Stiller Held des Alltags

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Das Wasser war sein Element - Lothar Schüssl, Wasserwärter
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Der Bopfinger Wasserwärter Lothar Schüssl ist im Ruhestand. Wie es war, mit der Verantwortung für sauberes Trinkwasser für 16 000 Menschen umzugehen, und was ihn geprägt hat.

Bopfingen

Ohne Wasser gibt es kein Leben, denn Wasser ist das Lebensmittel Nummer eins. Das war die Maxime, wenn Lothar Schüssl vom Wasserwerk Bopfingen ausrückte. Der gelernte Gas-Wasser-Installateur war 31 Jahre beim Wasserwerk Bopfingen als „Mann für alle Fälle“ unterwegs. Sein damaliger Chef wollte ihn vor 31 Jahren dauerhaft in den neuen Bundesländern einsetzen. „Für die Familie habe ich darauf verzichtet,“ sagt Lothar Schüssl, der in Baldern mit seiner Frau wohnt und zwei Kinder hat.

Der 62-Jährige fand in der Schwäpo eine Anzeige für einen Wasserwärter im Wasserwerk Bopfingen und bewarb sich. „Der Job war sehr interessant, weil kein Tag wie der andere war,“ resümiert Schüssl seine Zeit. „Morgens kam es oft anders als geplant“.

Vielseitigkeit war gefragt, schließlich war er für das Trinkwasser von der Quelle bis zur Wasseruhr im Haus zuständig. Für über 16 000 Menschen hatte er die Verantwortung, dass sie täglich ihr sauberes Wasser bekamen. Bopfingen mit Teilorten und Zweckverband Siebenbrunnen waren die Einsatzgebiete von Lothar Schüssl.

Da gab es manche stressige Situation. „Wenn im Winter nachts bei minus 20 Grad ein Rohrbruch repariert werden musste, war das schon spannend“ erinnert sich Schüssl an so manchen Einsatz während der Bereitschaft.

Alle drei Wochen war er für eine Woche Tag und Nacht erreichbar und musste bei Notfällen raus. 20 Jahre lang war er dabei auf sich selbst gestellt. „Ich konnte während der Bereitschaft nicht weg oder mal ein Bier trinken, es konnte jederzeit ein Einsatz kommen,“ sagt Lothar Schüssl. Da hat er viel mit nach Hause genommen. Auch die Familie musste sich der Bereitschaft unterordnen. Das ganze Leben war darauf abgestimmt. Seit Oktober 2021 ist damit Schluss.

Die schönsten Momente waren, wenn ein Hochbehälter gebaut wurde und anschließend alles so läuft wie geplant. „Da hat man ein gutes Gefühl,“ beschreibt der Wasserwärter seine Emotionen.

Alles Gefühl und Kopfsache

„Als ich angefangen habe, hat der Wassermeister zum Fenster rausgeschaut und so die Wasserqualität der Eger geprüft,“ berichtet Lothar Schüssl aus den Anfangsjahren. Damals gab es lediglich eine Chlorungsanlage und eine Flockungsanlage, damit musste das Wasser auf Trinkwasserniveau gebracht werden.

„Das gesamte Wassernetz musste man im Kopf haben, da es keine Pläne gab,“ erzählt Schüssl. Fünf Jahre, sagt er, braucht man bis man alles kennt, die Zusammenhänge richtig erfasst und auf jede Situation richtig reagiert. Heute wird alles vom Wasserwerk Aufhausen aus per Computer überwacht. Da ist es schon einfacher.

Was macht so ein engagierter Wasserwärter, nachdem er nun in Rente ist? „Ich will erstmal meine Akkus wieder aufladen,“ sagt er. 31 Jahre immer in Anspannung gehen nicht so ohne weiteres vorüber. Haus, Garten und seine Familie stehen jetzt ganz oben auf der Todo-Liste.

Jetzt kann er sich aussuchen, was er macht. „Das tun, worauf ich Spaß habe,“ beschreibt Lothar Schüssl sein Rentnerleben. Wie sagte schon Goethe: „Das Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß.“ Lothar Schüssl weiß es zu behandeln und ist gut mit ihm bekannt.

Lothar Schüssl an seinem ehemaligen Arbeitsplatz im Wasserwerk

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