Zerren, zerfen, zanken: Wenn der Alltag ein Stresstest ist

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Gemeinsame Spiele und Rituale, aber auch die Aufgaben im Alltag gemeinsam bewältigen – das alles kann zur Stabilität der Familie beitragen, rät Elterntrainer Heikenwälder. Symbolfoto: freepik
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Alle unter einem Dach, das kann bei Familien das Potenzial für Ärger erhöhen. Sieben Tipps, wie man mit Kindern durch die Krisenzeit kommt.

Aalen

Keine Lust auf HomeSchooling, ständig gestört werden im Home-Office, die Kindergärten sind geschlossen, kein Fußballtraining – dass das alles unter einem Dach zur Herausforderung wird, ist vorprogrammiert. Das erhöhte Stresslevel auch.

Weil es während der Coronapandemie vielen Familien so geht, hat das Regionale Bündnis für Familie Ostwürttemberg unter dem Motto #miteinander eine Reihe von Vorträgen gestartet. Den Auftakt machte Dr. Claus-Rüdiger Heikenwälder, zertifizierter Elterntrainer und seit fast 40 Jahren ehrenamtlich in der Jugend- und Familienarbeit aktiv. Er zeigte Ideen und Anregungen auf, wie man sich den Familienalltag während der Pandemie gestalten kann und zeigt, wie es Eltern schaffen, überwiegend gelassen, souverän und freundlich zu bleiben.


Checkliste: Was hilft uns durch die Krise? Erst einmal soll herausgefunden werden, wo man sich unter Druck gesetzt fühlt, welche Aufgaben man auch mal zurückstellen kann. Außerdem ist es durchaus hilfreich, andere um Hilfe zu bitten. Neben der Kinderbetreuung sollen auch Auszeiten für beide Elternteile einbezogen werden und man soll sich selbst die Frage stellen: Was tut mir gut?


Wie schaffen wir das als Familie? Vergessen Sie nicht die kostbaren Momente des Familienlebens. Schaffen Sie Alltagsbegegnungen, um sich als Eltern und Kinder miteinander gut zu fühlen. Das kann ganz einfach das gemeinsame Lachen am Esstisch sein, ein Spiel, bei dem alle mitmachen, ein gemeinsamer Spaziergang. Setzen Sie deshalb bewusst solche Momente, in denen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Kind lenken.


Wie schaffen wir einen stressfreien Alltag? Ungeteilte Aufmerksamkeit heißt da laut Claus-Rüdiger Heikenwälder das Zauberwort. Man solle immer wieder seinen Kindern signalisieren: „Ich habe dich im Blick. Ich habe dich lieb.“ Hier genügen oft auch schon kurze Momente: das Zuhören, eine Umarmung, ein liebevolles Lächeln. Kinder sollten in alltägliche Abläufe einbezogen werden, um das Wir-Gefühl zu stärken und dem Kind zu vermitteln, dass es eigenständig fähig ist, Dinge zu tun. Zudem helfen gemeinsame Unternehmungen wie Spiele, eine Radtour oder Bastelstunde.


Auf Spurensuche: Machen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind Gedanken, was den Alltag zu Hause angenehmer machen kann. Was macht dem Kind Spaß? Was möchte man zusammen unternehmen?


Gemeinsame Rituale: Rituale stärken nicht nur das Wir-Gefühl und helfen, Schwierigkeiten zu bewältigen, sondern sie zeigen den Kindern auch, welche Werte den Eltern wichtig sind, geben Sicherheit und Orientierung und vermitteln Zutrauen und Geborgenheit. Deshalb ist es wichtig, vorher zu erörtern, welche Rituale einem wichtig sind und warum. Das könnte eine Erzählrunde sein, gemeinsame Tobe-Zeit, miteinander singen, einfach Spaß haben.


Das bisschen Haushalt ... Claus-Rüdiger Heikenwälder rät dazu, Aufgaben im Haushalt zu verteilen – altersgemäß. Das hat den positiven Effekt, dass Eltern ihren Kindern etwas zutrauen. Das Selbstwertgefühl des Kindes wird gestärkt. Und das kann das Kind beflügeln und ermutigen.


Soziale Grundbedürfnisse Kinder haben soziale Grundbedürfnisse. Sie wollen dazugehören, sich geliebt fühlen, Bedeutung haben, sich fähig fühlen, sich geborgen und sicher fühlen. Wenn Kinder nerven, quengeln, stören oder bockig sind, sollten sich Eltern zuerst einmal fragen, wieso sich das Kind so verhält. Es könnte das Gefühl haben, außen vor zu sein, nicht mitbestimmen zu dürfen, nicht ernst genommen zu werden. Das Kind sendet mit seinem Verhalten Signale, dass eines seiner Grundbedürfnisse nicht erfüllt ist. Hier hilft nicht der erhobene Zeigefinger, sondern eine überlegte Handlung.

Info Anmeldung zu weiteren Veranstaltungen, Ideen und Anregungen gibt es unter www.regionales-buendnis-fuer-familie.de

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