Bundeswehr-Vortrag in Ellwangen: Mehr einsatzbereite Divisionen für die NATO

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Generalmajor Andreas Hannemann, Kommandeur der Division Schnelle Kräfte (DSK), sprach im Olgassaal der Reinhardt-Kaserne.
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Generalmajor Andreas Hannemann, Kommandeur der Division Schnelle Kräfte (DSK), sprach im Olgassaal der Reinhardt-Kaserne.

Ellwangen. Der Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, Generalmajor Andreas Hannemann, sprach kürzlich im Olgasaal der Reinhardt-Kaserne über die Umstrukturierung der Bundeswehr und die geplante Bereitstellung schneller, einsatzbereiter Kräfte für die NATO. Die binationale Einheit mit deutschen und niederländischen Kräften fasst luftlandefähige Einheiten der Bundeswehr zusammen. Ihre Aufgabe reiche von der Abwehr eines Cyberangriffs bis zur Bedrohung durch einen mit einem Speer bewaffneten Mann, meinte Hannemann.

"Wir sind als erste vorne", so seine Beschreibung der Gruppe, die auch den Flughafen in Kabul gegen die Taliban sicherte, bis die deutschen Staatsangehörigen ausgeflogen waren. 34 einhalb Stunden habe es gedauert von der Erstalarmierung bis zum Abflug. In der DSK dienen nur Freiwillige, die sich zuvor schon bewährt haben. "Im Schnitt haben meine Leute 11 Jahre in meiner Division gedient, wenn sie entlassen werden", sagte der Kommandeur.

Vielfältige Aufgaben

Für die geplanten schnellen einsatzbereiten Kräfte sei die "Gleichmachung des Geräts" von großer Bedeutung. Die Kompatibilität in der Logistik sei quasi die Voraussetzung für die Schlagkraft der geplanten multinationalen Einheiten. Die denkbaren strategischen Einsätze reichten von Operationen zur Verzögerung eines Konflikts, Angriffszielen in der Tiefe des Gegners bis "zum Besuch im Haus eines Regierungschefs, um ihn davon zu überzeugen, dass Friedensverhandlungen die bessere Option wären".

Von zentraler Bedeutung sei die Luftlandefähigkeit auch von schwerem Gerät, denn "wer zu Fuß geht, verliert." Dass selbst der Abwurf von Panzern möglich ist, zeigte Hannemann in einem Manövervideo. Auf die Fragen der rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörer berichtete Hannemann vom Kabuleinsatz: "Der Einsatz war vor allem menschlich schwierig." Eine Frau mit einem Kind auf dem Arm und dem zweiten an der Hand durch das Tor wieder nach draußen zu schicken, weil sie nicht auf der Liste steht, sei nicht so einfach. Hannemann: "Die Schießerei, die es gab, haben wir gewonnen."

Drohnen waren in Afghanistan Tagesgeschäft

Auf die Frage, ob die DSK auch mit Drohnen kämpfe, sagte der Kommandeur: "Wir haben in Afghanistan jeden Tag Kampfdrohnen eingesetzt. Das war Tagesgeschäft." Da die DSK im Rahmen eines NATO-Einsatzes kämpfte, sei dies legal gewesen. Die Bundeswehr hat keine eigenen Kampfdrohnen, weil der Bundestag diese Waffen nicht freigegeben hat. "Wir könnten die gut gebrauchen", meinte Hannemann. Die Abwehr von Drohnenschwärmen sei mit Handwaffen und Schrotflinten möglich oder mit anderen Drohnen. "Wir sind in dem Bereich nicht so aufgestellt, wie wir möchten."

Hannemann war von der Sektion Ostwürttemberg der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) eingeladen worden. Vorsitzender Hariolf Ziegelbauer bezeichnete die DSK als "einen der wichtigsten Verbände der Bundeswehr."

Zum nächsten Vortrag der GSP kommt am 10. November um 19 Uhr Rainer Eppelmann, Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und spricht über die "Wiedervereinigung vor 30 Jahren". Eine Anmeldung ist bis 5.11. erforderlich unter E-Mail: gerhard.Blitz@web.de oder Bspras6sprachenzentrumsued@bundeswehr.org.

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