Eine Flut aus Hilfsbereitschaft

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Überwältigend: Seit dem Spendenaufruf des Ehepaars Gorus am Freitag rollt aus dem ganzen Ostalbkreis eine Welle an Sachspenden und Hilfsbereitschaft für die Krisenregion an. In Arbeitsstraßen sortieren die Helferinnen und Helfer die Hilfsgüter den ganzen Tag und packen bedarfsgerechte Kisten.
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In Schrezheim ist eine beispiellose Hilfsaktion für die Opfer der Flutkatastrophe in Westdeutschland angelaufen. Wie es dazu kam und wie Sie helfen können.

Ellwangen-Schrezheim

Es geht zu wie im Bienenstock. Überall wuseln Helferinnen und Helfer, sortieren, packen an, verpacken Kisten. Handys klingeln, viele Telefonate. Mittendrin: Das Ehepaar Tanja und Markus Gorus. Die Eltern von sechs Kindern haben keine Sekunde gezögert, als das Ausmaß der Katastrophe im Westen klar wurde.

„Wir wohnen selbst in Rotenbach direkt am Wasser und haben leider auch schon öfter Hochwasser gehabt. Wir haben die Bilder gesehen und uns war klar, wir müssen helfen.“

Markus Gorus bekam Bilder von einem Würzburger Bekannten, dessen Bruder in der Krisenregion als Bundeswehrleutnant in Rheinbach in der Nähe von Bad Münstereifel die Katastrophenhilfe vor Ort koordiniert.

„Er war in mehreren Auslandseinsätzen, auch Afghanistan, aber was er in NRW erlebt hat, sei schlimmer“, berichtet Markus Gorus. Der Lkw-Fahrer organisierte flugs über die Spedition Roder einen Sattelschlepper und startete einen Aufruf über die Vereine Frohsinn Rotenbach und SG Schrezheim.

Und die Hilfe kam. Von überall. Bereits am Wochenende platzten die Räume aus allen Nähten. Die Gorus' haben Arbeitsstraßen gebildet, es wird vor- und aussortiert und bedarfsgerecht gepackt. Freiwillige Helfer sind den ganzen Tag im Einsatz, immer so um die 25 Stück.

Die Metzgereien Klozbücher und Bengelmann helfen den Helfern mit Essen. Die Stadt Ellwangen übernimmt die Getränke, hat die St.-Georg-Halle die ganze Woche geblockt und stellt Sondergenehmigungen für die Hilfstransporte aus.

„Das ging alles unbürokratisch“, berichtet der stellvertretende Ortsvorsteher, Jürgen Lang, der selbst non stop mit anpackt. „OB Michael Dambacher und Volker Grab waren hier und haben uns alle Hilfe zugesagt.“

Die Spedition Stengel schaltete sich ein, unterstützt zusätzlich mit allem, was der Fuhrpark hergibt. Bis zu 16 Sattelschlepper mit Fahrern, wenn nötig. Sprit und Maut als Spende inklusive. Am kommenden Samstag macht sich der Hilfskonvoi auf den gut 500 Kilometer langen Weg. Neun Helfer aus Schrezheim werden den Konvoi dann auch zum Abladen begleiten.

„Die Bundeswehr hat vor Ort ein Depot eingerichtet“, erklärt Tanja Gorus. „Wir liefern bedarfsgerecht vorsortiert. Das ist ganz wichtig, denn diese Arbeit können die dort im Krisengebiet nicht leisten.“

Daher muss auch ab Dienstag ein Annahmestopp für bestimmte Güter gelten.

Tanja Gorus war auch in Kontakt mit dem Sekretariat des Bürgermeisters von Rheinbach. „Es ist schlimm. Die Kommunikation ist schwierig, Telefonate brechen ab, Nachrichten gehen nicht raus. Im Hintergrund hört man permanent Sirenen.“

Wir haben die Bilder gesehen und uns war klar, wir müssen helfen.“

Tanja Gorus, Organisatorin Hilfsaktion

Wie man helfen kann

Hilfswillige können ab 9 Uhr an der St.- Georg-Halle in Schrezheim vorbeikommen.

Sachspenden in beliebiger Art können noch bis Montagabend angenommen werden. Ab Dienstag können nur noch folgende Artikel angenommen werden:

Hygieneartikel, Lebensmittel, Babynahrung, Windeln, Feuchttücher, Trinkwasser, Tiernahrung, Allergienahrung. Bei all diesen Artikeln gilt: Nur originalverpackt und mit gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum. Dazu: Werkzeuge (Schaufeln etc.), Putzmittel oder Campingausrüstung.

Ab Freitag können keine Sachspenden mehr angenommen werden.

Die Hilfsgüter aus anderen Ortschaften, wie Westhausen oder Hüttlingen, müssen bis Dienstagabend angeliefert werden, damit sie noch rechtzeitig sortiert und in die Lkw verladen werden können.

Ab Freitag, 16.45 Uhr werden die Sattelzüge beladen. Jede helfende Hand ist an der Halle willkommen.

Spendenkonto Die Stadt Ellwangen unterstützt die Aktion zusätzlich durch ein Spendenkonto. Die Bankverbindung wird noch bekanntgegeben.

Originalverpackte und haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel und Getränke werden weiterhin angenommen und sortiert.
Die Helfer schicken einen aufmunternden Gruß in die Krisenregion. Vorne v.l.: Jürgen Lang, Marcus Gorus, Tanja Gorus.
Jeder hilft wo es nur geht.
In Arbeitsstraßen sortieren die Helferinnen und Helfer die Hilfsgüter den ganzen Tag und packen bedarfsgerechte Kisten.

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