Wo Kinder des Krieges zu Worte kommen

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Regisseur Georg Genoux (re.) und Schülerinnen aus dem Donbass im Gespräch mit Tina Brüggemann (2.v.r.) im Kino am Kocher.
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Regisseur Georg Genoux aus der Ukraine und Schülerinnen aus dem Donbass im Kino am Kocher.

Aalen. „Bis vor neun Jahren war ich ein normaler Theaterregisseur“, sagt Georg Genoux. Ende 2014 sei er in den Osten der Ukraine geflogen, um dort eine Spielstätte zu übernehmen. „Dann war Krieg und für Theater keine Zeit“. Stattdessen habe er beim Aufbau einer Schule geholfen. In den vergangenen Jahren hat Genoux dann zahlreiche Film- und Theaterprojekte im Donbass durchgeführt, vor allem mit Jugendlichen.

In der Gesprächsreihe „Theater trifft…“ war der Regisseur im Kino am Kocher zu Gast sowie drei Schülerinnen aus dem Donbass, die bei den Projekten dabei waren und nun nach Deutschland geflüchtet sind.

Während man hierzulande den Kriegsausbruch in der Ukraine mit dem 24. Februar verbindet, leiden die Menschen im Donbass bereits seit acht Jahren unter militärischen Auseinandersetzungen. Davon erzählt der 30-minütige Streifen „Helden“. Kein fertiger Film, denn die Arbeit daran musste abgebrochen werden.

Mit der Kamera geht es in eine Dorfschule in der Region Luhansk. Kinder malen und tanzen, die Lehrerin spricht über den Alltag. Die Wirklichkeit des Krieges wird an der zerstörten Turnhalle sichtbar, aber noch mehr in dem, was die Menschen selbst erlebt haben. Die Lehrerin berichtet, dass bei einem Beschuss der Schule die Erwachsenen einen Schutzring um die Kinder gebildet haben und das Vaterunser beteten. Und eine große Schülerin erinnert sich, wie sie mit ihrer Mutter im Keller saß, während draußen Bomben fielen.

In der von Tina Brüggemann moderierten Runde sprechen die drei Schülerinnen, sie sind zwischen 16 und 19 Jahre alt, über Erfahrungen in ihrer Heimat. Der Krieg sei Alltag gewesen und Theater sei die Möglichkeit, das auszudrücken und zu verarbeiten, sagt eine. „Wir sind Kinder, die zwei Kriege erlebt haben, jetzt und seit 2014“, sagt eine andere. Sie hätte nie gedacht, dass sie mal neidisch auf ein Kind sein wird, das sicher in den Kindergarten gehen kann. Auf die Frage, wo sie sich in zehn Jahren sehen, sind sich die drei einig: „In der Ukraine.“

Im Publikum sitzt auch Roderich Kiesewetter. Der Bundestagsabgeordnete berichtet von seiner Reise in die Ukraine mit Friedrich Merz vor zwei Wochen. Er schildert die verheerenden Zerstörungen und spricht über die Begegnung mit Präsident Selensky sowie mit Vertretern der Opposition. Angesichts des Krieges mahnt er: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht abstumpfen.“ 

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