist die extrem zunehmende Gewalt gegenüber Polizeibeamten. „Es ist wichtig, dass wir als Zivilgesellschaft zu unserer Polizei, zu unseren Rettungskräften stehen. Und dass wir beherzt mithelfen, wenn wir solche Übergriffe sehen“, appellierte Rentschler an die Bürgerschaft.

Seit 2016 sei das Thema Gewalt gegen Polizeibeamte akut, erläuterte der Polizeipräsident. Man sei in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft, „weil wir wollen, dass solche Delikte verfolgt werden und das Verfahren nicht am Ende des Tages eingestellt wird“. Alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS-Einheiten) haben laut Möller inzwischen mit diesem Phänomen zu kämpfen. „Inzwischen werden Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung angegangen. Und teilweise müssen wir unsere Rettungskräfte samt Unfallopfer mit ins Krankenhaus schützend begleiten.“

Was in jüngster Zeit vermehrt hinzukomme, seien spontane Solidarisierungshandlungen: Wenn wir einen Tatverdächtigen in Gewahrsam nehmen, kann es passieren, dass sich eine Gruppe um ihn herum solidarisiert und eine Gefangenenbefreiung unter dem Einsatz aller Kräfte versucht.“

Kinderpornografie: Eine dramatische Zunahme in allen drei Landkreisen verzeichnet das Polizeipräsidium Aalen bei der Verbreitung und Konsumierung von Kinderpornos. Polizeipräsident Möller spricht von einer teils über 100-prozentigen Steigerungsrate. „Die Zahlen werden in diesem Jahr explodieren.“

Die zunehmende Gewalt gegen Polizei und Rettungskräfte bereitet uns große Sorgen.“

Reiner Möller, Polizeipräsident

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