Kommentar:

Zur fehlenden Klinikdebatte: Wie Kai aus der Kiste

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Jürgen Steck
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Jürgen Steck über die fehlende Klinikdebatte.

Dass ein Aalener Oberbürgermeister nicht davon begeistert ist, wenn über die Schließung des Ostalb-Klinikums gesprochen wird, das ist klar. Auf welche Weise aber derzeit über die Zukunft der Kliniken im Ostalbkreis gesprochen wird, das kritisiert Frederick Brütting völlig zurecht. In geschlossenen Veranstaltungen, nichtöffentlich - und schließlich über Verlautbarungen findet derzeit eine Debatte statt, die von zentraler Bedeutung ist. Und ins Rollen gekommen ist selbst diese Verlautbarungsdebatte nur dadurch, dass die SchwäPo darüber berichtet hat, was hinter den Kulissen läuft. Jetzt ist noch eine, wieder nichtöffentliche Runde im Kreistag geplant. Dann kommt, hopplahopp, ein Ergebnis wie Kai aus der Kiste in der dann ersten öffentlichen Sitzung zum Thema - und das soll es dann gewesen sein unter Umständen für zwei große Klinikstandorte: „Wir bauen neu die Ostalbsuperklinik, schließen Stauferklinik und Ostalbklinikum - und bitten um flächendeckenden Applaus.“

Mit Verlaub, Herr Landrat: So geht es nicht. Wir sprechen von einer der wichtigsten Entscheidungen der nächsten Jahre. Die muss breit diskutiert werden - transparent, ohne Angst vor der öffentlichen Debatte. Die Diskussion, der Wettbewerb um die beste Idee, das ist die Grundlage unseres Gemeinwesens. Dass dieser Wettbewerb gerade in einer der wichtigsten Fragen regelrecht gescheut wird, das tut der Sache nicht gut und schadet der Akzeptanz, egal, wie entschieden wird.

Warum diese Eile? Ja, 2024 wird gewählt im Ostalbkreis. Und manche haben Angst, im Kommunalwahlkampf könnte die Sachebene verlassen werden. Da kann man getrost beruhigt sein. Die Diskussion wird auf alle Fälle von der Sach- auf die Politikebene rutschen. Wenn aber deswegen schnell entschieden werden soll, weil man Angst hat vor der Kommunalwahl im Jahr 2024: Das ist ein schlechter Beschleuniger.

Nochmals: Es geht hier nicht um den Standort für einen Wertstoffhof. Es geht um die Arbeitsplätze von mehr als 3000 Menschen. Es geht um hunderte Millionen von Euro, Geld von Steuerzahlern auch aus dem Ostalbkreis. Geld, das man nur einmal ausgeben kann. Und es geht um die bestmögliche Gesundheitsversorgung von mehr als 300 000 Bürgerinnen und Bürgern. Lasst uns darüber streiten - aber in aller Offenheit und mit allen Informationen auf dem Tisch. Auf Augenhöhe. Damit die Menschen am Ende sehen, warum was wie entschieden wurde!

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