Richter: Bei Gott steht niemand im Abseits

  • Weitere
    schließen
+
Auch beim Kopfball zielsicher: Pfarrer Bernhard Richter.
  • schließen

Fußballbegeisterter Pfarrer Bernhard Richter im Gespräch mit zur EM und zum Verhältnis von Kirche und Fußball

Aalen

Er ist schon immer fußballbegeistert gewesen, ging mit seinem Vater als Kind oft zum VfB Stuttgart, ist seit über 20 Jahren Pfarrer in Aalen, seither auch Mitglied und Dauerkartenbesitzer beim VfR Aalen. Vor Beginn der Fußball-EM sprach die SchwäPo mit Pfarrer Bernhard Richter von der evangelischen Kirchengemeinde.

Herr Pfarrer Bernhard Richter, freuen Sie sich auf diese Europameisterschaft?

Bernhard Richter: Ehrlich gesagt: Ich empfinde die augenblickliche Situation etwa zwiespältig. Wir haben uns ja im vergangenen Jahr auf die EM vorbereitet, wollten als Arbeitsgemeinschaft der Aalener Christen im Gemeindehaus ein Public-Viewing machen. Alles war in Planung, wir hatten die Fahnen aller teilnehmenden Länder, aber dann kam Corona. Alles musste abgesagt werden. Jetzt haben wir dieses Jahr lange überlegt, ob wir Übertragungen planen können und durchführen dürfen. Aber wir haben dann Abstand genommen, weil wir auch niemand gefährden wollten bei Veranstaltungen in einem geschlossenen Raum. Darüber hinaus weiß niemand, wie das mit dem Publikum in Stadien gehen wird, wenn die in der U-Bahn fahren oder gemeinsam feiern. Und letztlich hat mich dann auch riesig geärgert, welch hohe Prämien da ausgehandelt wurden. In einer Zeit, in der viele immer Menschen um ihre Existenz bangen und es für viele durch Corona finanziell sehr eng geworden ist, hätte ich mir gewünscht, dass sich auch hoch bezahlte Fußballprofis ein wenig bescheidener zeigen könnten.

Und jetzt mal Klartext. Was ist Ihr Tipp: wer wird diesmal der Europameister?

Für mich gibt es keinen Top-Favoriten. Ich würde es Frankreich, Italien und vielleicht auch Spanien am ehesten zutrauen! Es könnte aber auch mal ein Geheimfavorit schaffen, vielleicht Belgien …

Und was trauen Sie unserer Mannschaft zu?

Realistisch betrachtet, bin ich sicher, dass wir die Vorrunde überstehen, auch ein Achtel- oder Viertelfinale zu gewinnen, halte ich für möglich. Aber ob die Löw-Jungs mehr reißen, da habe ich doch eher Bedenken.

Sie haben in Ihrer Gemeinde immer auch kirchliche Arbeit mit dem Sport und insbesondere mit dem Fußball verbunden. Haben sie da etwas geplant?

Leider wegen Corona nicht viel. Am Tag des Endspiels habe ich Predigt beim Gottesdienst am Kocher. Den habe ich unter die Überschrift gestellt: Bei Gott steht niemand im Abseits. Dabei wird die Abseitsregel zu erklären sein, aber auch die Aufgabe, dass Kirche dafür sorgen muss, dass Menschen nicht im gesellschaftliche Abseits bleiben. Auch bin ich der Überzeugung, dass nicht nur das Team Europameister wird, das die besten Fußballer hat, sondern in dem der Teamgeist stimmt und einer für den anderen da ist und man sich die Bälle zuspielt und mannschaftliche Geschlossenheit gezeigt wird.
Und genau dieser Teamgeist und auch die gegenseitige Wertschätzung zeichnet ja auch die christliche Gemeinde aus, jeder(r) ist wichtig und jede(r) wird gebraucht. Das ist im normalen Leben nicht viel anders wie beim Fußball.

Zurück zur Übersicht: Stadt Aalen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL