Ricarda Lang in Ellwangen: Polizei ermittelt nach Protesten bei Veranstaltung der Grünen

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Polizei und Ordnungsamt schützen die Veranstaltung des Ortsverbands der Grünen mit Ricarda Lang vor über 100 Demonstrierenden. Foto: gek
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Zwischen 100 und 150 Menschen protestierten laut vor dem Taj Mahal, wo Ricarda Lang sprach.

Ellwangen. Wütende Demonstranten lärmen am Freitagabend vor dem Taj Mahal, während Ricarda Lang zur Bundespolitik spricht. Eine Stunde vor der Veranstaltung, gegen 17.15 Uhr durchbrach ein großer Traktor mit riesigem Güllefass die Polizeiabsperrung und parkte direkt vor dem Lokal. Ein Plakat auf dem Fass: „Sanktionswahnsinn stoppen: Wir frieren nicht für eure Politik“. Weil der Fahrer den Schlüssel weggeworfen hatte, konnte das Fahrzeug nicht entfernt werden.

100 bis 150 Menschen, von Bauern der Organisation LSV (Land schafft Verbindung) über AFD-Funktionäre, Friedensbewegte und Querdenker, lärmen mit Trillerpfeifen, Sirenen, Megafon. Es ist die „bunte Mischung“, die man von den Montagsdemonstrationen kennt.

Neu ist die Aggression: Bürgermeister Volker Grab wird als „Drecksack“ und „grüner Nazi“ beschimpft, Polizeibeamte als „Handlanger“. Als Ricarda Lang vorfährt, läuft ihr die Menge entgegen und schreit „Hau ab, hau ab“. Solche Szenen gab es bei Politikerbesuchen zuletzt 1972, als Bundeskanzler Willi Brand in Ellwangen mit Pfeifkonzert empfangen wurde.

Die Politikerin muss durch die Hintertür ins Taj Mahal. Die Demonstranten lärmen draußen weiter, während sie drinnen spricht. Einige Protestierende kommen auch ins Lokal. Als einer sagt: „Die gehören alle aufgehängt“, bekommt er Lokalverbot.

Der Ellwanger Polizeichef Stephan Schlotz, der während des Einsatzes noch Verstärkung angefordert hatte und zuletzt knapp 30 Beamte vor Ort hatte, zieht am Ende Bilanz: Den Traktorfahrer erwartet ein Bußgeld, seine Aktion wird als Ordnungswidrigkeit bewertet. Ermittlungen wegen Straftaten laufen gegen die unbekannten Organisatoren, weil die Versammlung nicht angemeldet war und gegen Teilnehmende wegen Beleidigung und Volksverhetzung. Der Staatsschutz ist eingeschaltet.

Insgesamt zieht Schlotz eine positive Bilanz: Es sei gelungen, die Veranstaltung durchzuführen, auch das Demonstrationsrecht zu gewährleisten. Es gab weder Gewaltdelikte noch Sachbeschädigungen. „Die Leute haben weitestgehend auf unsere Anweisungen geachtet.“

Ricarda Lang wurde im Polizeibus weggebracht. Ein Angebot, das sie angesichts der tobenden Menge dankend angenommen hat. 

Mehr zum Abend lesen Sie im Artikel: "Ricarda Lang will ein gerechteres Land". 

Den Kommentar von Gerhard Königer "Wenn aus Angst Hass wird" finden Sie hier. 

Landwirte parkten ein großes Traktorgespann mit einem Transparent direkt vor dem Lokal.

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