Ein Ellwangen-Kenner packt aus

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Albert Maier, der in ganz Deutschland aus der ZDF-Sendung "Bares für Rares" bekannt ist, vor seinem Antiquitätengeschäft in der Spitalstraße: In Ellwangen zu leben bedeutet für ihn das Leben zu genießen.
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Durch die Fernsehsendung „Bares für Rares“ wurde der Antiquitätenhändler zu einer Person, die überall sofort erkannt wird. Doch die Wurzel seines Erfolgs liegt in der Spitalstraße.

Ellwangen

Durch seine Rolle als Experte bei „Bares für Rares“ ist Albert Maier zur Berühmtheit geworden. Man kennt sein Gesicht, egal wohin er kommt, in Ellwangen sowieso. Wir treffen uns vor seinem Antiquitätengeschäft in der Spitalstraße, wo zwei Stühle stehen. Ein Platz, wie geschaffen, um über die Besonderheiten dieser Stadt zu sprechen.

Albert Maier, 74 Jahre jung, ist hier geboren und aufgewachsen. Wie viele hat er versucht, die Kleinstadt hinter sich zu lassen, studierte in Berlin und München, war in Metropolen unterwegs. Und kam doch wieder hierher zurück, nach Ellwangen.

Das Antiquitätengeschäft ist sein Elternhaus, hier ist er aufgewachsen, sein Vater hatte zwei Lebensmittelgeschäfte in der Stadt, eins hier in der Spitalstraße und ein zweites hundert Meter weiter in der Schmiedstraße.

Wie war es, hier aufzuwachsen in den fünfziger Jahren? „Das hieß tagaus tagein Obst- und Gemüsekisten schleppen“, ist Maiers Antwort. „Die Waren standen hier auf dem Bürgersteig, direkt an der Straße, die damals noch stark befahren war.“

Wenn er nicht zuhause helfen musste, vertrieb er sich mit den Nachbarsjungen die Zeit. Es waren einige, die Familien Brechenmacher, Utz, Pfitzer, Stieglitz, Haas und andere hatten alle Kinder in seinem Alter. Die Gruppe Unterstadt konkurrierte gegen Oberstadt , man traf sich sogar zu Schlägereien auf den Schlosswiesen, erzählt Albert vergnügt.

Es gab zwar keine Spielplätze, aber jede Menge Platz zum Spielen: Der Marktplatz war zwischen Sakristei und Wolkensteinkapelle ungepflastert, hier wühlten die Kleinen im Sand, die größeren spielten Fußball. Im Sommer war man an der Jagst im „Bubenbad“, wo Albert Maier das Schwimmen lernte.

Natürlich war der Albert Ministrant und in der Kapelle des Spitals gleich gegenüber vom Laden, in dem unter den vielen Alten auch ein paar greise Pfarrer lebten, war jeden morgen um 6 Uhr Messe. „Manchmal kam auch die Gräfin Adelmann, dann gab es fünf Mark fürs Ministrieren“, erinnert er sich.

Das Gymnasium war noch mitten in der Stadt, Pausenhof war der Marktplatz. Und als bei den ersten Ausgrabungen an der Basilika  Gräber zum Vorschein kamen, waren die menschlichen Knochen beliebtes Mitbringsel in den Unterricht. „Als das Gymnasium 1963 in den Neubau umzog, brauchte man keine Lastwagen. Wir Schüler schleppten das gesamte Inventar, Vitrinen, Landkarten, Bücher.“

In dieser Zeit erwachte auch Maiers Talent für öffentliche Auftritte: Er gründete mit Freunden die Band „The Lovers“, spielte Bass und sang. „Man konnte mit der Musik Geld verdienen, wir spielten bei Hochzeiten und Bällen. Und man hatte es leichter bei den Mädels“, sagt er.

Nach dem Abitur wurde Ellwangen zu klein, das war damals nicht anders als heute. Albert Maier zog nach Berlin, um Jura zu studieren. Dass man dort nicht zur Bundeswehr eingezogen wurde, war ein angenehmer Nebeneffekt. Bis zum Staatsexamen hielt er durch, dann öffnete das Praktikum bei einem Gerichtsvollzieher ihm die Augen für die Welt der Kunst und der Antiquitäten. Im ganzen Süden der Republik war er auf Märkten und Messen unterwegs und kam so auch wieder nach Ellwangen.

Die kleine Stadt an der Jagst hatte nämlich Einiges zu bieten: Schrezheimer Fayencen, Bilder von Künstlern wie Stirner und  Baumgärtner. Antiquitäten waren gefragt, vor allem Bauernmöbel, und es gab Leute, die sich Antiquitäten leisten konnten.

Über seine Expertise kam Albert Maier zum Film, wurde Fachmann erst beim SWR und dann beim ZDF, bisher in über 1400 Sendungen. „Bares für Rares“ hat alle Preise gewonnen, die man gewinnen kann und es geht weiter. „Nächste Woche bin ich wieder für drei Tage in Köln, sechs Sendungen aufzeichnen, dann eine Woche Pause und wieder drei Drehtage“,  erzählt er und man versteht, wenn er sagt, dass Ellwangen sein Ruhepol ist.

Die Stadt habe eine angenehme Größe und in der Stadtmitte eine gute Mischung aus Wohnen und Arbeiten. „In Ellwangen trifft man sich, auch ohne Verabredung“, sagt Maier, der auch die ländliche Umgebung mag, viele Freunde in den Dörfern und Ortschaften der Umgebung hat. „Ellwangen bedeutet für mich Lebensqualität“, sagt er.

Und was hält Maier von der Zukunft? „Für die LGS 2026 fehlt mir noch die Begeisterung der Leute“, sagt er. „Aber das kommt noch. Ellwangen schafft das so gut wie Schwäbisch Gmünd. Da bin ich mir sicher.“

Bekannter Kopf

Das Grab des Pater Philipp Jeningen im Kreuzgang der Basilika ist für viele, die Hilfe suchen, der richtige Ort für ein stilles Gebet. Der Jesuit lebte von 1680 bis 1704 in der Stadt. Er war ein Fürsprecher der Armen und überzeugte den damaligen Fürstpropst in einer Gewitternacht davon, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre für den Bau der Schönenbergkirche. Die Seligsprechung nach jahrzehntelanger Prüfung am 16. Juli wird zu einem herausragenden Fest für die ganze Region.

Instagram-Fotomotiv

Was ist das meistfotografierte Motiv in Ellwangen? Schloss, Basilika oder Schönenbergkirche? Wer den richtigen Standpunkt hat bringt alle drei auf ein Bild. Schloss und Basilika sind sich nicht nur räumlich besonders nah. Die Burg baute ab 1188 Abt Kuno auf der Anhöhe über seinem Kloster. Nach 1460 wurde sie Sitz der Fürstpröpste, die daraus ein zeitgemäßes Schloss formten. Geistliches Zentrum blieb jedoch immer die Basilika unten in der Stadt.

Schon gewusst?

Es sind noch genau 1417 Tage bis zur Eröffnung der Landesgartenschau 2026 in Ellwangen, wenn man davon ausgeht, dass die Veranstaltung am ersten Aprilwochenende starten wird. Man könnte sagen, der Countdown läuft und alle sind gut beraten, die Zeit bis dahin zu nutzen, um eine LGS zu schaffen, die das ganze Land begeistert. Gezählt sind damit auch die Tages des alten Stauwehrs an der Jagst, das für wandernde Fische schon immer ein Ärgernis war.

In Ellwangen trifft man sich, auch ohne Verabredung.“

Albert Maier, Antiquitätenexperte
Der Jesuit P. Philipp Jeningen starb 1704 in Ellwangen.
Das Schloss über der Basilika
Stauwehr der Jagst beim Schießwasen.

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