Die Eschen sterben auch in der Stadt

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Für den heftigen Sturm im Juli war diese Mehlbeere am Bolzplatz bei St. Gertrudis nicht stark genug. Teilweise entwurzelt und in extremer Schräglage ist dieses Bäumchen ein Fall für die Motorsäge.
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Die Baumkontrolle des städtischen Baubetriebshofs ergab dringenden Handlungsbedarf. Die Bäume entlang der Rotenbacher Straße bleiben ein Schwerpunkt.

Ellwangen

Mindestens 16 größere Bäume im Stadtgebiet, die so stark beschädigt sind, dass man sie nicht mehr retten kann, listet der städtische Baumkontrolleur Felix Rettenmeier in seinem diesjährigen Bericht auf. Ein Schwerpunkt dabei bleibt die Rotenbacher Straße mit den angrenzenden Parks, wo schon in den Vorjahren immer wieder Baumriesen umgelegt werden mussten, weil sie bei einem Sturm auf die viel befahrene Straße zu stürzen drohten.

In diesem Jahr sind es viele Eschen, gleich vier müssen beim Wellenbad gefällt werden. Das Eschentriebsterben, das in den Wäldern grassiert, ausgelöst durch einen Pilz aus Ostasien, macht auch vor den Stadtbäumen nicht halt.

Im Park beim Schützenhaus neben der ehemaligen Kneippanlage muss auch eine 20 Meter hohe Fichte weg. Sie ist abgestorben, steht als vertrockneter Baum da und Spaziergänger laufen Gefahr, von herabstürzenden Ästen getroffen zu werden. Am Steilhang zwischen Rotenbacher Straße und Wellenbad stehen etliche mächtige und hohe Bäume. Rettenmeier beobachtet genau, wie sie sich entwickeln, denn hier wird in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt seiner Arbeit sein.

Im Zuge der Landesgartenschauplanung wird der Campingplatz verlegt und auch das Landesgartenschaugelände muss bis 2026 „safe“ sein, sprich bei einem starken Wind oder Sturm dürfen die Besucher nicht in Gefahr geraten.

Die Gründe, weshalb ein Stadtbaum morsch wird, können ganz unterschiedlich sein. Das Eschentriebsterben, quasi eine Epidemie, ist ein Sonderfall. Meist sind es alte Verletzungen der Rinde, die zum Einfallstor für Pilze und Schwämme werden. Solche Verletzungen können durch Fahrzeuge entstanden sein oder durch Sturmbruch. Wenn es dem Baum nicht gelingt, die Wunde mit Harz oder Rindenwachstum zu schließen, beginnt der Niedergang. Mehrere der geplanten Baumfällungen sind auf den Sturm im Juli zurückzuführen, der Bäume umgedrückt oder große Teile abgerissen hat.

Einen Sonderfall zeigt Felix Rettenmeier in der Haller Straße: Hier wurde ein Spitzahorn einfach an der falschen Stelle gepflanzt, nämlich direkt unter einer Stromleitung. der ständige Rückschnitt, damit die Äste nicht die Leitungen berühren, tat dem Baum nicht gut. Jetzt wird er gefällt und es ist an der Stelle auch keine Ersatzpflanzung vorgesehen.

Jürgen Lang machte auf die schallmindernde Wirkung von Bäumen entlang der stark befahrenen Straße aufmerksam. Rettenmeier stimmte zu, in der Haller Straße seien bereits seit Jahren immer wieder Bäume gefällt worden. Problem sei das Lichtraumprofil, das durch ausufernde Baumkronen verengt wird. Insbesondere dem Schwerlastverkehr stehen die Bäume am Straßenrand im Weg.

Peter Müller wollte wissen, wie der Baubetriebshof die Baumpflege und die schwierigen Fällungen im Stadtgebiet durchführt. Rettenmeier erklärte, dass man zusammen mit Fremdfirmen vorgehe, die entsprechendes Gerät haben. Neue Teleskoplader mit Sägearm können bis in Gipfelhöhe arbeiten, was die Arbeit schneller und ungefährlicher macht. Die Arbeiten sollen noch im Oktober beginnen und bis Ende Februar 2022 abgeschlossen sein. Gerhard Königer

  • Schwere Baumkrankheit: die Eschenwelke
  • Das Eschentriebsterben, auch bekannt als Eschenwelke, ist eine schwere Baumkrankheit, die durch den aus Ostasien eingeschleppten Pilz (Hymenoscyphus fraxineus) verursacht wird. In Asien besiedelt H. fraxineus als harmloser Blattpilz die dort heimischen Eschenarten. Vermutlich wurde der Pilz mit importierten Eschenpflanzen nach Europa eingeschleppt. Quelle: waldwissen.net
Diese Weide beim Wellenbad ist nicht mehr zu retten: trotz Rückschnitt hat sich der Baum nicht erholt und muss umgemacht werden, weil herabstürzende trockene Äste die Gäste der Kneippanlage gefährden.

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