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Berufung zurückgezogen: Nicks Mutter muss in Haft

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Von: Martin Simon

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Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen.
Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen. © Simon, Martin

Ihr Ex-Freund quälte das kleine Kind zu Tode, sie ließ das zu. Es bleibt beim Strafmaß von zwei Jahren und neun Monaten.

Bopfingen/Ellwangen. Der knapp zweijährige Nick wurde zu Tode gequält. Am 21. Oktober 2021 starb das Kind an den Verletzungen, die ihm der Lebensgefährte seiner Mutter zugefügt hatte. Das Landgericht Ellwangen verurteilte den Mann wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft. Verurteilt wurde auch Nicks Mutter, die es zugelassen hatte, dass ihr Kind systematisch gequält worden war. Das Urteil gegen sie wegen „Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassen“ lautete: zwei Jahre und neun Monate Haft. Zu viel, meint die Mutter und legte Berufung ein.

Staatsanwalt spricht Klartext

Diese wurde am Mittwoch an der Kleinen Kammer am Landgericht Ellwangen verhandelt. Resultat: Die Mutter zog ihre Berufung zurück. Den Ausschlag hierzu hat wohl Staatsanwalt Armin Burger gegeben: „Alles, was Sie hier sagten, haben wir zur Kenntnis genommen. Ich sehe daraus keinerlei Möglichkeit auf ein milderes Urteil. Das erste Urteil hätte, nach meiner Auffassung, durchaus härter sein können. Überlegen Sie sich, ob Sie die Berufung zurückziehen“, hielt er der Angeklagten entgegen.

Deren Verteidiger Rechtsanwalt Rainer Schwarz bat um eine Unterbrechung, um sich mit seiner Mandantin zu beraten. Zehn Minuten später verkündete er, die Angeklagte ziehe die Berufung zurück. Sie trägt damit die Kosten des Verfahrens und muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Bislang lebt sie auf freiem Fuß.

Wie die Angeklagte seit dem Prozess ihr Leben verbracht hat und verbringt, das hatte Richter Heiko Baumeister zuvor geduldig erfragt. Sie habe alle sozialen Kontakte abgebrochen, direkt nach dem Prozess sei sie bei ihrem inzwischen geschiedenen Mann untergekommen, doch der habe sie bedroht, weshalb sie ins Frauenhaus geflohen sei. Inzwischen lebe sie in Crailsheim, allein, „und das bleibt so“, sagte sie.

Immer wieder habe sie gearbeitet, als Verkäuferin oder Putzhilfe, meist in Teilzeit, weshalb sie zudem ALG-2-Leistungen beziehe, derzeit sei sie in einer Bäckerei beschäftigt.

Ihre anderen vier Kinder seien in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. Sie habe zu allen Kontakt, einmal im Monat begleitet, eine bzw. drei Stunden und es werde viel telefoniert, sagt Diana L. „Sie leiden unter dem, was passiert ist, und darunter, dass wir getrennt sind. Sie wollen wieder zurück zu mir“, behauptet die Angeklagte.

Monatelang sei sie vollstationär in einer Trauma-Klinik gewesen, „um die Geschehnisse zu verarbeiten“, ein weiterer Aufenthalt dort sei beantragt. Seit September 2022 habe sie einen Platz in der ambulanten Psychotherapie, jede Woche einen Termin. Die Verhaltenstherapie helfe ihr, sich zu stabilisieren und die Dinge aufzuarbeiten, sagt sie.

Was ihr Ziel sei, wollte Richter Baumeister wissen: „Ich will meinen Kindern und mir den Wunsch erfüllen, dass sie irgendwann wieder bei mir leben können“, sagt sie. Dazu müssten die begleiteten Umgänge erweitert werden, Stück für Stück. Den Kindern gehe es schlecht, meint sie: „Das Geschehene und die Trennung nehmen sie mit. Für sie ist es genau so wichtig, wie für mich, dass wir uns haben.“

Ob sie heute wisse, was sie hätten sie tun müssen, um Nicks Tod zu verhindern, wollte der Richter wissen. „Ich hätte schneller reagieren müssen, ich hätte ihn rausschmeißen müssen, obwohl ich Angst vor ihm hatte“, sagt sie, „ich schwöre mir, dass so etwas nie mehr passiert.“ Warum sie sie nicht um Nick gekümmert hat, sondern dies ihrem Lebensgefährten überließ, fragte der Richter – und erhielt keine Antwort.

Doch noch Mordanklage?

Gegen das Urteil im Prozess um Nicks Peiniger hatten beide Seiten - Verteidigung und Staatsanwaltschaft - Berufung eingelegt. Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Staatsanwalt Armin Burger, die Sache liege derzeit beim Bundesgerichtshof. Die Staatsanwaltschaft sei weiterhin der Auffassung, dass der Angeklagte, der seither in Haft sitzt, wegen Mordes und nicht wegen Totschlag verurteilt werden müsse. ⋌Martin Simon

Alles über den Fall zum "Tod des kleinen Nick" lesen Sie auf unserer Themenseite.

Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen.
Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen. © Simon, Martin
Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen.
Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen. © Simon, Martin
Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen.
Die Mutter des getöteten Nicks hat ihre Berufung gegen das Urteil an der Kleinen Kammer des Landgerichts Ellwangen zurückgezogen. © privat

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