Haftstrafe für Mutter des getöteten Jungen

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Vor dem Amtsgericht Ellwangen ist am Donnerstag die Verhandlung gegen die Mutter des zu Tode geprügelten Nick zu Ende gegangen. Die 37-Jährige muss ins Gefängnis. Foto: rim
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Die Mutter des zu Tode gequälten Jungen wurde am Donnerstag vor dem Amtsgericht Ellwangen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Ellwangen. Am Donnerstag ist das Urteil gegen die Mutter des kleinen Nick gefallen. Der kleine Bub war im Oktober 2021 vom Lebensgefährten der Frau grausam zu Tode gequält worden. Die Mutter hatte nichts dagegen unternommen. Die 37-Jährige wurde jetzt wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen durch Unterlassung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Der zweite Verhandlungstag am Donnerstag startete zunächst mit der Anhörung von zwei Kriminalbeamten. Beide ließen keinen Zweifel daran, dass die schweren Misshandlungen des Kindes damals nicht zu übersehen waren. Die Vielzahl an Verletzungen, mit denen der kleine Körper übersät gewesen war, sei „außergewöhnlich“ gewesen, stellte ein 55-jähriger Kriminalhauptkommissar erschüttert fest.

Die Auswertung von Chatverläufen, zwischen der Mutter und ihrem Lebensgefährten, hätten zudem ergeben, dass die 37-Jährige sehr wohl von den Quälereien gewusst haben muss. Unter anderem hatte sie ihren Partner aufgefordert, künftig „vorsichtiger“ zu sein. Denn: Das Jugendamt sei aufmerksam geworden. Als der 33-Jährige darauf nicht reagierte, hätte sich die Frau bei ihrem Freund via WhatsApp entschuldigt.

Der Polizeibeamte zeigte sich überzeugt, dass die Frau - die in einer vorangegangenen Beziehung selbst Opfer von Gewalt geworden ist - keine Angst vor dem 33-Jährigen hatte. „Wenn überhaupt, dann hatte sie Trennungsängste“, sagte der Polizeibeamte.

Er ging auch darauf ein, dass die 37-Jährige sowohl von Bekannten wie auch ihrem ältesten Sohn auf die Misshandlungen des kleinen Nick aufmerksam gemacht worden sei - und danach trotzdem nichts unternahm. Sie wohnte den Quälereien mitunter sogar persönlich bei. Etwa, als das Kleinkind kopfüber von ihrem Lebensgefährten in eine Regentonne gedrückt worden ist. Einer befreundeten Familie hatte der 33-Jährige, laut dem Kripobeamten, bei einem gemeinsamen Besuch zudem demonstriert, wie man bei einem Zweijährigen Verstopfungen und Blähungen löst - mit einem heftigen Tritt in den Bauch.

Eine 47-jährige Hauptkommissarin, die der Obduktion des Kindes beiwohnen musste, erzählte eindrücklich, wie augenscheinlich schwer der Junge am gesamten Körper verletzt gewesen ist. „Das muss einer Mutter auffallen. Das lässt sich einfach nicht übersehen.“

Oberstaatsanwalt Dirk Schulte schloss sich in seinem Plädoyer dieser Einschätzung an. „Man muss schon auf beiden Augen blind und auf beiden Ohren taub sein, wenn man das nicht gesehen und mitbekommen haben will.“ Dass sich die Angeklagte nach ihren eigenen Gewalterfahrungen ausgerechnet in die Arme des 33-Jährigen geflüchtet habe, sei für den kleinen Nick eine fatale Entscheidung gewesen. Diese „verhängnisvolle Affäre“ seiner Mutter habe der wehrlose Junge am Ende mit dem Leben bezahlen müssen. „Hätten Sie sich damals anders entschieden, hätte Nick am vergangenen Montag seinen dritten Geburtstag feiern können“, betonte Schulte.

So aber sei das Kind in der Obhut eines Schlägers und Trinkers gelandet, während die Mutter wegschaute. „Ihr Unterlassen wiegt genauso schwer wie das aktive Tun“, gab Schulte der 37-Jährigen mit auf den Weg. Da helfe es auch nicht, dass ihre anderen vier Kinder sie als „gute Mutter“ bezeichnen, die selbst nie zugeschlagen hat. Schulte forderte für die Angeklagte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Verteidiger Rainer Schwarz hielt dagegen und sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus. Er verwies darauf, dass bei seiner Mandantin eine posttraumatische Belastungsstörung ärztlich attestiert worden ist. Ein Gutachter hatte außerdem festgestellt, dass die Frau „wie in Trance durchs Leben schreitet“. Damit seien ihre „Blindheit und Passivität“ zu erklären. Über die Tragweite der Tat sei sich die 37-Jährige erst im Nachhinein klar geworden, unterstrich Schwarz.

Richter Norbert Strecker folgte in seinem Urteil schlussendlich der Forderung des Staatsanwalts. Man bewege sich damit am unteren Strafrahmen machte Strecker deutlich. Das habe sich die Angeklagte durch ihr umfassendes Geständnis „verdient“. Gleichwohl könne das Gericht nicht außer Acht lassen, welche schlimmen Qualen und Schmerzen der Junge über mehrere Wochen erdulden musste, während die eigene Mutter wegschaute. „Sie hatten eine Fürsorgepflicht und hätten eingreifen müssen“, unterstrich Strecker. Auch wenn die Angeklagte eine schwierige Vita habe, sei sie in diesem Fall kein Opfer gewesen, stellte der Richter klar. Eine Bewährungsstrafe komme im vorliegenden Fall „beileibe“ nicht mehr infrage. „Die Strafe muss schuldangemessen sein.“

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