So herrlich schön daneben

Schräg, laut, schön – das ist Guggenmusik. Und die Anhänger etwas anderer Töne kamen bei der "Blechpower" der Oschtalb Ruassgugga im Foyer der Greuthalle voll auf ihre Kosten. Sie feierten mit den sechs Schrägtöner-Truppen aus der Region und aus Bayern eine Guggen-Party mit vereintem Blech.

Draußen schneit es. Deshalb haben nicht ganz so viele Schräg-Töner-Fans den Weg durch den Deko-Stollen in die Tiefe des Greuthallen-Foyers gefunden. Dort tummeln sich die Oschtalb Ruassgugga. Nicht nur die Musiker in ihrer Bergmannskluft. 150 Mitglieder hat der Verein der Guggen-Pioniere inzwischen und viele von ihnen wuseln mit ihren schwarzen Vereins-T-Shirts durchs Foyer und versorgen die Gäste. Die Ostalb Highländer – fellig und mit Karorock – machen den Guggen-Auftakt und fordern mit "Let's Dance" zum Tanzen auf. "Mir gefällt die heimelige Atmosphäre hier", schwärmt Jochen Schaupp. "Guggenmusik lädt zum Schunkeln und Träumen ein", findet er. Zum Träumen, bei der Lautstärke? Seine Frau Irmgard lacht: "Er träumt laut." Der Aalener bringt gut auf den Punkt, was für die "Blechpower" spricht: Eine Vielzahl an guten Gruppen, die dafür sorgen, dass alle Generationen zusammen feiern. Man trägt Marine- und Kätzchenkostüme, es gibt Männer mit Zöpfen und Röcken, Hexen, ein Gummibärchen und viele lustige Mützen. Guggenfreunde, die an diesem Abend keinen Auftritt haben, wie die Kocherfetza aus Aalen oder das Schwoaba Gwiddr aus Oberkochen sind gekommen und feiern mit. In Fußballkostümen führen die Herren der "Happy Hour" mit Hits wie Wolfgang Petris "Hölle, Hölle" und dem "Roten Pferd" partyfreudig von einer Guggengruppe zur nächsten. Nach den Ostalb Highländern schreiten die Jagsttal Gullys aus Ellwangen-Rindelbach in den Saal. Ihr neues Häs ist barock, die Roben glitzern, die Perücken sind opulent, ein Hingucker. Ihre Blechversionen von "Schrei nach Liebe" oder "Walking on sunshine" kommen an. Und der Robbie-Williams- Titel "Angels" eignet sich doch tatsächlich zum Träumen. "Ihr seid große klasse", lobt der Präsident der Oschtalb Ruassgugga, Matthias Iden, der den Abend moderiert. Mit dem Elferrat der TSG Hofherrnweiler und dem Showtanz der Gardemädchen gibt es einen schwungvollen Ausflug in eine andere Faschingswelt. Als die Gastgeber mit ihren Larven und Bergmannshäs einmarschieren, ist es an der Zeit, auf die Stühle zu steigen. Zu "Time of my Life" und "Die Kneipe in unserer Straße" gehen die Arme nach oben. Mitgesungen wird bei "I scream, you scream, everybody wants icecream" und natürlich dem Steigerlied. Es brodelt im Saal. Die Oschtalb Ruassgugga sind die schiefsten Schrägtöner des Abends. Denn Noten gibt es bei dieser Traditionstruppe nicht – nicht mal zum Üben, betont der musikalische Leiter Pirmin Heusel. Mit Guggen-Gassenhauern wie "Sun of Jamaica" oder dem Pink-Hit "Sober" heizen die weiteren Gast-Guggen ein und halten die gute Stimmung: die Remstalgugga aus Bäbenga mit ihren Wasserschlagenkostümen, die Bläach-Gugga-Fätzer aus Altenstadt (Bayern) als gruselige Bavarian Cowboys sowie die Freiwillige Guggenmusik Überdruck aus Schwäbisch Gmünd-Wetzgau in ihrem Joker-Outfit. Das Publikum feiert ausgelassen, während die Guggen an Waschbrett, Becken, Glockenspiel, Trompeten, Posaunen und Sousaphonen so herrlich gekonnt auf diese ganz spezielle Art und Weise danebenspielen. Bei aller Freude, guter Laune und bester Stimmung bei der "Blechpower" – ein bisschen Wehmut schwingt mit. Denn die Ruassgugga sind sehr traurig, dass sie ihre Bergmannstracht wieder aufgeben müssen, da im nächsten Jahr - gemäß dem zweijährigen Wechsel-Turnus - das Kostüm ausgetauscht wird. Sie hätten es lieb gewonnen und identifizierten sich so damit, erzählt der musikalische Leiter Primin Heusel. Zum Glück ist die Faschingssaison noch nicht vorbei und die Ruassgugga haben noch 14 Auftritte.

Ausblick:

Im nächsten Jahr feiern die Oschtalb Ruassgugga ein in der Faschingswelt wichtiges Jubiläum – ihren 33. Geburtstag. Dann gibt es nicht nur wieder ein neues Häs (das übrigens schon fertig, aber streng geheim ist), sondern auch die "Blechpower" in einer größeren Version. Dafür soll dann die ganze Greuthalle genutzt werden, nicht nur das Foyer.

Mehr Impressionen

finden in unserer Bildergalerie im Internet.

Anja Rettenmaier

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