Zwei Landkreise denken ihre Mobilität ganz neu

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ÖPNV-App, neuer Radweg Aalen-Heidenheim, Bahnhalt „Oberkochen-Süd“ und Halbstundentakt: Der Mobilitätspakt Aalen/Heidenheim soll viel ändern.

Aalen

Mobilität neu denken. Unter diesem Leitsatz wollen Aalen und Heidenheim ihre Verkehrsprobleme gemeinsam lösen. Ein Ansatz dazu ist der Mobilitätspakt Aalen/Heidenheim, der am 30. Oktober 2020 unterzeichnet wurde. Es geht darum, alle Verkehrsträger und -situationen zu betrachten und die Lage im Raum zwischen Aalen und Heidenheim zu verbessern. Der Mobilitätspakt ist ein Forum zum Austausch. Alle Maßnahmen werden in organisatorischer und finanzieller Verantwortung der jeweils zuständigen Partner angegangen. Einen gesonderten Etat etwa des Landes gibt es nicht.

Über den aktuellen Sachstand informierte die Landkreisverwaltung jüngst im Kreistag. Hier ein Überblick:

Ziele: Die Verkehrsbelastung anzugehen und Klimaziele umzusetzen, das sind die Ziele des Mobilitätspaktes. Angestrebt werden Verbesserungen in den Bereichen ÖPNV, Schiene, Rad- und Fußverkehr, betriebliches Mobilitätsmanagement, motorisierter Individualverkehr sowie Innovation und Vernetzung. Alle Maßnahmen auf diesen Feldern sollen so untereinander abgestimmt werden, dass am Ende ein integriertes Mobilitätskonzept für die Raumschaft steht.

Wer ist dabei: Mit im Boot sind das Land Baden-Württemberg, die Landkreise Ostalbkreis und Heidenheim, die Städte Aalen, Heidenheim, Oberkochen und die Gemeinde Königsbronn, die Unternehmen Carl Zeiss AG, Voith GmbH & Co. KG, Paul Hartmann AG, die Hochschule Aalen, der Regionalverband, die IHK Ostwürttemberg sowie die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH.

Strukturen: Die politische Leitung des Mobilitätspaktes hat das Landesverkehrsministerium inne. Auf Arbeitsebene gibt's sechs thematische Arbeitsgruppen entlang der Handlungsfelder, die sich mit den Anregungen aus der Bürgerbeteiligung befassen und Maßnahmen entwickeln.

In der Koordinierungsgruppe werden die Aktivitäten der Arbeitsgruppen abgestimmt und Themen übergeordneter Bedeutung für den Mobilitätspakt koordiniert. Den Steuerkreis bilden die Entscheider aller Partner des Paktes unter dem Vorsitz des Verkehrsministers. Hier werden Entscheidungen zur Umsetzung von Maßnahmen herbeigeführt. Alle Maßnahmen im Rahmen des Paktes stehen unter Gremien-, Haushalts- und Fördervorbehalt.

Öffentlichkeitsbeteiligung:Die Bürgerschaft soll mitwirken. Corona-bedingt mussten alle Veranstaltungen des Mobilitätspaktes bislang virtuell laufen. Vom 30. Oktober 2020 bis 3. Januar 2021 gingen auf der Projektplattform insgesamt über 600 Anregungen ein. Die Projekt-Website https://aa-hdh.mobilitaetspakt-bw.de/de gibt einen Überblick.

AG Rad- und Fußverkehr: Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den Anregungen und Mängeln hier, die bei der Bürgerbeteiligung aufkamen. Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung einer schnellen, komfortablen Radverbindung von Aalen über Oberkochen und Königsbronn nach Heidenheim mit einer Wegweisung. Zudem werden die jeweiligen Anschlüsse vom Härtsfeld, aus Richtung Essingen, Ochsenberg oder Zang in Richtung Kocher-/Brenztal berücksichtigt. Maßnahmen sollen nach Abstimmung einer Gesamtkonzeption in der Zuständigkeit der jeweiligen Baulastträger umgesetzt werden. Weiter sind Maßnahmen im Bereich Radabstellanlagen und zur Förderung einer fahrradfreundlichen Mobilitätskultur vorgesehen.

AG Schieneninfrastruktur und -betrieb: Die AG befasst sich mit Ausbauszenarien für die Brenzbahn. Es geht um Infrastruktur für einen künftigen Halbstundentakt zwischen Aalen und Heidenheim und um die Einrichtung eines zusätzlichen Bahnhalts „Oberkochen Süd“. Elektrifizierung und Schienengüterverkehr sind weitere Themen.

AG ÖPNV: Hier erarbeiten die Partner Maßnahmen, um den ÖPNV für jedermann attraktiv und verlässlich zu machen. Aus der Bürgerschaft wurden unter anderem ein unzureichendes Fahrplanangebot, komplizierte Tarifsysteme und insgesamt eine geringe wahrgenommene Attraktivität des ÖPNV bemängelt. Der Ostalbkreis will hier mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes und einer Überplanung des Härtsfelds das ÖPNV-Angebot im Bereich Aalen-Härtsfeld-Oberkochen deutlich aufwerten, insgesamt feste Takte schaffen und Angebotslücken beseitigen. Begleitend werden mit den Tarifverbünden OstalbMobil und htv Vereinheitlichungen des Tarifsystems und mehr Digitalisierung angestrebt.

AG Betriebliches Mobilitätsmanagement: Hier sollen bestehende Maßnahmen im Bereich koordiniert und weiterentwickelt werden. Es geht um die Ausweitung von Werksverkehren oder Maßnahmen zur Förderung eines nachhaltigen Mobilitätsverhaltens bei Arbeitspendlern.

Innovation und Vernetzung: Die AG greift Zukunftsthemen der Mobilität im Bereich nachhaltiger Antriebs- und visionärer Mobilitätsformen auf und erarbeitet hierzu Maßnahmen, die in Pilot-Projekte münden können. Weiter werden Maßnahmen zur besseren Vernetzung von Mobilitätsangeboten erarbeitet. Es geht um die Verknüpfung von Fahrrad und ÖPNV (Bike+Ride) durch Radabstell- und Bike-Sharing-Anlagen an ÖPNV-Stationen, die Bündelung verschiedener nachhaltiger Mobilitätsformen an Mobilitätsstationen oder um eine Mobilitäts-App, die möglichst alle Mobilitätsangebote in der Region auf einer Plattform bündeln soll.

AG Motorisierter Individualverkehr: Die AG beschäftigt sich mit der Straßeninfrastruktur im Raum, die inzwischen an Kapazitätsgrenzen stößt. Hier sollen kurzfristige Maßnahmen erarbeitet werden, die den Verkehrsfluss an neuralgischen Punkten verbessern oder die Verkehrssicherheit an gefährlichen Stellen erhöhen. Es soll eine mittelfristige Perspektive für die hohe Verkehrsbelastung in den Ortsdurchfahrten der B 19 und entlang der Anschlussverbindungen zur A 7 erarbeitet werden. Weiter sollen Verkehrsuntersuchungen zusammengeführt werden, um eine Analyse der Verkehre zwischen Aalen und Heidenheim zu erhalten. Daraus sollen Ansatzpunkte für Verbesserungsmaßnahmen auch mit langfristigem Planungshorizont abgeleitet werden. Oberstes Ziel ist jedoch eine Verlagerung vom Straßenverkehr zu alternativen Mobilitätsformen. Für eine weiterhin gute Entwicklung der Wirtschaft hier ist aber eine gute Straßenverkehrsinfrastruktur mit entsprechender Anbindung an die A 7 unabdingbar.

Weiteres Vorgehen: Die Arbeitsgruppen erarbeiten bis Ende April ihre Maßnahmenvorschläge und legen diese der Koordinierungsgruppe zur Abstimmung vor. Ende des zweiten Quartals 2021 soll eine abgestimmte Maßnahmenliste für den Pakt vorliegen. Maßnahmen mit großer Tragweite werden Ende Juli 2021 im Steuerkreis mit Spitzenvertretern und dem Verkehrsminister auf den Weg gebracht, so dass im zweiten Halbjahr 2021 erste Maßnahmen umgesetzt werden können.

Mobilitätspakt Radfahren Bus Zug Bahn B 29 Aalen

Rubriklistenbild: © opo

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