Warum Waschweib Rosi Flecken der Kirche beseitigt

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Tritt als "Waschweib" beim traditionellen Frauenfasching im Salvatorheim auf: Rosi Bernlöhr-Goth. Das Vorstandsmitglied vom katholischen deutschen Frauenbund in Aalen wirbt dafür, die "Flecken", die der katholischen Kirche derzeit anhängen zu beseitigen.
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Rosi Bernlöhr-Goth ist Vorstandsmitglied beim katholischen deutschen Frauenbund Aalen und organisiert den Fasching im Salvatorheim mit.

Aalen

Sie ist närrisch. Nicht das ganze Jahr über. Aber immer zur Faschingszeit: Rosi Bernlöhr-Goth. Deshalb trägt die 59-Jährige an diesem Vormittag ihr Kostüm im Allianzbüro in der Aalener Beinstraße. Und mit einer La-Ola-Bewegung begrüßt sie SchwäPo-Fotograf Oliver Giers. "Ich werde am Gumpendonnerstag beim Faschingscafé im Salvatorheim als Waschweib auftreten", kündigt Rosi Bernlöhr-Goth an. Sie moderiert an diesem 20. Februar den vom katholischen Frauenbund organisierten Fasching und steht in der Bütt. Das Motto des Tages in diesem Jahr lautet: "Ostalb Waschweiber treffen sich."

Der Fasching im Salvatorheim hat Tradition. Angefangen hat alles in den 1950er Jahren. "Altfrauenfasching hieß die Veranstaltung damals und ging später in den Gemeindefasching über", blickt Rosi Bernlöhr-Goth zurück. Seit drei Jahrzehnten ist aus dem Gemeindefasching der Fasching des katholischen deutschen Frauenbunds in Aalen geworden. Den organisiert die Mittelfränkin im Team mit weiteren sechs Frauen. Gefeiert wird – wie immer – im Salvatorheim.

Wer "Faschingscafé" liest und hört, mag vielleicht an eine gemütliche Runde denken. Doch die Frauen sorgen an der Weiberfasnacht für ordentlich Stimmung unter den zahlreichen Gästen im Salvatorheim. Als "Waschweiber" treten sie an und auf. "Wir überlegen uns jedes Jahr gemeinsam ein Motto", sagt die 59-Jährige und ist jetzt voll in ihrem Element. Es gehe darum, dass man sich vielseitig maskieren und grenzenlos Ideen realisieren könne.

"Da passen die Ostalb-Waschweiber perfekt", findet die Fasnachterin. Schließlich gebe es überall "Flecken". "Ganz viele in unserer Kirche", sagt Rosi Bernlöhr-Goth – und fügt an: "Das Motto mit den Waschweibern trifft die Zeit."

All diese Flecken wollen die Frauenbund-Frauen gemeinsam beseitigen. "Mit Wurzelbürsten, Waschbrettern und Schrubber." Und nicht nur diese Utensilien spielen am Donnerstag eine wichtige Rolle. Hinzu kommt ein besonderes Halstüchlein. "Ich habe im Fundus Halstücher gefunden, die vom Besuch des emeritierten Papstes Benedikt in Altötting stammen", erzählt die kritische Katholikin. Die werden nun zu Kopftüchern der Waschweiber. Da trifft der Fasching das Anliegen der Aalener Frauenbund-Frauen: Maria 2.0. Auch das ist Rosi Bernlöhr-Goth und ihren Mitorganisatorinnen wichtig. An jedem ersten Donnerstag im Monat wird um 18.30 Uhr in der Marienkirche für "eine glaubwürdige katholische Kirche" gebetet und dafür, dass Frauen zu Weiheämtern zugelassen werden.

Doch diesen Donnerstag steht die Fasnachtszeit im Mittelpunkt. Mit Witz und hintergründigem Humor werden die wichtigen Themen präsentiert. Mit viel Kreativität hat Rosi Bernlöhr-Goth – wie ihre Mitstreiterinnen – eine Büttenrede verfasst. In der "schrubbt" sie einen Pastoralreferenten und einen Pfarrer namens Nuschelmaier. "Während ich reime, höre ich Faschingsmusik, damit das flutscht", sagt sie, die sich zudem von aktuellen TV-Prunksitzungen in Franken inspirieren lässt.

Die Gäste des Faschingscafés treffen auch die "katholische Bischöfin Christina aus Mount Aylif", die die Kirchengemeinde ins Visier nimmt, um zu sehen, wie diese sich entwickelt hat. Es treten diverse Tanzgruppen auf, es wird geschunkelt und, wie es sich für einen zünftigen Fasching gehört, Speis und Trank serviert.

Das Motto mit den Waschweibern trifft die Zeit.

Rosi Bernlöhr-Goth Vorstandsmitglied beim Frauenbund

Wichtig bei all ihrem Engagement für den Salvatorfasching sind Rosi Bernlöhr-Goth die Menschen. "Für die will ich da sein." Die sollen den Fasching genießen, sollen lustig sein, mit bester Stimmung am Ende nach Hause gehen und noch lange von dem Nachmittag im Salvatorheim zehren.

Denn der Fasching habe auch ihr viel gegeben – und bereichere ihr Leben. Aus diesem Grund ist die Unternehmerin Sponsorin und stets Gast der Prunksitzung der Aalener Fasnachtszunft.

Und noch etwas bereichert ihr Leben, wie die 59-Jährige versichert. Die Familie mit Mann Alfred und Sohn Florian, der Glaube und die Kirche – sind ihr wichtig. "Seit 18 Jahren begleite ich Firmlinge, auch das macht unheimlich Spaß."

Faschingscafé ist am Donnerstag, 20. Februar, im Salvatorheim in Aalen.

Beginn 14 Uhr, Einlass 13.30 Uhr.

Eintritt 7 Euro; ermäßigt 5 Euro.

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