Bopfinger Ehepaar: Fünf Jahre Haft für Drogenhändler

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Ein Bopfinger Ehepaar wird wegen Handel und Besitz von Heroin und Kokain zu Freiheitsstrafen verurteilt. Wie hoch die im Einzelnen sind und wie vor Gericht argumentiert wurde.

Ellwangen

Zu Haftstrafen wegen Handel und Besitz mit Rauschgift hat die Strafkammer am Landgericht gestern ein Ehepaar aus Bopfingen verurteilt. Das Paar hatte im April mit seinem Wohnmobil zwei Kilogramm Heroin, ein Pfund Kokain und eben so viel Streckmittel aus Nordrhein-Westfalen nach Bopfingen bringen wollen, um es dort, so die Ansicht des Gerichts, verkaufen wollen.

Die Verhandlung war die Fortsetzung des ersten Verhandlungstag Freitag voriger Woche. Das Paar war am 25. April nach Bottrop gefahren und hatte – so die Anklage - dort das Rauschgift geholt. Auf der Rückfahrt tags darauf wurde das Fahrzeug von der Polizei observiert, an der Ausfahrt der A7 bei Westhausen gestoppt und durchsucht. Die beiden wurden verhaftet.

Vor Gericht verwies der Anwalt der Frau, der Stuttgarter Hans Bense, nochmals auf den angegriffenen Gesundheitszustand seiner Mandantin und monierte, dass die JVA Schwäbisch Gmünd, wo sie aktuell inhaftiert ist, keine Anstalten mache, entsprechende Untersuchungen einzuleiten. Richter Joachim Fleischer erwiderte, er habe dort angerufen und gedrängt.

In seinem Plädoyer ging erster Staatsanwalt Armin Burger auf den Anklagepunkt dieser seiner Ansicht nach als touristischer Ausflug getarnte Beschaffungsfahrt am 25. und 26. April ein. Burger gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass der Angeklagte H. schon länger Rauschgifthandel betrieb, sonst hätte das von ALG II lebende Paar nicht seit Jahren „diesen Lebenswandel“ finanzieren können, Wohnmobil und zwei E-Bikes bar bezahlen und auch Familienmitglieder finanziell unterstützen können. Am 26. April seien zwei Kilogramm Heroin – das 225-fache einer nicht

geringen Menge – und 500 Gramm Kokain – das 90-fache einer „nicht geringen Menge“ – gefunden worden. Diese Menge sei seiner Überzeugung nach für den eigenen Verkauf bestimmt gewesen, nicht, wie behauptet, für andere Auftraggeber. Frau H. habe, wenn vielleicht auch nicht aktiv mitgemacht, die Tat doch geduldet und gebilligt, und „die Tarnung für den Tourismus gebildet“. Burger forderte für H. zehn Jahre Haft inklusive eines Entzugs über zwei Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus wegen Handels und Besitzes mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Für Frau H. wegen Tatbeteiligung vier Jahre Haft, wenn nötig, in einem Vollzugskrankenhaus.

Maximilian Pauls, Verteidiger von H., warf Burger Unseriosität bei seinem Antrag vor. Es gehe im Verfahren nur um diese eine Fahrt, für weiteren Handel gäbe es keine Hinweise, trotz polizeilicher Überwachung über fünf Monate. Auch dass H. alles selbst verkaufen wollte, sei nur eine Vermutung. Er habe nur ein Pfund Heroin und 250 Gramm Kokain selbst behalten wollen für den Eigenverbrauch und dessen Finanzierung.

Kein Hinweis auf längeren Handel

Plaus plädierte auf eine Strafe von vier Jahren und neun Monaten, inklusive Therapie. Bense führte an, dass beide Geständnisse abgelegt hätten, auch wenn das seiner Mandantin noch einmal korrigiert worden sei. Auch er merkte an, dass es keine Hinweise auf längeren Handel der beiden gegeben habe, auch nicht dafür, dass Frau H. wissentlich mitgemacht hätte. „Sie hat Beihilfe bei dieser Fahrt geleistet, seine Suchtprobleme gekannt, mehr nicht“, sagte er und forderte zwei Jahre auf Bewährung für seine Mandantin.

Die Kammer verurteilte den Angeklagten zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft samt Entzug. Frau H. muss zwei Jahre und zehn Monate wegen Beihilfe; ein Haftbefehl gegen sie wurde in Vollzug gesetzt. Beiden wird die Untersuchungshaft angerechnet. Er habe Handel getrieben zur Finanzierung seines Bedarfs und eines besseren Lebens für Familie. Sie sei eingeweiht gewesen und habe profitiert, aber wohl nicht aktiv mitgemacht, so die Urteilsbegründung. Das Wohnmobil und etwas Bargeld werden eingezogen.

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