Von Schulen und Grandhotels

  • schließen

Josef Mischko ist der alte und der neue Kreisvorsitzende der Ostalb-SPD. Beim Kreisparteitag der Genossen in Mögglingen wurde er am Samstag mit großer Mehrheit gewählt. Er schwor die Mitglieder darauf ein, der Ostalb "ein soziales Gesicht" zu geben.

Zunächst zog Mischko eine Bilanz der vergangenen Jahre und meinte, es sei gelungen, "die Sozialdemokratie im Ostalbkreis zu sichern und nach vorne zu bringen". Die Verzahnung der Kreistagspolitik mit der Kreis-SPD habe sich zum "Renner" entwickelt. Der Ostalbkreis brauche ein "soziales Gesicht", dafür sorge die SPD. Der Armutsbericht werde in diesem Jahr noch eine große Rolle spielen. Eine "Kampfansage" sei für die Kreis-SPD die Feststellung, dass ältere Menschen und Frauen im Ostalbkreis die Verlierer seien. Mischko machte sich angesichts des Strukturwandels insbesondere in der Automobilbranche für eine Strukturkommission im Landratsamt stark. Mischko: "Wir werden die Bürger nicht allein lassen."

Kritik übte er am Bundestagswahlkampf der SPD. Die Sozialdemokratie habe "nicht deutlich genug formuliert, wer die Sozialpolitik im Bund verteidigt". Auch habe die SPD in der Frage der Rente mit 67 "herumgeeiert". Die SPD müsse sich im Bund "sozial neu ausrichten". Wer an den Bedürfnissen der Wählerschaft vorbei Politik mache, habe es schwer, Wahlen zu gewinnen. Claudia Sünder habe für den Aalener Wahlkreis gemeinsam mit dem Team einen tollen Wahlkampf geführt, auch wenn es nicht zum Erfolg gelangt habe. Mischko sprach sich dafür aus, dass Sünder noch einmal antritt. Die Partei habe zwar "eine ganze Reihe von Mitgliedern verloren", aber auch gerade junge Mitglieder gewinnen können. Dass Wolfgang Leidig "nach einem fulminanten Wahlkampf" in Gmünd nicht habe den OB-Sessel verteidigen können, sei ein "herber Verlust". Insgesamt stehe aber die SPD "viel besser da, als manche glauben", sagte Mischko. Die Partei sei an "den Themen dran, die die Leute bewegen". Mischko nannte als Arbeitsfelder Bildungspolitik, Mindestlöhne, Ausbildungsplätze, Frauen- und Altersarmut, das Gesundheitssystem oder die Steuerpolitik. In Sachen Landtagswahl hoffe er, dass Ulla Haußmann für Aalen wieder ins Landesparlament einzieht, für Gmünd sagte er eine "spannende Kandidatensuche" voraus. Der Gmünder SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Lange gab sich trotz sichtlicher Erkältung sehr kämpferisch und versprach, die SPD im Bund werde Angela Merkel stellen, bei der man nicht wisse, wofür sie stehe – außer für den Machterhalt. Konzepte, die die schwarz-gelbe Koalition präsentiere, müssten Bürger und Kommunen bezahlen. "In die Schulen darf es reinregnen, und im Grandhotel wird das Parkett erneuert", kritisierte Lange die Bundespolitik. Nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen komme die Abrechnung. SPD-Kreisgeschäftsführer Stefan Oetzel sprach über die Mitgliederentwicklung, die seit dem jüngsten Parteitag von 1023 auf 964 gefallen sei. Claudia Sünder nannte den Kreisvorstand einen "tollen Haufen", der gut zusammenarbeite. Und erklärte in Anspielung auf den Ministerpräsidenten Günther Oettinger: "In my Homekreis we all sit in one boat". Karlheinz Koschorek stellte die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft 60 plus vor, Christina Weber die der Jusos. In der Diskussion sprach sich Özen Sarikurt dafür aus, die Integration von Migranten nicht zu vernachlässigen. "Es kann nicht sein, dass die FDP mehr Zulauf bei Migranten hat als die SPD", sagte er.

Wahlen

Josef Mischko aus Aalen erhielt bei seiner Wiederwahl zum Kreisvorsitzenden ohne Gegenkandidaten 68 von 74 möglichen Stimmen und sprach danach von einem "großen Vertrauensbeweis". Zu seinen Stellvertretern wurden Willi Petzchen aus Spraitbach und Claudia Sünder aus Ellwangen gewählt. Gewählt wurden in den Kreisvorstand zudem Kassier Joachim Schickedanz, Pressesprecher Heiko Buczinski, Schriftführerin Angelika Möricke und als Beisitzer Richard Burger, Lucia Denke, Ronald Kenney, Martin Kern, Daniela Maschka-Dengler, Konrad von Streit, Sonja Elser, Jakob Unrath und Rolf Voigt.

Zurück zur Übersicht: Aalen

Mehr zum Thema

Kommentare